| Rohstoffe im Blick |
03.03.2026 13:53:38
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Steigende Ölpreise: Der Nahostkonflikt um Iran treibt die Kurse weiter nach oben - Gaspreis klettert
Hoch von Montag im Blick
Am Montag war der Preis im frühen Handel bis auf 82,37 Dollar geklettert. Im Tagesverlauf bröckelte der Kurs wieder etwas ab - am Tagesende stand aber dennoch ein Plus von mehr als 5 Dollar oder rund sieben Prozent auf 77,74 Dollar auf dem Kurszettel. Beim Öl der US-Sorte WTI sah die Bewegung ähnlich aus. Hier legte der Preis am Dienstag im frühen Handel etwas mehr als zwei Prozent auf knapp 73 Dollar zu.
Krieg in Nahost treibt Ölpreise deutlich an
Am Wochenende hatten Israel und die USA den Iran angegriffen und dabei unter anderem das Staatsoberhaupt und den Religionsführer des Landes Ajatollah Ali Chamenei getötet. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen und schränkte außerdem den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ein, eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Energiehandels.
Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge in der ölreichen Region am Persischen Golf. Jede Störung könnte die Energiepreise steigen lassen und die internationalen Märkte verunsichern. In der Nacht auf Dienstag setzten sich die gegenseitigen Angriffe fort. Der Iran drohte zudem mit einer vollständigen Sperre der Straße von Hormus.
Gaspreis weiter im Höhenflug - Katar-Lieferungen bleiben gestoppt
Der Iran-Krieg hat den Preis für europäisches Erdgas am Dienstag weiter nach oben getrieben. Er kletterte auf den höchsten Stand seit über drei Jahren wegen eines fortgesetzten Lieferstopps von Flüssiggas aus dem wichtigen Förderland Katar.
An der Börse in Amsterdam stieg der Preis für den richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat auf 59,44 Euro je Megawattstunde (MWh). Das sind etwa 30 Prozent mehr als am Vortag und der höchste Stand seit Februar 2023.
Seit Beginn der Woche sind Exporte von LNG-Flüssiggas aus Katar gestoppt. Am Montag wurde eine wichtige Anlage zum Export von LNG-Flüssigas nach einem iranischen Drohnenangriff stillgelegt. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern suchen Kunden aus Asien derzeit fieberhaft nach Alternativen für ausfallende Gaslieferungen, was auch die Preise auf dem europäischen Markt nach oben treibt.
Der Iran hatte auf die Angriffe durch die USA und Israel mit Gegenangriffen reagiert und den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt, ein Nadelöhr des weltweiten Energiehandels.
Seit Beginn der Woche hat sich europäisches Erdgas mittlerweile um mehr als 80 Prozent verteuert. Noch stärker war der Gaspreis zuletzt zum Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor vier Jahren gestiegen. Damals waren die Notierungen an der Börse in Amsterdam zeitweise über 300 Euro je MWh gestiegen.
Für die weitere Entwicklung des Gaspreises und mögliche Folgen des starken Anstiegs auf die konjunkturelle Entwicklung ist nach Einschätzung von Experten die Dauer des Kriegs im Nahen Osten entscheidend. Erst bei einer längeren Dauer wird mit spürbaren Folgen gerechnet. Zuletzt haben die USA widersprüchliche Signale zur möglichen Dauer des Krieges gesendet.
Spritpreis steigt immer weiter - Diesel überholt E10
Der Iran-Krieg lässt die Preise für Sprit und Heizöl weiter steigen. Am Morgen setzte sich der Anstieg der vergangenen Tage fort, wie Daten des ADAC und von Heizoel24 zeigen. Voraussichtlich würden Benzin und Diesel im Tagesverlauf noch einmal um einige Cent im Vergleich zum Montag steigen, sagte ein ADAC-Sprecher. Das ließen zumindest die ersten Werte vom Morgen erahnen.
Schon am Montag war der Spritpreis kräftig angestiegen. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt war Super E10 mit 1,839 Euro pro Liter um 6,1 Cent teurer als am Freitag, dem letzten Tag vor der Eskalation im Nahen Osten. Das war der höchste Wert seit Mai 2024. Diesel verteuerte sich um 7 Cent auf 1,816 Euro, den höchsten Wert seit Oktober 2023.
Diesel ist krisenanfälliger
Seit der heutigen auch in Nicht-Krisenzeiten üblichen Preisspitze am Morgen ist Diesel zudem teurer als Super E10. "Diesel reagiert erfahrungsgemäß sensibler auf äußere Faktoren wie Krisen oder Kriege. Die Preisausschläge - sei es nach oben oder unten - sind daher meist stärker", erklärte der Kraftstoffmarkt-Experte des ADAC, Christian Laberer.
Der aktuelle Anstieg der Spritpreise ist zwar deutlich, in der jüngeren Vergangenheit aber nicht ohne Vergleich. Zu Beginn des Ukraine-Krieges vor vier Jahren hatte sich Diesel binnen gut zwei Wochen um mehr als 60 Cent pro Liter verteuert. E10 stieg damals um rund 50 Cent. Auch bei den Angriffen der USA und Israels auf den Iran im Juni vergangenen Jahres hatte sich Sprit deutlich verteuert, Diesel stieg damals um rund 10 Cent.
Heizöl steigt ebenfalls weiter
Auch wer zum Ende der Heizsaison seinen Öltank füllen muss, hat aktuell ein Problem. Die Seite Heizoel24 gab den Preis für 100 Liter am Morgen mit knapp 123 Euro an. Das waren noch einmal gut 4 Euro mehr als am Montag. Noch am Freitag hatte der Preis unter 100 Euro gelegen.
Hintergrund des weiteren Anstiegs an den Tankstellen und beim Heizöl dürfte der Ölpreis sein, der weiter zulegte. Er ist - in Kombination mit dem Dollarkurs - typischerweise der wichtigste Treiber für Veränderungen bei Sprit und Heizöl. Die Eskalation des Konflikts treibt den Ölpreis unter anderem auch deswegen, weil der Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt hat. Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge in der ölreichen Region am Persischen Golf. Jede Störung kann die Energiepreise steigen lassen und die internationalen Märkte verunsichern.
Keine Versorgungsengpässe zu befürchten
"Versorgungsengpässe sind nicht zu befürchten, weder bei Benzin und Diesel, noch bei Heizöl oder Flugkraftstoff", heißt es vom Wirtschaftsverband Fuels und Energie. Ein Grund dafür ist, dass Deutschland Rohöl aus rund 30 Ländern beziehe. "Hauptlieferländer sind Norwegen, die USA, Libyen, Kasachstan und Großbritannien."
Die steigenden Preise an den Tankstellen begründet man dort damit, dass Rohöl, aber auch fertiges Benzin und Diesel teurer geworden sind. "Kritik an deutschen Tankstellengesellschaften und -betreibern ist unberechtigt", betont ein Sprecher. "Weder die einen noch die anderen sind für den Nahostkonflikt verantwortlich, der die globalen Ölpreise und die europäischen Produktpreise für Benzin und Diesel steigen lässt."
Spritpreisvergleich überlastet
Wer beim Tanken sparen will, sollte die morgendliche Preisspitze meiden und die Preise verschiedener Tankstellen vergleichen, rät der ADAC. Gerade in Krisenzeiten mit viel Bewegung gebe es auch große Unterschiede. Diesen Rat befolgen offenbar viele Menschen. Am Sonntag hatten laut ADAC fünfmal so viele Menschen den Spritpreisvergleich des Verkehrsclubs genutzt, was ihn zwischenzeitlich überlastete. Auch am Montag sei es noch zu kürzeren Aussetzern gekommen. Inzwischen habe man aber die Serverkapazitäten angepasst, sagte ein Sprecher.
/zb/mis
NEW YORK/LONDON (dpa-AFX)
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| Ölpreis (Brent) | 98,96 | 5,64 | 6,04 | |
| Ölpreis (WTI) | 88,27 | -6,50 | -6,86 |