+++ Jetzt mehr über Kryptowährungen erfahren und direkt mit dem Handel beginnen** +++-w-
Hoffnung auf Lösung 23.09.2015 13:09:00

Verbund gegen Split der Stromzone: 300 Millionen Mehrkosten

Strom würde sich damit bei uns für alle Kunden zusammen um 300 Millionen Euro oder 15 Prozent verteuern. Als letztes Mittel seien auch rechtliche Schritte dagegen denkbar, meinte Anzengruber am Mittwoch zu Journalisten.

Zunächst hofft der Verbund-Chef, dass politische Gespräche mit der deutschen Seite, aber auch mit Brüssel, eine "vernünftige Lösung" bringen, um die gegen Ende des Jahrzehnts drohende Spaltung zu verhindern. Gerade die Stromgrenze zwischen Deutschland und Österreich sei die einzige wirklich offene in Europa, "und es wäre skurril und doof, wenn wir sie schließen", meinte Anzengruber im Auftakt-Pressegespräch zur "energy2050"-Tagung in Fuschl.

Ein Anstieg des Stromgroßhandelspreis-Niveaus von derzeit 30 Euro je MWh um vermutlich 15 Prozent oder 4 1/2 Euro/MWh würde zwar den Verbund kurzfristig sogar begünstigen, "wir sind aber trotzdem dagegen, weil es unsere Wirtschaft, den Wirtschaftsstandort Österreich schädigt".

Das sieht auch Siemens-Österreich-Generaldirektor Wolfgang Hesoun so. "Als Wiener Industrie sind wir besorgt über die mögliche Zusatzbelastung aus dem Energieumfeld", meinte er beim gemeinsamen Auftritt mit Anzengruber. "Wir leben schon in einem Hochlohnland. Die zehn bis 15 Prozent mehr würden uns sehr viel kosten", so Hesoun. "Die Industrie wird dann vielleicht hier nicht mehr investieren", meinte dazu der Verbund-Chef. Deshalb, so der Siemens-GD, versuche man als Industrie der E-Wirtschaft "auch auf europäischer Ebene den Rücken zu stärken".

Eine nur halb so teure Lösung der innerdeutschen Netzkapazitäts-Probleme - die die Ideen einer Marktteilung aufkommen ließen - wäre es laut Anzengruber, wenn aus Österreich mit Kraftwerkskapazitäten dagegengehalten würde, um das Absaugen des Wind- und PV-Stroms aus Norddeutschland rund um Deutschland herum in den Süden zu verhindern. Denn letztlich liege das Problem an fehlenden innerdeutschen Stromnetz-Kapazitäten.

4.000 MW heimische Kraftwerkskapazität, je zur Hälfte thermisch und Pumpspeicher, könnten nach Ansicht des Verbund-Chefs ausreichen, um dem immer wieder an Strommangel leidenden Süden Deutschlands von Österreich aus zu helfen. Das könnten etwa die Anlagen Mellach und Timelkam sein, aber auch thermische Blöcke von EVN und Wien Energie. Das würde letztlich nur 150 Mio. Euro kosten, doch auch hier müsste eine Kostenaufteilung gefunden werden, zunächst zwischen den Versorgern aus beiden Ländern; mittelfristig würden aber auch diese halbierten Kosten für den Stromkunden zu tragen sein. Zuletzt musste Österreich dem Nachbarn sogar im Sommer mit viel Strom aushelfen, ein Novum.

Den Vorstoß der Vereinigung der europäischen Energieregulierer ACER, die am Mittwoch eine Aufteilung der gemeinsamen Stromzone empfahl, will Anzengruber nicht überbewerten: "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer", kommentierte der Verbund-Chef die letztlich auf polnische Initiative erfolgte ACER-Entscheidung. Polens und Tschechiens Netze leiden besonders unter ungewollten Strom-Lastflüssen von Nord nach Süd, deren Ursachen im Stromüberangebot aus Windkraft in Norddeutschland liegen.

Vizekanzler Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP), der sich wegen des EU-Flüchtlingsgipfels in Fuschl entschuldigen musste, sprach sich schon Anfang der Woche für den Erhalt der gemeinsamen Strompreiszone mit Deutschland aus. "Die deutsch-österreichische Preiszone ist ein Erfolgsmodell und stärkt die Versorgungssicherheit. Davon profitieren Unternehmen und Haushalte in beiden Länder, so Mitterlehner am Montag. Der grenzüberschreitende Stromhandel unterstütze die laufende Energiewende und sei eine zentrale Voraussetzung, um den Strom-Binnenmarkt effizient zu vollenden. Anzengruber wies darauf hin, dass sich die Liquidität am heimischen Strommarkt bei einer Abtrennung deutlich verringern würde, wie dies auf kleineren Märkten immer der Fall sei.

EU-Energiekommissar Maros Sefcovic hatte diese Woche in Wien in einem Interview eine Aufkündigung der gemeinsamen Preiszone als "suboptimal" bezeichnet, es gebe auch andere Möglichkeiten: "Am besten wäre, das deutsche Netz zu stärken", so Sefcovic.

sp/itz

Weitere Links: