Die Europäische Zentralbank (EZB) will ab März bis September 2016 monatlich Anleihen für 60 Milliarden Euro aufkaufen. Würde die Notenbank die Summe direkt an die Bevölkerung auszahlen, würde jeder Österreicher über 18 Jahre - und unter Ausklammerung der reichsten fünf Prozent - fast 5.600 Euro auf die Hand bekommen, hat die Hypo Capital Mangement (HCM) berechnet.

Insgesamt will die EZB bis zum September nächsten Jahres Anleihen mit einem Gesamtvolumen von 1,14 Billionen Euro zurückkaufen. Ökonomen diskutieren immer wieder eine direkte Auszahlung der Gelder an die Bürger. Mit solchen Geldtransfers soll das Geld in die reale Wirtschaft gepumpt werden. Ökonomen bezweifeln nämlich, dass durch das Anleihenrückkaufprogramm die Wirtschaft angekurbelt wird, was eigentlich das Ziel dieser Aktion ist. Sie meinen, dass die finanziellen Mittel im Finanzmarkt bleiben und eher maroden Banken und Staaten helfen werden, sich zu finanzieren.

Da die Eurozone rund 337,5 Mio. Einwohner hat, würde bei einer rechnerisch gleichmäßigen Verteilung der Gelder jeder ihrer Bürger- vom Baby bis zur Großmutter - bis September nächsten Jahres 178 Euro pro Monat erhalten. Also insgesamt knapp 3.200 Euro.

Da ein Euro für Bürger in den einzelnen Eurländern unterschiedlich viel Wert ist, könnte man bei der Verteilung auch die Wirtschaftsleistung eines Landes berücksichtigen. Damit würde laut den Berechnungen des HCM-Analysten Burak Dogancay jeder Österreicher 230 Euro pro Monat erhalten, während zum Beispiel Luxemburger 506 Euro bekämen.

Schließt man Kinder unter 18 Jahren sowie das höchste Einkommenssegment (5 Prozent) aus, würde jeder Österreicher monatlich sogar 294 Euro - also insgesamt über 19 Monate lang insgesamt 5.586 Euro - bekommen. Eine Deckelung des geschenkten Betrages auf 300 Euro über alle Länder der Eurozone würde sogar dazu führen, dass zusätzliches Geld von 328 Mio. Euro übrig bliebe und an wirtschaftlich schwächere Staaten ausgezahlt werden könnte.

Die Verteilung der direkten Geldtransfers an die Bürger könnte in Form von Konsumgutscheinen oder Bargeld erfolgen. Ein ähnliches Vorgehen sah laut Dogancay bereits in Frankreich, Australien und Japan. Die Aktionen waren zwar nicht sonderlich erfolgreich, allerdings wurden die Mittel nur für einen sehr kurzen Zeitraum verteilt bzw. nur einmal ausgezahlt.

(Schluss) ggr/ivn

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