Verkaufsplus in den USA 09.04.2019 17:17:00

Volkswagen-Kernmarke kämpft mit Kaufzurückhaltung der Chinesen

Volkswagen-Kernmarke kämpft mit Kaufzurückhaltung der Chinesen

Die Autoindustrie bleibt angesichts des schwächelnden chinesischen Automarktes unter Druck. Der einst so rasant wachsende wichtigste Einzelmarkt der deutschen Autobauer bleibt auch im zehnten Monat nacheinander auf Talfahrt. Im März gingen die Verkäufe an Privatkunden im Land im Vergleich zum Vorjahresmonat um 12 Prozent auf 1,78 Millionen Wagen zurück, wie der Branchenverband China Passenger Car Association (PCA) am Dienstag in Peking mitteilte. Das war nach den Daten des Verbands der zehnte Rückgang in Folge.

Im vergangenen Jahr hatte der chinesische Automarkt zum ersten Mal seit über zwanzig Jahren einen Rückgang verzeichnet. Vor allem der Zollstreit zwischen den USA und China verunsicherte die chinesischen Verbraucher und ließ sie beim Kauf zögern.

Zudem warteten die Kunden zuletzt auch auf eine angekündigte Mehrwertsteuersenkung zum 1. April, darüber hinaus belastet die nicht mehr so rasant wachsende chinesische Konjunktur die Kauflust. Im Februar waren die Verkäufe von Limousinen, SUVs, Minivans und kleineren Mehrzweckfahrzeugen mit minus 18,5 Prozent noch stärker eingebrochen, im Januar um 4 Prozent.

Im April könnte es aber nun mit der Mehrwertsteuersenkung wieder etwas aufwärts gehen, sagte PCA-Generalsekretär Cui Dongshu in Peking. Allerdings reichte die Zuversicht nicht so weit, dass er für das Gesamtjahr ein Wachstum in Aussicht stellen wollte. Immerhin soll in diesem Jahr der Verkauf alternativ angetriebener Autos - also Batterie-, Hybrid- und brennstoffzellenbetriebene Wagen - von 1,6 Millionen auf 1,7 Millionen klettern.

Die Aktien der deutschen Autobauer pendelten am Dienstag um den Vortagesschluss, auch der europäische Branchenindex von Herstellern und Zulieferern war von den neuen Zahlen aus China nur mäßig bewegt. In den vergangenen zwölf Monaten steht bei den Aktien aus dem Sektor ohnehin ein Minus von 16 Prozent zu Buche.

Am stärksten betroffen sind von der Flaute in China die im Land starken Massenhersteller wie Volkswagen. Die Kernmarke des weltgrößten Autoherstellers liefert fast jedes zweite Auto in China aus, im März setzte es daher auch weltweit einen weiteren herben Absatzdämpfer. Weil die Auslieferungen in China um knapp 10 Prozent unter dem Vorjahresmonat lagen, führte das auch insgesamt zu einem Absatzrückgang von 7,2 Prozent auf 542 700 Autos der Marke VW. Neben der Schwäche in China belasten auch Verkaufsrückgänge in Europa die Gesamtbilanz des bisherigen Jahres.

Premiumautobauer wie Daimler und BMW rechnen hingegen auch weiter mit Wachstum in dem Land. Daimlers Hausmarke Mercedes-Benz konnte in China den nahezu einzigen Lichtblick im März verbuchen, weil die Verkäufe um 5,9 Prozent zulegten. Bei den Luxuskarossen von Mercedes spielt der Preis eine weniger wichtige Rolle für die Käufer als bei den kleineren Pkw - auch weil die Autos aus dem höheren Segment deutlich stärker als Geschäftswagen genutzt werden. Große, lange Wagen gelten chinesischen Geschäftsleuten als Statussymbol.

Für die VW-Tochter Audi sah es ebenfalls etwas besser aus als für die Stammmarke der Konzernmutter. Während weltweit ein leichter Auslieferungsrückgang von 0,5 Prozent im März zu Buche stand, konnte Audi auf dem chinesischen Festland und in Hongkong um 2,3 Prozent zulegen. Ohne China wäre das Minus insgesamt also deutlich stärker ausgefallen. BMW hat seine Absatzzahlen noch nicht vorgelegt.

Zu kämpfen hat allerdings auch der Sportwagenbauer Porsche, der im ersten Quartal zehn Prozent weniger Autos in China los wurde. Die VW-Tochter begründete das mit einer schwächeren Konjunktur und den auf die sinkende Mehrwertsteuer wartenden Käufern.

Abseits der aktuellen Entwicklungen sieht die Autobranche in China aber weiter den absehbar wichtigsten Markt, auch wenn sich die Nachfrage dort in diesem Jahr schwächer entwickle. "Das Potenzial und die Chancen für Bosch in China bleiben mittel- und langfristig dennoch enorm", sagte etwa der Bosch-Kfz-Geschäftsführer Stefan Hartung am Montagabend vor Journalisten in Stuttgart.

Der Markt ist nach Einschätzung des weltgrößten Autozulieferers weit von einer Sättigung entfernt. Während in Deutschland 690 Autos auf 1000 Einwohner kämen, seien es in China nur 170. Besonders bei den Mobilitätsdienstleistungen werde man einen Anstieg sehen, so Hartung. Der chinesische Automarkt werde sich zu einem Leitmarkt für moderne Mobilität entwickeln.

Auch Rivale ZF Friedrichshafen will sein Engagement in China noch verstärken. Die dortigen Produktions- und Entwicklungskapazitäten würden ausgebaut, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Derzeit unterhält ZF nach eigenen Angaben 32 Produktionsstandorte in China. Ziel sei es, in den kommenden Jahren das komplette Produktportfolio für die lokalen Bedürfnisse entwickeln und in China fertigen zu können.

China gilt als Vorreiter für die Elektromobilität, weil immer mehr Kommunen die Zulassung von Verbrennungsantrieben in den smoggeplagten Megacities des Landes beschränken. Auch deswegen und wegen der schärferen Kohlendioxid-Abgasregeln in der EU setzen viele deutsche Autobauer in den kommenden Jahren verstärkt auf Elektroantriebe. In der kommenden Woche trifft sich die Branche wieder auf der wichtigen Automesse in Shanghai. Die Trends in China werden immer mehr auch zum Taktgeber der Industrie weltweit.

/tst/DP/men

WOLFSBURG (dpa-AFX)

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