Strategie erfolgreich 26.02.2020 18:01:00

Wienerberger-Aktie steigt: Wienerberger 2019 mit Rekordjahr

Wienerberger-Aktie steigt: Wienerberger 2019 mit Rekordjahr

Der Gewinn nach Steuern stieg um 87 Prozent auf 249 Mio. Euro. Der Umsatz wuchs um 5 Prozent auf 3,5 Mrd. Euro. Die Dividende soll um 20 Prozent von 0,50 auf 0,60 Euro angehoben werden.

"Die berichteten Rekorde bei Umsatz und Ergebnis bestätigen, dass unsere wertschaffende Wachstumsstrategie in den letzten 10 Jahren, aber ganz besonders in unserem 200. Jubiläumsjahr, äußerst erfolgreich war. Trotz eines flachen Marktumfelds und einer in der zweiten Jahreshälfte rückläufigen Nachfrage in einigen unserer Märkte sind wir weiter gewachsen", so Wienerberger-Chef Heimo Scheuch in der Pressemitteilung.

Die Ergebnisse für das abgelaufen Geschäftsjahr zeigten, dass man bei der Transformation zum Lösungsanbieter die richtigen Schritte gesetzt habe. "Neben der stetigen Weiterentwicklung unseres Produktportfolios erbrachten unsere internen Anstrengungen zur Performanceverbesserung im Rahmen des Fast Forward Programms sehr erfreuliche Ergebnisse", so Scheuch.

Die Implementierung von Fast Forward sei schneller als geplant verlaufen und habe einen zusätzlichen EBITDA-Beitrag von 50 Mio. Euro gebracht - 10 Mio. Euro mehr als ursprünglich geplant, teilte Wienerberger im Vorfeld der Jahrespressekonferenz mit. Beim operativen EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) habe man mit einem Anstieg von 38 Prozent auf 610 Mio. Euro bereits das für 2020 angestrebte Ziel von 600 Mio. Euro übertroffen. Das bereinigte EBITDA erhöhte sich um 24 Prozent auf 587,5 Mio. Euro.

Für 2020 erwarte Wienerberger, "ähnlich wie im vergangenen Jahr, weitgehend flache bis leicht rückläufige Absatzmärkte", heißt es im Ausblick. Ziel für 2020 sei, das bereinigte EBITDA auf 625 bis 645 Mio. Euro zu erhöhen. Dies werde durch intensive Maßnahmen zur Performancesteigerung im Rahmen des Fast-Forward-Programms erreicht, das weitere 50 Mio. Euro zum EBITDA beitragen und damit das ambitionierte Ziel einer Performanceverbesserung von insgesamt 120 Mio. Euro erfolgreich abschließen werde. Durch eine aktive Preisgestaltung wird die steigende Kosteninflation abgedeckt. Zusätzlich werde Wienerberger durch stetige Bemühungen zur Verbesserung des Produktmix die Profitabilität weiter steigern.

Wienerberger will grüner wirtschaften

Wienerberger, der im Wesentlichen vom Rohstoff Ton oder Lehm aus der Natur lebt, will sich verstärkt dem Thema Nachhaltigkeit verschreiben. "Wir nehmen den Klimawandel ernst und wollen, dass unser Produktportfolio positiv dazu beiträgt, den CO2-Ausstoß nachhaltig zu reduzieren", betonte Konzernchef Heimo Scheuch am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz.

"Wir werden in unsere 200 Standorte investieren, um uns in der klimatechnischen Bilanz und Digitalisierung zu verbessern", erklärte der CEO. "Die Dekarbonisierung unseres Produktportfolios ist ein klarer Auftrag, den wir uns vorgenommen haben, in all unseren 30 Märkten." Wienerberger entnehme der Natur Energie, Wasser und Ton und führe ihr wieder etwas zurück, um die Artenvielfalt zu erhalten und die Renaturisierung von gewissen Landstrichen voranzutreiben. "Es ist wichtig, der Natur das wieder zurückzugeben." In Belgien läuft beispielsweise ein Projekt, bei dem eine Tongrube renaturiert und gefährdete Tierarten angesiedelt werden.

Neben der Dekarbonisierung des Produktportfolios stehen auch die Förderung der Kreislaufwirtschaft, also etwa die Wiederverwertung von Plastikrohren, sowie der Erhalt der Biodiversität unter dem Titel "Nachhaltigkeitsstrategie 2020" auf der Aufgabenliste. Wienerberger will hier "klare messbare Ziele bis 2023" für die gesamte Gruppe erarbeiten. Alle Produkte sollen entweder "wiederverwertbar oder vollständig recyclebar" sein. "Wenn man sich Ziele setzt wie diese, ist das eine fundamentale Umorientierung", sagte Scheuch. Der Anteil von Sekundärrohstoffen bei der Kunststoffrohrproduktion sei 2019 gegenüber dem Jahr davor bereits von 75 auf 85 Kilogramm pro Tonne erhöht worden.

Das bringt nicht nur der Umwelt etwas, sondern trägt auch zu Einsparungen im Konzern bei - etwa durch niedrigere Energiekosten. Der extrem hohe thermische Energieverbrauch beim Brennen der Ziegel soll durch technische Innovation spürbar sinken. Der weltgrößte Ziegelproduzent testet derzeit eine Hochtemperatur-Wärmepumpe, die Abwärme des Trockners in Energie für den Ofen umwandelt. Die Energieeffizienz soll dadurch um bis zu 80 Prozent steigen, die CO2-Emission im Gegenzug um bis zu 75 Prozent sinken.

Heuer fließen bei Wienerberger Investitionen in Höhe von 140 Mio. Euro in die Instandhaltung, Sicherheit und Modernisierung der Werke, 100 Mio. Euro in die Entwicklung neuer Produkte und 50 Mio. Euro in Firmenübernahmen (M&A). Innovationen machen den Angaben zufolge bereits 30 Prozent des Jahresumsatzes von zuletzt rund 3,5 Mrd. Euro aus. "Da bauen wir unsere eigene Zukunft", so Scheuch. Wienerberger beschäftigt weltweit über 17.000 Mitarbeiter.

Der Konzern treibt seit 2018 das sogenannte "Fast Forward 2020"-Programm voran, das inklusive heuer Einsparungen in Höhe von insgesamt 120 Mio. Euro einspielt - 20 Mio. Euro wurden im Zuge der "Effizienzsteigerungen" bereits im ersten Jahr realisiert, 50 Millionen im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019 und weitere 50 Millionen sollen 2020 folgen.

Parallel zu den genannten Umweltzielen setzt Wienerberger auf organisches Wachstum, innovative Produkte und verstärkte Digitalisierung, umriss der Konzernchef die Unternehmensstrategie. Die Wertschöpfung soll zunehmend weg von isolierten Produkten hin zu Gesamtlösungen für den Kunden vertieft werden. "Früher haben wir 'dumme Rohre' gemacht, heute machen wir intelligente Lösungen", so der CEO. Wasserrohre werden mittlerweile beispielsweise mit Sensoren und Zwischenspeichermöglichkeiten versehen. Wienerberger setzt unter anderem große Hoffnung in das Marktwachstum für Abwasser- und Bewässerungssysteme.

Der Konzern habe das Stadtleben in Wien in den vergangenen 200 Jahren ihres Bestehens geprägt, meinte Scheuch unter Verweis auf den Bau der Ringstraße. "Somit haben wir die Nachhaltigkeit und das Unternehmertum über 200 Jahre gelernt."

Coronavirus - Wienerberger betreibt vier Fabriken in Italien

Wienerberger, der weltweit mit rund 200 Standorten aktiv ist, betreibt auch vier Fabriken in Nord- und Mittelitalien. Den Ausbruch der Coronavirus-Epidemie nimmt Konzernchef Heimo Scheuch gelassen. "Wenn ein Werk unter Quarantäne gestellt wird, dann müssen wir damit leben", sagte er am Mittwoch am Rande der Bilanzpressekonferenz in Wien.

"Heute muss man sich auf viele neue Dinge einstellen im Management", meinte er weiters. In Italien beschäftigt Wienerberger den Angaben zufolge 300 bis 400 Mitarbeiter. "Es geht um die Gesundheit dieser Menschen, wie sollen sie sich verhalten, was sollen sie tun." Auch mit den Lieferketten stehe Wienerberger in Kontakt.

Dank der starken Zahlen stiegen Wienerberger-Aktien in Wien um 1,03 Prozent und schlossen bei 25,62 Euro, im Tagestief waren sie jedoch bis auf 24,00 Euro gerutscht.

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Bildquelle: Wienerberger,Wienerberger AG

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