Kryptowährungen im Visier 12.03.2018 21:13:00

BIZ rät Zentralbanken zu Vorsicht bei digitalem Zentralbankgeld

BIZ rät Zentralbanken zu Vorsicht bei digitalem Zentralbankgeld

In einem Bericht im Vorfeld des G20-Treffens der Finanzminister und Notenbankgouverneure in Buenos Aires weist die BIZ auf mögliche Auswirkungen für Zahlungsverkehr, Geldpolitik und Finanzstabilität hin.

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Die BIZ hält zwei verschiedene Arten von digitalem Zentralbankgeld für möglich: Allgemeines, also auch für normale Verbraucher verfügbares sowie Großkundenzentralbankgeld. Ein allgemeines digitales Zentralbankgeld wäre laut BIZ ein sicheres Instrument, das vor allem bei stark sinkender Bargeldnutzung interessant werden könnte. Allerdings hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten private elektronische Zahlungsdienstleistungen als eine kundenfreundliche und effiziente Alternative zum jetzigen Zentralbankgeld, den Banknoten, entwickelt. Es gebe daher von dieser Seite eigentlich keinen Handlungsbedarf. Als Ausnahme wird Schweden angeführt, das die Einführung einer E-Krone erwäge.

Digitales Zentralbankgeld könnte Zahlungen effizienter machen

Die BIZ glaubt, dass das bestehende System durch die Einführung von Echtzeitzahlungen noch attraktiver gemacht werden kann. Zugleich sieht sie in der Existenz von konkurrierenden Dienstleistern und Bargeld einen Stabilitätsfaktor. Emittiere die Zentralbank kein eigenes digitales Geld, könnte dies andererseits die Entstehung weiterer "privater digitaler Token" (wie Bitcoin) begünstigen, was neue Kredit- und Liquiditätsrisiken mit sich bringen würde.

Großkundenzentralbankgeld könnte laut BIZ die Abwicklung von Transaktionen inklusive der Übertragung von Aktiva effizienter und sicherer machen - vor allen, wenn große Nicht-Banken einbezogen würden. Zwar hätten Experimente mit solchem Geld bisher keine überzeugenden Vorteile gegenüber dem bestehenden System gezeigt, doch müssten Zentralbanken dieses Anwendungsfeld von Digitalwährungen im Auge behalten, rät die BIZ.

Bessere Verfolgbarkeit zu höheren Kosten bei mehr finanzieller Inklusion

Digitales Zentralbankgeld böte laut BIZ den Vorteil, dass sich Transaktionen digital speichern und zurückverfolgen ließen. Das könnte möglicherweise den Kampf gegen Geldwäsche, Terror-Finanzierung und die informelle Wirtschaft erleichtern. Dem stehen laut BIZ aber höhere Kosten gegenüber. So würden Geschäftsbanken zumindest bei allgemeinem digitalen Zentralbankgeld einen wichtigen Kundenkontakt verlieren, das "Kundenwissen" würde von ihnen auf die Zentralbank übergehen.

Diese wiederum müsste sich mit Dingen beschäftigen, für die sie zumindest derzeit nicht eingerichtet ist: Sie müssten den Steuer- und Strafverfolgungsbehörden Informationen zur Verfügung stellen und sich um den Schutz privater Daten kümmern. Auch weitere mögliche Vorteile digitalen Zentralbankgeldes sind laut BIZ zumindest zweifelhaft - zum Beispiel die Idee, dass solches Geld mehr Menschen den Zugang zu Finanzdienstleistungen und zudem eine schnellere Messung der Wirtschaftsaktivität ermöglichen würde.

Als ein Argument für digitales Zentralbankgeld führt die BIZ die zu erwartende engere Verbindung zwischen Konsumenten und Zentralbank an. Das wiederum könnte das öffentliche Bewusstsein für die Rolle von Zentralbanken und die Bedeutung ihrer Unabhängigkeit schärfen.

Juristische und technische Voraussetzungen müssen gegeben sein

In einigen Ländern stößt die Einführung von digitalem Zentralbankgeld auf juristische Hindernisse. So ist es nicht allen Zentralbanken gestattet, digitales Geld zu emittieren, oder den Kreis der zu ihren Systemen Zugangsberechtigten zu erweitern. Mancherorts wird angezweifelt, dass es sich bei digitalem Geld tatsächlich um ein gesetzliches Zahlungsmittel handelt.

Zentralbanken müssten außerdem geeignete Maßnahmen gegen Geldwäsche und Terror-Finanzierung ergreifen, was bei anonymen Formen digitalen Zentralbankgelds nicht möglich wäre. Auf der anderen Seite könnte es schwierig sein, eine Balance von Öffentlichkeit und Privatsphäre herzustellen, wie sie die gegenwärtige Mischung aus Bankeinlagen und Bargeld bietet.

Besonders für allgemeines digitales Zentralbankgeld mit seinem großen Teilnehmerkreis sind aus Sicht der BIZ Cyber-Sicherheitserwägungen relevant. Auch die Zentralbank sähe sich dem Risiko von Hacker-Angriffen ausgesetzt. Technisch wäre die Emission eines digitalen Zentralbankgelds eine Herausforderung. Die Infrastruktur müsste äußerst sicher und robust sein, weil von ihrem Funktionieren das Wohl der gesamten Volkswirtschaft abhinge.

BIZ skeptisch hinsichtlich des geldpolitischen Nutzens

Dass geldpolitische Signale mit solchem Geld schneller und effizienter die Geldmarkt- und Einlagensätze beeinflussen würden, hält die SNB für ein anfechtbares Argument. "Es ist nicht klar, dass die Übertragung des Leitzinssignals beschleunigt werden muss", schreibt sie. An geldpolitischer Wirksamkeit würde digitalen Zentralbankgeld wohl gewinnen, wenn es sich als ein attraktiver Vermögenswert erweisen würde.

Dieser Wert sei aber abhängig von regulatorischen Vorgaben wie dem Kreis der Zugangsberechtigten, der Verfügbarkeit über Tagesgeschäfte hinaus, sowie der Verzinsung. Nur wenn alles zusammenkomme, wäre das neue Geld geeignet, die geldpolitische Transmission zu beeinflussen, meint die BIZ. In diesem Fall würde das neue Instrument auch auf andere risikoarme Anlagen wie etwa kurzfristige Staatsanleihen oder öffentlich besicherte Repos wirken.

Könnten institutionelle Investoren dieses Geld unbegrenzt halten, ließe sich so eine Untergrenze für Geldmarktzinsen schaffen, was aus Sicht der BIZ nützlich wäre. Ein allgemein verfügbares digitales und verzinstes Zentralbankgeld würde die geldpolitische Transmission besonders wirksam verstärken, meint sie. Banken fiele es in diesem Fall schwerer, unabhängig ihre Einlagenzinsen zu setzen. Negative Zinsen auf Zentralbankverbindlichkeiten könnten unter extremen Umständen geldpolitische Unterstützung liefern.

Negativer Einlagenzins ließe sich mit Bargeld umgehen

Allerdings warnt die BIZ davor, diese Effekte zu überschätzen. Die Bankzinsen unterschieden sich aus guten Gründen vom Leitzins, weil die Institute Dienstleistungen, die eine Zentralbank und ihr digitalen Geld nie erbringen könnten, quersubventionierten. Zudem seien normale Sparer viel weniger preissensibel als große Investoren. Schließlich ließe sich ein negativer Einlagenzins auch umgehen, so lange es Bargeld in großen Stückelungen gebe. Insgesamt sei die Reaktion von Geldmarkt- und Einlagenzinsen auf den Leitzins befriedigend.

Laut BIZ würde ein digitales Zentralbankgeld die prinzipielle Weise, in der die Zentralbank mit ihrer Bilanz den Geldmarkt beeinflusst, nicht verändern. Zwei konkrete Auswirkungen sieht sie aber durchaus. Zum einen könnte die Existenz digitalen Zentralbankgeldes die Größe der Zentralbankbilanz erhöhen. Zum anderen könnte die Volatilität der autonomen Faktoren, die die Geldnachfrage beeinflussen, zunehmen. Das wiederum würde die autonomen Faktoren schwerer abschätzbar machen.

BIZ warnt vor "Digitalem Run" auf Geschäftsbanken

Schließlich kommt die BIZ in ihrer Studie noch auf die Rolle der Zentralbank in der Gesamtwirtschaft zu sprechen und darauf, wie digitales Geld sie beeinflussen würde. Würde die Bargeldnachfrage trotz des Digitalgeldangebots nicht deutlich sinken, müsste die Zentralbank mehr und andere Wertpapiere als Sicherheiten akzeptieren. Damit würde sie wiederum die Märkte für diese Wertpapiere beeinflussen und möglicherweise Knappheiten erzeugen. Die Zentralbank müsste sich darüber hinaus erheblich in Fristen-, Liquiditäts- und Kreditrisikotransformation engagieren und zwar sowohl gegenüber Banken als auch Märkten.

Das größte und plausibelste Stabilitätsrisiko, das mit der Einführung eines allgemeinen digitalen Zentralbankgelds einhergeht, ist aus Sicht der BIZ eine Flucht von Anlegern aus Märkten und Banken zur Zentralbank. Bisher beschränkt sich diese Möglichkeit auf die Flucht in Bargeld. Ein "Digitaler Run" könnte trotz einer Einlagensicherung weitaus größer und rapider ausfallen.

FRANKFURT (Dow Jones)

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