03.07.2019 13:01:00

Druck am Wiener Wohnungsmarkt lässt etwas nach

Am Wiener Wohnungsmarkt zeichnet sich derzeit eine leichte Entspannung ab. Dazu tragen ein gedämpftes Bevölkerungswachstum sowie ein steigendes Angebot an zusätzlichen Wohnungen bei, wie aus dem aktuellen Wohnungsmarktbericht des Immobiliendienstleisters EHL hervorgeht. Die Eigentumspreise legten heuer im ersten Halbjahr im Schnitt aber immer noch um 5 Prozent zu, die Mieten stiegen "moderat".

Leichte Mieterhöhungen - im Bereich der Inflationsrate, also um rund 2 Prozent - seien "nur in guten Lagen mit eingeschränktem Neuflächenangebot" festzustellen. Bei den Altbauwohnungen gibt es den Marktexperten zufolge tendenziell weiterhin immer mehr befristete Mietverträge. "Restriktive Abbruchregeln" und die neue Lagezuschlagskarte verunsicherten die Investoren. Freiwerdende Wohnungen würden zudem "noch öfter als Eigentumswohnungen abverkauft".

Zwar würden in Wien nach wie vor mehr Wohnungen gesucht als angeboten, doch der "Nachfrageüberhang" habe sich weiter abgeschwächt. "Sehr auffällig ist, dass im Neubau wieder deutlich mehr Mietwohnungen auf den Markt kommen", betont das Immo-Unternehmen in dem Marktbericht. Die Baukapazitäten waren in der ersten Jahreshälfte weiterhin knapp. Deshalb werde "eine erhebliche Zahl von Projekten" verschoben oder langsamer gebaut.

"In der zweiten Jahreshälfte 2019 und zum Jahreswechsel wird die aktuelle Fertigstellungswelle einen vorläufigen Höhepunkt erreichen", erwartet die Immobilienfirma. Ein Gutteil der Eigentumsprojekte sei bereits "verwertet", also verkauft. Die Mietobjekte würden rasch vermietet und heuer im Herbst "zu einem deutlichen Schwung am Wiener Mietenmarkt führen", erwarten die Immobilienexperten. 2020 würden dann aber wieder weniger Wohnungen fertiggestellt.

Am günstigsten war der Kauf einer Wohnung im ersten Halbjahr 2019 in 11. und im 17. Bezirk - mit einem Durchschnittspreis von 2.950 Euro bzw. 3.000 Euro pro Quadratmeter. Die fünf teuersten Pflaster waren der 1. und der 19. Bezirk (mit 14.900 Euro bzw. 5.200 Euro) sowie der 7. (5.075 Euro), 9. (5.025 Euro) und 13. Bezirk (4.925 Euro).

Bei den Mieten war der 11. Bezirk der einzige mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis unter 10 Euro (9,50 Euro). Rund 12 Euro waren im Schnitt (aus Erst- und Zweitbezug) im 8., 9., 4., 19.,6., 7. und 13. Bezirk zu bezahlen. Zu den Preisen in der Innenstadt gibt es keine Angaben.

Auch die Baupreise erholen sich wieder, sollten also nicht mehr so stark zulegen wie in der Vergangenheit. Nach Abebben der Fertigstellungswelle dürften sich die Kräfteverhältnisse zwischen den Baufirmen und den Immobilienentwicklern verschieben, heißt es in dem Bericht. Die "aktuelle Überhitzung" sollte nach zwei bis drei Jahren wieder abgeflacht sein, schätzen die Marktexperten.

Nennenswerte Leerstände zeichneten sich ihnen zufolge aber "nicht einmal am fernen Horizont" ab - die Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihrer Niedrigzinspolitik fest und die Bevölkerung wächst, wenngleich sich die "stürmische Entwicklung der vergangenen Jahre etwas verlangsamt" habe. Für das laufende Jahr wird für Wien ein demografischer Zuwachs von rund 11.000 Personen erwartet - allein daraus ergebe sich (bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von zwei Personen) ein zusätzlicher Bedarf an 5.500 Wohnungen. Zwischen Jänner und Juni wurden in der Bundeshauptstadt rund 6.000 Wohnungen fertiggestellt - dabei dominierten laut EHL große Neubauprojekte, insbesondere in den Stadtentwicklungsgebieten.

Investitionen in den Wiener Wohnungsmarkt dürften "nach wie vor solide, wenn auch nicht spektakuläre Wertsteigerungen" bringen, so die Einschätzung. Die bereits sehr hohen Preise befeuerten die Nachfrage nach freifinanzierten Wohnungen im Wiener Speckgürtel - etwa in Baden oder Korneuburg.

(Schluss) kre/kan

APA

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