09.02.2015 11:38:00

Wirtschaftswachstum wohl schwer abzubilden, noch schwerer vorherzusagen

Prognosen sind schwierig, wenn sie sich auf Zukunft beziehen, sagt ein Kalauer. Wirtschaftsforscher kämpfen nicht nur mit dem Grundprinzip, sondern auch damit, dass ihre Prognosen das Verhalten der Wirtschaftsakteure verändern - und dass das Objekt der Beschreibung schwer messbar ist. Wie stark die Wirtschaft wirklich gewachsen ist, weiß auch die Statistik Austria erst drei Jahre später.

Die Differenz zwischen Prognose und tatsächlichem Wachstum kann leicht einen halben Prozentpunkt betragen, bei den zwei großen Wirtschaftsabschwüngen (2001 und 2009) lagen die Prognosen um zwei beziehungsweise sogar gut drei Prozentpunkte daneben. Allerdings sollte man nicht übersehen: Zwischen der Berechnung des Wachstums ein Jahr im Nachhinein (Dezember des Folgejahres) und drei Jahre danach liegt ebenfalls immer wieder ein halber, in einzelnen Jahren ein ganzer Prozentpunkt.

Wifo-Experte Josef Baumgartner sieht im Gespräch mit der APA ein "unlösbares" Henne-Ei-Problem der Zukunftsvorhersagen: Wenn Wirtschaftsforscher eine Rezession voraussagen und die Politik dann rechtzeitig mit Konjunkturpaketen reagiert und den Abschwung letztendlich abfangen kann, war dann die Prognose gut oder schlecht? Im umgekehrten Fall, haben Ökonomen einen schlechten Job gemacht, wenn es stärker nach unten geht als sie erwartet haben, oder haben die Verbraucher und Unternehmen aus Angst vor einem Abschwung noch weniger gekauft bzw. investiert?

Die Wirtschaftsforscher beschäftigen sich selbst intensiv mit der Genauigkeit ihrer Vorhersagen. Im Jahr 2007 haben sich die Volkswirte der Nationalbank (OeNB) zuletzt die sogenannte Prognosegüte für die Jahre 1998 bis 2006 angesehen. Das Ergebnis: Internationale Stellen (OECD, Währungsfonds IWF und EU-Kommission) sowie die heimischen Institute Wifo, IHS und OeNB haben das zu erwartende Konjunkturbild relativ ähnlich eingeschätzt - und sind manchmal auch ähnlich stark danebengelegen. Die Dauer und Stärke des Abschwungs 2001 wurde von allen stark unterschätzt. Auch den drastischen Abschwung 2009, nach der Lehman-Pleite, haben die Institute in dieser Dimension nicht vorhergesehen - dafür unterschätzten sie in den beiden Folgejahren auch wieder die Dynamik des Aufschwungs.

"Wir machen Prognosefehler, aber wir haben keine signifikanten systematischen Abweichungen. Das heißt die Diskrepanzen nach oben oder unten sind gleich verteilt", so Baumgartner zur APA.

Nicht nur die BIP-Zahlen werden mehrere Male revidiert, sondern auch die Instrumente zur Messung der Wirtschaftsleistung werden von Zeit zu Zeit angepasst. 2014 wurde in Österreich ein neuer Erhebungsstandard für die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) eingeführt, der den aus dem Jahr 1995 abgelöst hat. "Damit wurde die Welt, die wir erfassen können, neu definiert", sagt Baumgartner. Auch die historischen VGR-Daten wie zum Beispiel das BIP wurden ab 1995 nun auf den neuen Standard umgerechnet.

(GRAFIK 0170-15, Format 88 x 88 mm) (Schluss) tsk/snu

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