12.08.2008 15:58:04

"Familienunternehmen performen besser"

€uro fondsxpress: Herr Dr. Junker, sind inhabergeführte Unternehmen tatsächlich erfolgreicher?

Dr. Alfred Junker: Ja, das sind sie. Bester Gradmesser ist die Performance. Da schneiden familiengeführte Unternehmen langfristig signifikant besser ab.

? Woran machen Sie das fest?

Junker: Wenn man unseren Index für börsennotierte Familienunternehmen in Deutschland, den HAFixD, über 15 Jahre betrachtet, dann ergibt sich folgendes Bild: Der Dax hat in diesem Zeitraum jährlich 10,6 Prozent zugelegt, der MDAX 11,8 Prozent und der HAFix 25 Prozent. Die Aktienkurse der Familienunternehmen haben sich also wesentlich stärker entwickelt. Die Einbeziehung des MDAX zeigt, dass nicht die Unternehmensgröße entscheidend ist, sondern die Eigentümerstruktur.

"Familienunternehmen ist mehr an Langfristigkeit gelegen"

? Warum ist das so?

Junker: Zum einen ist Familienunternehmen mehr an Langfristigkeit gelegen, die Strategie wird nicht nur mit Blick auf die nächsten Quartalszahlen ausgerichtet. Zum anderen konzentrieren sie sich meist auf ein Kerngeschäft. In diesem sind sie häufig Marktführer. Und wenn es einmal zu einer Fehlentscheidung kommt, korrigieren sie sie zügig und konsequent. Das beste Beispiel dafür ist BMW – der Autobauer hat das Rover-Debakel schnell wieder in den Griff bekommen.

? Aber gerade bei BMW läuft es momentan ja nicht so gut ...

Junker: Natürlich können auch inhabergeführte Firmen sich nicht von den Marktbewegungen abkoppeln. Aber im Vergleich mit Daimler beispielsweise hat die BMW-Aktie dennoch besser performt.

"Für uns ist entscheidend, dass ein einzelner Anteilseigner direkten Einfluss auf die Unternehmensstrategie hat"

? Wie definieren Sie familiengeführt? Schließlich gibt es bei fast jedem börsennotierten Unternehmen neben dem Inhaber auch noch ein Management.

Junker: Für uns ist entscheidend, dass ein einzelner Anteilseigner direkten Einfluss auf die Unternehmensstrategie hat, sei es über den Aufsichtsrat, über eine Stiftung oder über eine Holding. Damit dies möglich ist, muss ein privater Großaktionär mindestens 25 Prozent des Stimmrechts halten.

? Und wie stellen Sie fest, wie viel Einfluss dieser Aktionär tatsächlich nimmt?

Junker: Das ist in der Tat manchmal nicht so einfach. Familienunternehmen publizieren oft nur im Halbjahresrhythmus und es ist meist wenig Researchmaterial verfügbar. Um bewerten zu können, ob unsere Kriterien eingehalten werden, haben wir zusammen mit der Baader Wertpapierhandelsbank und der Börse München ein Gremium eingerichtet. Wir prüfen auch durch persönliche Gespräche, wie intensiv sich der Anteilseigner in das Unternehmen einbringt.

In den Bereichen Handel, Konsum und Pharma gibt es viele inhabergeführter Unternehmen

? Gibt es bestimmte Branchen, in denen Familienunternehmen besonders stark vertreten sind?

Junker: Ja, in den Bereichen Handel, Konsum und Pharma. Prominente Beispiele für erfolgreiche inhabergeführter Unternehmen sind Henkel, Beiersdorf, Swatch oder Roche – alles Firmen, in denen Markenartikel eine große Rolle spielen.

? Gibt es auch Bereiche, wo sie nicht zu finden sind?

Junker: In Branchen, in denen sehr großer Kapitalbedarf nötig ist, wie in der Öl- oder Versorgerbranche oder im Finanzsektor, sind Familienunternehmen kaum vertreten.

"Der HAFix ist besser als der GEX"

? Die Frankfurter Börse berechnet als Index für inhabergeführte Unternehmen den GEX. Warum hat Hauck & Aufhäuser alternativ dazu den HAFix entwickelt?

Junker: Der GEX folgt einer völlig anderen Logik. Sind die Firmen länger als zehn Jahre an der Börse, werden sie aus dem Index genommen. Dadurch, dass er von sehr jungen Unternehmen dominiert wird, ist er sehr technologielastig, während die Liquidität der Titel oft gering ist.

? Und beim HAFix ist das anders?

Junker: Ja, die Titel sind liquider und damit auch für institutionelle Anleger investierbar. Die Unternehmen müssen ein tägliches Handelsvolumen an der Börse von mindestens fünf Millionen Euro aufweisen.

"Das größte Risiko für ein Familienunternehmen ist die Nachfolgeregelung"

? Eine letzte Frage: Gibt es wegen der Familien-strukturen bisweilen auch Probleme, die andere Unternehmen nicht haben?

Junker: Der starke Einfluss eines Einzelnen kann sich negativ auswirken, wenn er die falschen Entscheidungen trifft. Aber das größte Risiko für ein Familienunternehmen ist die Nachfolgeregelung. Schließlich hängt einiges davon ab, ob der Unternehmer einen passenden Nachfolger findet.

Im Profil
Dr. Alfred Junker startete seinen beruflichen Werdegang 1976 bei der DG Bank. 1980 wechselte er als Leiter "Finanzen und Beteiligungen" zur Bayernwerk AG. Parallel promovierte er an der Universität Erlangen-Nürnberg zum Dr. rer. pol. 1988 kam er zum früheren Bankhaus H. Aufhäuser in München. 1991 wurde er Generalbevollmächtigter und verantwortete das Asset Management, später auch den Geld-, Devisen- und Wertpapierhandel. 1997 wurde Junker persönlich haftender Gesellschafter. Seit der Fusion mit Georg Hauck & Sohn Bankiers ist er in dieser Funktion bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers tätig.

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