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10.09.2019 11:32:46

Verdi-Mitglieder stimmen über bundesweiten Streik bei Postbank ab

Von Ulrike Dauer

FRANKFURT (Dow Jones)--Der Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Postbank und den Arbeitnehmern spitzt sich zu. Die Gewerkschaft Verdi lässt ihre Mitglieder nun in einer Urabstimmung über bundesweite Streiks entscheiden, wie die Gewerkschaft mitteilte. Dadurch könnte es laut Verdi zu Verzögerungen in den Arbeitsabläufen, Einschränkungen im Zahlungsverkehr und zu Filialschließungen kommen. Am Montagabend hatte Verdi die Verhandlungen mit den Arbeitgebern nach der dritten Verhandlungsrunde für gescheitert erklärt, nachdem die Deutsche-Bank-Tochter ein nach Meinung der Gewerkschaft "inakzeptables Angebot" vorgelegt hatte.

Dies sieht die Postbank anders. Die Bank teilte mit, dass sie ein aus "aus Unternehmenssicht tragfähiges und dem aktuellen Markt- und Branchenumfeld angemessenes Angebot abgegeben" habe. Zudem ist die Privatkundenbank "weiterhin daran interessiert, die Verhandlungen in weiteren Runden zu einem einvernehmlichen Ergebnis zu bringen".

Die Vorstellungen von Gewerkschaft und Arbeitgebern liegen weit auseinander

Laut Mitteilung der Gewerkschaft bietet die Postbank ab 1. April 2020 eine Gehaltserhöhung um 1,7 Prozent, ab 1. Juli 2021 um 1,0 Prozent und ab 1. Februar 2022 um weitere 1,0 Prozent. Die Gewerkschaft hat errechnet, dass "bei neun Nullmonaten dieses Angebot über eine Laufzeit von 36 Monaten eine durchschnittliche jährliche Erhöhung der Gehälter um lediglich 1 Prozent bedeuten" würde.

Verdi fordert für die 12.000 Beschäftigten unter anderem eine Anhebung der Gehälter um 7 Prozent bzw. um mindestens 200 Euro, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Auch fordert Verdi, dass die Beschäftigten dabei wählen können sollen, ob sie mehr Geld oder mehr Freizeit erhalten möchten. Darüber hinaus will die Gewerkschaft eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 100 Euro und für Verdi-Mitglieder sechs Gesundheits- und Entlastungstage.

"Wer in der dritten Verhandlungsrunde eine Gehaltserhöhung unterbreitet, die unterhalb der zu erwartenden Teuerungsrate liegt und damit die Gehälter entwertet, statt diese angemessen zu erhöhen, der fordert eine sehr deutliche Reaktion der Beschäftigten geradezu heraus", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christoph Meister.

Verdi nennt Angebot des Arbeitgebers "eine Provokation"

Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck wies darauf hin, dass sich die Erträge im Geschäft mit Privat- und Firmenkunden in Deutschland im 2. Quartal 2019 auf 1,7 Milliarden Euro belaufen würden, ein Plus um 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch vor diesem Hintergrund sei das Arbeitgeberangebot, das für die Beschäftigten einen Reallohnverlust bedeuten würde, eine Provokation.

In den Verhandlungen geht es um die Beschäftigten bei Teilen der DB Privat- und Firmenkundenbank AG, den Postbank Filialvertrieb, den BHW-Kreditservice und weitere Tochterunternehmen wie Betriebscenter für Banken, PB Service, PB Direkt, PB Firmenkunden AG.

Bereits vor der dritten Verhandlungsrunde, die eigentlich für zwei Tage in Königswinter angesetzt war, hatte Verdi in der vergangenen Woche Mittwoch und Donnerstag zu lokalen Warnstreiks aufgerufen, unter anderem in Nordrhein-Westfalen, Frankfurt und München.

Kontakt zur Autorin: ulrike.dauer@wsj.com; @UlrikeDauer_

DJG/uxd/hab

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September 10, 2019 05:33 ET (09:33 GMT)