30.01.2008 11:08:24

David V. Greely, Goldman Sachs: "Der Ölpreis wird weiter steigen"

"Der Goldpreis wird im Laufe dieses Jahres sinken"

Mr. Greely, ich habe mir kürzlich eine Goldmünze gekauft. War das richtig?
David Greely: Wenn Sie Freude an hübschen Münzen haben – warum nicht? Unter Anlagegesichtspunkten muss ich Sie leider enttäuschen. Wir gehen davon aus, dass der Goldpreis im Laufe dieses Jahres sinken wird.

Warum?
Greely: Weil sich Gold wie ein Währungsbasket verhält – eine Art Gegenspieler zum US-Dollar. Aus unserer Sicht ist der Dollar derzeit unterbewertet. Das heißt, spätestens, wenn sich die US-Konjunktur im zweiten Halbjahr erholt, wird das dem Dollar Rückenwind verleihen und entsprechenden Druck auf den Goldpreis ausüben.

"Mais, Weizen und Sojabohnen sind attraktiv"

Welche Rohstoffe sind aussichtsreicher?
Greely: Wir denken, dass Energie und Agrarrohstoffe wie Mais, Weizen und Sojabohnen die beherrschenden Themen sein werden.

Was macht ausgerechnet Sojabohnen sexy?
Greely: Der Kampf um die Anbauflächen. Die Sojaproduktion ist zurückgegangen, weil wegen der Nachfrage nach Biosprit mehr Getreide produziert wurde. Da aber auch die Nachfrage nach Fleisch gestiegen ist und Soja vor allem eine Futterpflanze ist, rechnen wir mit anhaltender Knappheit. Unser Preisziel auf Sicht von sechs Monaten liegt bei 15,80 Dollar je Scheffel.

"Ein weltweiter Verteilungskampf"

Wer in Agrarrohstoffe investiert, geht allerdings auch schwer kalkulierbare Risiken ein – Stichwort Wetter.
Greely: Natürlich spielt das Wetter eine Rolle, man sollte aber den langfristigen Investmentgedanken nicht aus den Augen verlieren. Trockenheit und Dürre in einem Jahr können die Preise treiben, gute klimatische Bedingungen in der nächsten Ernteperiode zu Rückschlägen führen. Die langfristige Investmentstory ist aber der weltweite Verteilungskampf. Die Nachfrage steigt immer weiter, die Produktion kann jedoch nicht beliebig ausgeweitet werden.

Das klingt nach Hoffnung für deutsche Bauern.
Greely: Die Zeit, in der Prämien für die Stilllegung von Agrarflächen gezahlt wurden, neigt sich dem Ende zu. Viele dieser Flächen könnten in naher Zukunft wieder gebraucht werden.

"Aus Pflanzen gewinnt man kaum Energie, man transformiert sie nur"

Um Agrarrohstoffe für die Produktion von Biokraftstoff anzubauen?
Greely: Oder auch für die Nahrungsmittelproduktion, denn hier haben wir das Ende der Preissteigerungsspirale noch lange nicht gesehen. Die US-Bürger hören ja nicht auf zu essen, wenn die Konjunktur ein oder zwei Quartale lang rückläufig ist. Gut, vielleicht werden ein paar Steaks weniger verzehrt. Aber das ist nicht das Thema, es geht um die begrenzten Anbauflächen, um die Nahrungsmittel mit Biosprit konkurrieren.

Wenn die Anbauflächen so knapp und wertvoll sind – ist es unter ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten überhaupt vertretbar, sie zur Spriterzeugung zu nutzen?
Greely: Unter Effizienzgesichtspunkten ist es nicht die beste Art, Energie zu gewinnen. Wenn man berücksichtigt, wie viel Erdgas zur Herstellung von Düngemitteln benötigt wird, fällt die Bilanz sehr schwach aus. Man muss eine Einheit Energie investieren, um in den USA 1,3 bis 1,4 Einheiten Ethanolkraftstoff aus Mais zu erzeugen. Wenn man so will, gewinnt man aus Pflanzen kaum Energie, man transformiert sie. Eine Ausnahme ist die Ethanolproduktion in Brasilien. Bei Zuckerrohr gewinnt man aus jeder investierten Energieeinheit das 8,3-Fache.

"Der Ölpreis wird weiter steigen"

Trotzdem nutzt man in den USA wie auch in Europa Mais und Getreide.
Greely: Sicher, weil der Anbau – auch dank staatlicher Subventionen – lukrativ ist. Noch entscheidender ist aber der hohe Ölpreis, der für fast alle Rohstoffe die Marschrichtung vorgibt. Ab einem Niveau von etwa 35 bis 40 Dollar pro Barrel Rohöl lohnte sich der Abbau von Ölsanden. Der nächste Punkt war der, ab dem die Produktion von Ethanol und Biodiesel wirtschaftlich wurde. Auch das hat nicht ausgereicht, um Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht zu halten, also ist der Ölpreis weiter gestiegen.

Steigt er noch weiter?
Greely: Davon ist auszugehen. Der Versuch, Rohöl durch Biokraftstoffe zu substituieren, war möglicherweise schon der letzte Schritt. Vielleicht müssen wir auf eine geringere Nachfrage setzen, um den Ölpreis im Zaum zu halten. Langfristig könnte dies durch die bessere Isolierung von Häusern und die zunehmende Verbreitung von Hybridfahrzeugen geschehen, kurzfristig scheint es nicht möglich.

"Eine US-Rezession macht Öl kaum billiger"

Inwieweit wird sich eine US-Rezession auf den Ölpreis auswirken?
Greely: Kaum. Selbst wenn sich die Nachfrage aus den USA leicht abschwächen sollte, wird das durch den gewaltigen Ölbedarf der Schwellenländer – allen voran China – mehr als kompensiert werden. Schauen Sie sich an, welche Infrastrukturmaßnahmen dort im Gange sind. Die Ölnachfrage aus den westlichen Industrienationen stagniert seit Jahren, der Anstieg kommt aus den Staaten, die wir früher als Entwicklungsländer bezeichnet haben. Würde man die Nachfragekurve von Öl interpretieren, käme man zu dem Schluss, dass wir uns schon am Ende der Rezession befinden, aber der Schein trügt: Sie ist nur etwas gesunken, weil der Preis so drastisch gestiegen ist. Mit der jüngsten Korrektur ist die Nachfrage allerdings schon wieder gestiegen.

Welche Rohstoffe werden dann unter einer US-Rezession leiden?
Greely: Am sensibelsten sind Industriemetalle, für die wir deshalb kurzfristig skeptisch sind. Wir haben wegen der sich verlangsamenden Baukonjunktur bereits einen Nachfragerückgang gesehen. Aber auch diesen Rückgang werden die Schwellenländer auffangen, zumal kaum neue Minen eingerichtet wurden. Die Angebotssituation hat sich also kaum verbessert. Auf Sicht von zwölf Monaten gehen wir daher wieder von steigenden Preisen aus.

"Der Rohstoffzyklus ist noch nicht am Ende"

Der Rohstoffzyklus ist also noch nicht am Ende?
Greely: Nein. Wir haben es mit einem strukturellen Thema zu tun. In der Vergangenheit war es so, dass in einer Phase steigender Preise neue Produktionskapazitäten geschaffen wurden, was nach fünf bis zehn Jahren zu stagnierenden oder rückläufigen Rohstoffnotierungen führte. Diesmal wird es länger dauern. Die leicht zugänglichen Rohstoffvorkommen sind ausgebeutet, und weil Ölproduktion nicht beliebig vermehrbar ist, werden die Energiekosten hoch bleiben. Wenn man an die schwerer zugänglichen Vorkommen herankommen will, muss man mehr Energie aufwenden. Die Spirale dreht sich also immer weiter.



Im Profil: David Greely

David Greely kam im Jahr 2001 zum Commodity-Research-Team von Goldman Sachs, also kurz nach dem Beginn des aktuellen Rohstoffzyklus. Energie ist das Fachgebiet des promovierten Wirtschaftswissenschaftlers.



Die besten Rohstoff-Fonds in 2007

Fonds: Performance seit 1.1.2007 (in %)
1. DWS Gold Plus: 12,6
2. db x-trackers DBLCI - OY BAL. ETF: 5,1
3. Allianz PIMCO Commoditi+ A EUR: 4,3
4. EasyETF GSNE (R) A EUR: 4,3
5. Lyxor ETF Commodities (CRB-NE): 4,0
6. J. Bär Commodity (CHF) B: 3,9
7. Commodity Alpha OP: 3,0
8. UBS (CH) Commodity Fund - EUR: 2,6
9. UniCommodities: 2,6
10. Deka-Commodities CF (A): 2,4

Fonds: WKN
1. Allianz PIMCO Commoditi+ A EUR: A0HMJE
2. Commodity Alpha OP: A0F6DV
3. db x-trackers DBLCI - OY BAL. ETF: DBX1LC
4. Deka-Commodities CF (A): DK0EA3
5. DWS Gold Plus: 973246
6. EasyETF GSNE (R) A EUR: A0HG79
7. J. Bär Commodity (CHF) B: A0LBDD
8. Lyxor ETF Commodities (CRB-NE): LYX0AL
9. UBS (CH) Commodity Fund - EUR: A0ERSB
10. UniCommodities: A0JJ57

Quelle Fondsdaten: FINANZEN FundAnalyzer, Performance auf Euro-Basis, Stand: 29.01.2008.

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