Lagarde stellt Marktneutralität bei EZB-Anleihekäufe in Frage

Bei einem Roundtable der Finanzinitiative des UN-Umweltprogramms sagte Lagarde: "Angesichts der Beispiele für Marktversagen sollten wir uns die Frage stellen, ob Marktneutralität wirklich das Prinzip sein sollte, das das Management unseres geldpolitischen Portfolios leitet."

Finanzmärkte seien offensichtlich nicht in der Lage, alleine die Risiken zu messen und einzupreisen, fügte Lagarde hinzu. Zentralbanker sollten sich fragen, ob sie nicht exzessive Risiken eingingen, in dem sie darauf vertrauten, dass die Märkte Umweltrisiken korrekt bepreisten.

Kritiker werfen der EZB vor, mit ihren Unternehmensanleihekäufen die an den Märkten vorhandene Tendenz zur Begünstigung von Unternehmen mit einer schlechten CO2-Bilanz zu verstärken. Das Prinzip der Marktneutralität besagt, dass die EZB mit ihren Käufen zwar die Preise bewegen will, nicht aber die relativen Preise innerhalb des Universums ankaufbarer Papiere.

Die EZB führt gerade eine umfassende Prüfung ihrer geldpolitischen Strategie durch, bei der auch Klima, Umwelt und ethische Gesichtspunkte eine Rolle spielen. Bisher seien in Bezug auf die Berücksichtigung von Umweltrisiken noch keine Entscheidungen gefallen, versicherte Lagarde in der Veranstaltung. Die EZB will die Ergebnisse ihrer Strategieprüfung im nächsten Jahr vorstellen.

Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)

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