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Porsche stabil 16.03.2021 17:52:00

Volkswagen-Aktie geht deutlich fester aus dem Handel: VW-Kernmarke schafft es operativ in die schwarzen Zahlen - Corona drückt Gehalt von VW-Chef

Volkswagen-Aktie geht deutlich fester aus dem Handel: VW-Kernmarke schafft es operativ in die schwarzen Zahlen - Corona drückt Gehalt von VW-Chef

Vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen durch die Dieselaffäre wies der Konzern für die Marke am Dienstag einen Gewinn von 454 Millionen Euro aus. Lange war unklar geblieben, ob die Wolfsburger hier noch den Schwung zurück in die schwarzen Zahlen schaffen. Nach dem ersten Halbjahr und den Einbrüchen in der Corona-Krise hatte die Marke mit dem VW-Logo einen operativen Verlust von 1,5 Milliarden Euro angehäuft. Das Management um Markenchef Ralf Brandstätter hatte sich aber kämpferisch gegeben, die Wende noch zu schaffen. Details stellt die Kernmarke am Mittwoch vor.

Im Vorjahresvergleich wird allerdings deutlich, wie das Geschäft unter Corona gelitten hat. Der Umsatz der Marke brach um ein knappes Fünftel auf 71,1 Milliarden Euro ein. Das bereinigte operative Ergebnis lag mit 454 Millionen Euro fast 90 Prozent unter dem Vorjahreswert von 3,8 Milliarden Euro. Die entsprechende Umsatzrendite sank von 4,3 auf 0,6 Prozent.

Bei AUDI machte sich die Krise mit einem Umsatzrückgang von 10 Prozent auf 50 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnisrückgang von 40 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro ebenso bemerkbar. Gut weg kam Porsche, wo im Autogeschäft der Umsatz mit 26,1 Milliarden Euro stabil blieb und das operative Ergebnis nur um knapp 5 Prozent auf 4,0 Milliarden Euro sank. Unter den Konzernmarken fuhren die leichten VW-Nutzfahrzeuge, Seat und der Lkw-Bauer MAN einen operativen Verlust ein.

Volkswagen bekräftigt Ausblick für 2021

Volkswagen rechnet dieses Jahr wie geplant mit deutlich besseren Geschäften und setzt weiter auch auf Kostensenkungen. Der Umsatz im Konzern und im Pkw-Geschäft soll 2021 signifikant über dem Vorjahreswert liegen, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. Die operative Rendite soll am oberen Ende der Bandbreite 5,0 bis 6,5 Prozent liegen. In den Folgejahren soll schnellstmöglich der Zielkorridor von 7 bis 8 Prozent wieder erreicht werden.

Dazu beitragen sollen auch Kostensenkungen. So sollen die Fixkosten bis 2023 gegenüber einem Stand von 2020 um rund 2 Milliarden Euro bzw. 5 Prozent sinken, so VW. Bei den Materialkosten werde bis dahin eine Reduzierung um 7 Prozent angestrebt. Darüber hinaus sollen konzernweit stärker Synergien gehoben werden.

"Das gute Abschneiden im Krisenjahr 2020 gibt uns Rückenwind für die Beschleunigung unserer Transformation", sagte VW-CEO Herbert Diess laut Mitteilung.

Der Konzern wolle nun vor allem seine Plattformstrategie weiterentwickeln. Künftig sollen Fahrzeuge und Services aller Konzernmarken auf weitgehend einheitlichen technischen Grundlagen aufbauen. Die Strategie umfasst neben Hardware und Software auch die Batterie und das Laden sowie Mobilitätsdienste.

Corona-Lage drückt Gehalt von VW-Chef - aber immer noch 6,1 Millionen

Der gesunkene Gewinn von Volkswagen hat 2020 auch das Gehalt von Konzernchef Herbert Diess etwas geschmälert. Der Topmanager erhielt - ohne Berücksichtigung von Rentenansprüchen - laut Vergütungsbericht rund 6,1 Millionen Euro, gut 900 000 Euro weniger als für das Vorjahr. Das lag vor allem an einer deutlich geringeren variablen Komponente, in die unter anderem die Entwicklung des zuletzt von der Corona-Krise getrübten Geschäftsergebnisses einfließt. Diese fiel um mehr als 2,2 Millionen Euro niedriger aus.

Ein Teil des Rückgangs wurde jedoch durch einen weiteren Bonus für die VW-Vorstände ausgeglichen, wie aus den am Dienstag vorgelegten Zahlen hervorgeht. Dieser orientiert sich wiederum an den drei Jahren davor (2017 bis 2019) und brachte Diess knapp 1,8 Millionen Euro ein.

Die Werte sind nur schwer direkt vergleichbar. Denn beim letzten Mal war in der Gesamtsumme auch noch eine Zahlung enthalten, die aus einem nach Beginn der Dieselkrise zunächst auf Eis gelegten Aktienpaket stammte. So etwas taucht nun nicht wieder auf.

Die Gehälter der VW-Vorstände bestehen aus einem fixen Basisgehalt plus Nebenleistungen sowie zwei variablen Bestandteilen: einem am laufenden Jahr und einem an einer Spanne von drei zurückliegenden Geschäftsjahren ausgerichteten Bonus. Für letzteren ist die Auszahlung über mehrere Stufen und Abschläge gestaffelt. Diess' Rentenansprüche beliefen sich 2020 auf knapp 1,6 Millionen Euro.

Nachfrage soll es richten: VW hält weiter am Verbrenner fest

2024, 2025, 2026. Bei Volkswagen soll in mittlerer Frist eine wichtige Weichenstellung auf die nächste folgen. Bisweilen scheint es für einige Beobachter aber, als gehe Deutschlands größter Industriekonzern erst viele Schritte voran - und dann teils wieder zurück.

Da ist einerseits der Start des neuen Flaggschiffs und "Tesla-Fighters" Artemis in drei Jahren. Dazu der Einsatz einer Standardbatterie aus eigenen Werken, dazu der angepeilte Netzausbau auf 18 000 Schnellladepunkte in vier Jahren. Etliche Projekte zum Hochlauf der E-Mobilität nicht eingerechnet.

Dann kommt andererseits das Jahr 2026 - und mit ihm der mögliche Start einer weiteren Generation von Verbrennermodellen. Zumindest laut aktueller Planung. Zwar will die absatzstärkste europäische Autogruppe die klassischen Reihen durch mehr Hybridvarianten ergänzen. Ein Datum für den Abschied von Benziner und Diesel nennt VW jedoch weiterhin nicht.

Vorstandschef Herbert Diess setzt auf eine Steuerung über Angebot und Nachfrage. "In einigen Regionen werden Verbrenner noch länger als in anderen Regionen verkauft werden", erklärt er am Dienstag zur Jahresbilanz 2020. Nach seiner Vorstellung kommt der Wandel über den Markt und die Kunden. Obgleich sich auch VW nach verschärften Regeln der EU für den Klimaschutz richten muss, die gehörig Druck aufbauen: 2020 verfehlte der Konzern noch den zulässigen Wert, wenn auch knapp.

Der Pfad, der Wolfsburg vorschwebt, ist: langsames Auslaufen der alten Antriebe statt fixer Jahreszahlen. "Über die gesamte Zeitspanne werden wir das Geschäft mit Verbrennern optimieren, durch weniger Modelle, einen besseren Preismix und niedrigere Fixkosten", so Diess.

Bei aller Anerkennung für die unter seiner Regie forcierte Elektrostrategie mit Milliarden über Milliarden an Investitionen bleibt für Kritiker ein schaler Beigeschmack. Warum bekennt sich der Konzern, verantwortlich für ein Prozent der globalen CO2-Emissionen, nicht endlich zu einem konkreten Ziel für das Ende des Verbrenners?

Der VW-Chef verweist etwa darauf, dass gewinnträchtige SUVs, Sportwagen und Limousinen zunächst noch nötig seien - genau deshalb, um den Umbruch in die rein elektrische Welt zu finanzieren. Zudem seien moderne Verbrenner um ein Vielfaches effizienter und weniger umweltschädlich als ihre Vorgänger aus Zeiten der Dieselkrise.

Dennoch: Was das fossile "Phasing out" angeht, sind andere weitaus entschlossener. Der langjährige US-Rivale General Motors, Volvo, Jaguar oder für Europa der neue Partner Ford Motor, dem VW seine E-Plattform zur Verfügung stellt, nannten entsprechende Ziele. Auch ganze Länder schwenken um. Norwegen will ab 2025 keine klassischen Verbrennerverkäufe mehr zulassen. Großbritannien, Schweden, Dänemark, die Niederlande und Belgien ab 2030, Frankreich ab 2040. Sogar das riesige Schwellenland Indien will mittelfristig raus.

Im Autoland Deutschland ist davon offiziell keine Rede - sehr zum Missfallen von Klimaschützern. Ohne die Folgen der Corona-Krise wäre das Klimaziel 2020 wohl gerissen worden, schätzte das Umweltbundesamt am Dienstag. Marion Tiemann von Greenpeace sagt: "Die Wettbewerber von morgen sind US-Digitalkonzerne und chinesische E-Autobauer. Die stehen ohne den Ballast und das Risiko einer klimaschädlichen Technik aus dem vergangenen Jahrhundert in den Startlöchern."

Skeptiker fester Ausstiegsdaten halten dagegen, der Wandel lasse sich nicht gegen die Kunden durchboxen. Solange E-Autos vergleichsweise teuer seien, könnten sich derlei Appelle in Symbolpolitik erschöpfen.

Diess nennt einen weiteren Grund: "Der Wechsel zur E-Mobilität erfolgt weltweit unterschiedlich schnell, abhängig von der lokalen Gesetzgebung und der Verfügbarkeit von CO2-freier Primärenergie." Wo etwa Strom vorwiegend aus Kohle oder Öl produziert wird, sieht er keinen großen Sinn in der Umstellung auf reine Elektroantriebe.

Eine etappenweise Marktdurchdringung sei daher besser als der große regulatorische Knall. In Europa geht Diess zum Beispiel davon aus, bis 2030 auch so bis zu 60 Prozent aller VW-Verkäufe aus Elektroautos bestreiten zu können, weltweit dann vielleicht schon die Hälfte.

Einen Zwischenschritt kündigte die Oberklasse-Tochter Audi an. Chef Markus Duesmann sagte, man werde ab sofort keine Verbrennungsmotoren mehr neu entwickeln. Die bestehenden würden an die schärferen Regeln angepasst. Und auch aus Ingolstadt kommen weitere reine E-Modelle.

Der Konzern will das Thema außerdem mit eigenen Batteriezellwerken antreiben, bis 2030 soll ein Netz von sechs Standorten zur Selbstversorgung entstehen. Dafür gab es zum Wochenbeginn sogar ein eher seltenes Teil-Lob vonseiten der Grünen. "So werden Arbeitsplätze erhalten", sagte Bundestags-Fraktionsvize Oliver Krischer - "nicht über die Beschwörung von unsinnigen synthetischen Kraftstoffen für den Verbrennermotor, wie man es aus dem Verkehrsministerium hört".

Auch Analysten wie NordLB-Autoexperte Frank Schwope finden die "dynamische" E-Offensive gut. "Allerdings ist die politische Realität in vielen Ländern schon längst so weit oder weiter. Möglicherweise darf man 2030 gar keine neuen Verbrenner mehr in Europa verkaufen."

Insgesamt verfängt der Kurs von Diess immerhin an der Börse. Die im DAX notierte Vorzugsaktie von VW legte an der Indexspitze am Dienstag schlussendlich weiter deutlich um 6,71 Prozent auf 207,85 Euro zu. Die starken Ergebnisse würden vor allem von den Konzerntöchtern Porsche und Audi getragen sowie vom Geschäft mit Finanzdienstleistungen, schrieb NordLB-Analyst Frank Schwope. Das Thema Elektromobilität treibe das Management derweil dynamisch voran. Evercore-Analyst Chris McNally sieht bei Elektroantrieben gar ein Duopol von VW und dem US-Elektropionier Tesla aufziehen. Das für dieses Jahr genannte Ziel von VW, eine Million elektrifizierte Fahrzeuge auszuliefern, sei 20 Prozent anspruchsvoller als von Analysten im Konsens vermutet.

Die Vorzugsaktie hat seit Monaten einen guten Lauf, mittlerweile hat der Börsenwert des Konzerns fast 119 Milliarden Euro erreicht. Ende Oktober war die Aktie noch um die 125 Euro wert - seitdem hat sie fast 70 Prozent an Wert gewonnen. Mehr und mehr honorieren Investoren den Schwenk von Diess in Richtung Elektroautos und einen schnelleren Umbau des Konzerns in Sachen Vernetzung und Digitalisierung.

Die Stammaktien, die zum großen Teil in der Hand der Familienholding Porsche SE Vz sowie dem Land Niedersachsen und einem Staatsfonds aus Katar liegen, schossen am Dienstag zuletzt sogar um gut 17 Prozent nach oben, zwischenzeitlich sogar noch stärker. Hinter dem deutlichen Kurssprung der Stämme vermuteten Börsianer insbesondere Nachfrage der US-Anleger nach den dort handelbaren Volkswagen Hinterlegungsscheinen (ADR). Die liquidesten dieser Zertifikate seien mit den Stammaktien des Autobauers besichert, hieß es. Ein Händler spekuliert zudem, dass möglicherweise Anleger mit Wetten auf eine bessere Entwicklung der Vorzüge im Vergleich zu den Stämmen in Schieflage geraten sind, und nun Stämme kaufen mussten.

WOLFSBURG (dpa-AFX) / (Dow Jones)

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