05.07.2022 10:27:17

Österreich berät über Gaslage - Regulator sieht keinen Grund für Alarmstufe

- von Alexandra Schwarz-Goerlich

Wien (Reuters) - Österreich bekommt nach Angaben des Wiener Öl- und Gaskonzerns OMV wieder etwas mehr Gas aus Russland geliefert als zuletzt.

Da die Gasspeicher im Land insgesamt zuletzt nicht planmäßig gefüllt werden konnten, will die konservativ-grüne Bundesregierung am Dienstag über die Versorgungslage beraten. Seit Ende März gilt in Österreich die Frühwarnstufe im Gas-Notfallplan. Sollte das Ziel, die Speicher bis zum Herbst zu 80 Prozent zu befüllen, gefährdet sein, soll jedoch die Alarmstufe ausgerufen werden.

Der Chef des Energieregulators E-Control, Wolfgang Urbantschitsch, gab jedoch vorerst Entwarnung. "Ich denke, dass im Augenblick auf Basis der vorliegenden Informationen und des Lagebildes, das wir vor uns haben, nämlich dass über 300 Gigawatt Stunden täglich in die Speicher hineinkommen, aus meiner Sicht jetzt einmal, für heute keine Veranlassung besteht, eine solche Alarmstufe auszurufen", sagte Urbantschitsch im ORF-Radio. Ob es bei der Frühwarnstufe bleibe, sei eine Entscheidung, die auf Basis der Beratungen mit der Regierung zu erfolgen habe, so der Energieexperte.

Auch der Systemmanager Austrian Gas Grid Management (AGGM) sieht die Versorgung trotz der reduzierten Gasflüsse aus Russland gesichert. "Die heimische Versorgung von Endkunden wird zur Gänze aus Importen gedeckt und ist uneingeschränkt gewährleistet", geht aus einem aktuellen Lagebericht hervor. Die Speicher würden moderat befüllt, hieß es. Laut AGGM flossen zuletzt hohe Gasexporte von Österreich nach Italien, was mit dem Energienotstand im südlichen Nachbarland zusammenhänge.

Laut OMV, Österreichs größtem Gashändler, wurde zuletzt wieder etwas mehr Gas geliefert als in den vergangenen Tagen. "Die Gasliefersituation hat sich etwas verbessert: Die Reduktion liegt nun bei rund 40 Prozent", sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters. Er verwies darauf, dass dies die für den Tag angekündigten Mengen seien. In den vergangenen Wochen kam etwa nur halb soviel Gas von Russland nach Österreich wie bestellt. OMV hatte die geringeren Mengen zuletzt mit Zukäufen am Spotmarkt kompensiert.

Österreich ist zu 80 Prozent von russischem Gas abhängig. Das Land hat aber im europäischen Vergleich relativ hohe Speicherkapazitäten, die ungefähr dem Verbrauch eines ganzen Jahres entsprechen. Derzeit sind die Gas-Speicher insgesamt zu rund 46 Prozent voll. Der Füllstand der OMV-Speicher liegt bei etwa 72 Prozent.

Sollte kein Gas mehr geliefert werden, hätte das dramatische Auswirkungen für das Land. Die Wirtschaftsforscher der Institute Wifo und IHS rechnen dann mit einer schweren Rezession und hoher Arbeitslosigkeit. Sollte die österreichische Regierung - so wie Deutschland - die Alarmstufe ausrufen, passiert jedoch vorerst nicht viel. Großverbraucher müssten ihren Bedarf täglich beim Regulator E-Control melden und wären angehalten, Gas zu sparen und durch andere Brennstoffe zu ersetzen. Erst bei der dritten Notfallstufe würde der Staat in die Verteilung der Gasreserven eingreifen.

(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich. Redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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