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Bilanzskandal 14.08.2020 17:55:00

Wirecard-Aktie rutscht ab: BaFin-Mitarbeiter handelten vor Pleite verstärkt mit Wirecard-Aktien

Im ersten Halbjahr 2020 entfielen 2,4 Prozent aller gemeldeten privaten Finanzgeschäfte von BaFin-Mitarbeitern auf Geschäfte mit Wirecard-Aktien oder -Aktienderivaten, wie aus den Reuters am Donnerstag vorliegenden Antworten des Bundesfinanzministeriums auf einen Fragenkatalog der Grünen hervorgeht. Im Gesamtjahr 2018 lag der Anteil demnach nur bei 1,2 Prozent, 2019 bei 1,7 Prozent. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und die ihm unterstellte Finanzaufsicht BaFin stehen wegen des Wirecard-Skandals in der Kritik.

Die Zunahme des Handels mit Wirecard-Papieren habe die BaFin mit den höheren Schwankungen des Aktienkurses durch die Medienberichterstattung und die Ad-hoc-Meldungen des Unternehmens erklärt, hieß es in der Antwort des Bundesfinanzministeriums. Die verstärkten Wirecard-Aktiengeschäfte der BaFin-Mitarbeiter seien im Vergleich zu anderen DAX-Werten, bei denen die Volatilität gestiegen sei, "nicht ungewöhnlich bzw. nicht auffällig."

Den Angaben des Finanzministeriums zufolge zeigten 2019 und im ersten Halbjahr 2020 circa 20 Prozent der BaFin-Beschäftigte private Finanzgeschäfte an. Sie seien alle durch die Fachvorgesetzten genehmigt worden. Damit sei bestätigt worden, dass zu den privaten Finanzgeschäften keine Kenntnisse über Insiderinformationen vorlagen.

Im ersten Halbjahr 2020 seien bezogen auf die Geschäfte in Aktienderivaten des Unternehmens 58 Prozent Erwerbe und 42 Prozent Veräußerungen gewesen. Inwieweit BaFin-Mitarbeiter dabei durch Leerverkäufe auf Kursverluste gewettet haben, lasse sich nicht feststellen. Dazu lägen keine Informationen vor.

Wirecard musste Ende Juni Insolvenz anmelden. Die Ermittler werfen dem früheren Vorstandschef Markus Braun und anderen Managern vor, mindestens seit Ende 2015 die Bilanzsumme und den Umsatz des Zahlungsanbieters durch Scheingeschäfte aufgebläht zu haben. Auf dieser Basis hätten Banken und andere Investoren insgesamt 3,2 Milliarden Euro bereitgestellt. Das Geld sei voraussichtlich verloren. Wirecard, das erst im September 2018 in den Dax aufgestiegen war, fliegt noch im August aus dem deutschen Leitindex.

Ministerium stellt Aktiengeschäfte von BaFin-Mitarbeitern nicht infrage

Das Bundesfinanzministerium stört sich nicht an den jüngst bekanntgewordenen Wirecard-Aktiengeschäften von Mitarbeitern der Finanzaufsicht BaFin.

"Es gibt hier ein umfassendes Kontrollsystem", sagte ein Sprecher des Ministeriums, das der Bonner Behörde überstellt ist, am Freitag in Berlin. Dadurch werde gewährleistet, dass keine Insider-Informationen für Aktien-Transaktionen genutzt werden könnten. Das interne Kontrollsystem sei "streng und angemessen". Aktiengeschäfte müssten Vorgesetzten stets offengelegt werden.

Im milliardenschweren Wirecard-Bilanzskandal stehen sowohl die BaFin als auch das Finanzministerium in der Kritik. Im ersten Halbjahr 2020 entfielen 2,4 Prozent aller gemeldeten privaten Finanzgeschäfte von BaFin-Mitarbeitern auf Wirecard-Papiere oder -Aktienderivate. Im Gesamtjahr 2018 lag der Anteil nur bei 1,2 Prozent, 2019 bei 1,7 Prozent. Die Zahlen stammen vom Finanzministerium und wurden durch Antworten auf einen Fragenkatalog der Grünen bekannt. Der Sprecher des Ministeriums sagte, sie seien nicht ungewöhnlich und auch im Verlauf der Jahre unauffällig.

Der Grünen-Finanzpolitiker Danyal Bayaz sagte der Nachrichtenagentur Reuters, im Wirecard-Skandal sollten die internen BaFin-Prozesse zur Einhaltung aller Gesetze und Empfehlungen genau unter die Lupe genommen werden. Der Sprecher des Finanzministeriums betonte, es würden im Fall Wirecard alle Prozesse überprüft. Finanzminister Olaf Scholz habe dazu bereits ein Konzept vorgelegt. "Das ist ein laufender Prozess." Das Papier von Ende Juli umfasst keine Aussagen zu Aktienkäufen von BaFin-Mitarbeitern. SPD-Politiker Scholz will die Finanzaufsicht stärken und auch Wirtschaftsprüfer schärfer kontrollieren. Die Beratungen über das Konzept laufen innerhalb der Bundesregierung noch.

In der Wirecard-Bilanz fehlen 1,9 Milliarden Euro, weswegen der Zahlungsabwickler Ende Juni Insolvenz anmelden musste. Die Ermittler werfen dem früheren Vorstandschef Markus Braun und anderen Managern vor, mindestens seit Ende 2015 die Bilanzsumme und den Umsatz des Dax-Konzerns durch Scheingeschäfte aufgebläht zu haben. Es ist einer der größten Finanzskandale in Deutschland überhaupt.

Die Aktie, die einst bei fast 200 Euro notierte, fiel am Freitag im XETRA-Handel um 5,61 Prozent auf einen Schlussstand von 1,36 Euro.

Frankfurt (Reuters)