Christian Scheid-Kolumne 09.01.2018 09:50:44

Mehr als nur Bitcoin

Kolumne

Keine Frage: Mit Bitcoins hätte man reich werden können. Wer vor fünf Jahren 10.000 Euro in die digitalen Münzen investiert hat, verfügt beim aktuellen Preis über ein Vermögen von gut 12,5 Mio. Euro. Geschichten wie die der Winklevoss-Zwillinge, die durch ihr Bitcoin-Investment sogar zu Milliardären wurden, sind inzwischen legendär.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass ein großer Teil des Kursanstiegs auf das Jahr 2017 zurückgeht. Startete der Bitcoin Anfang Jänner mit rund 1.000 Dollar, mussten am Jahresende fast 14.000 Dollar für eine virtuelle Münze hingeblättert werden. Zwischenzeitlich ging es sogar auf rund 20.000 Dollar nach oben. Auf dieser Basis entsprach der Marktwert der derzeit existierenden Bitcoins gut 330 Mrd. Dollar.

Bei dem massiven Anstieg gab es auch gewaltige Preisschwankungen. Alleine seit Jahresbeginn 2017 gab es drei Preiseinbrüche mit je mindestens 25 Prozent, und auch Tagesschwankungen von mehr als zehn Prozent sind keine Seltenheit. Zwischen Dezember 2013 und Jänner 2015 sank der Bitcoin-Kurs zwischenzeitlich sogar mehr als ein Jahr lang um rund 85 Prozent.

Nun hat erstmals Raiffeisen Research einen Überblick zu dem brisanten Thema veröffentlicht. Brisant vor allem deshalb, weil viele Marktaufseher und Notenbanken weltweit - darunter in Österreich FMA und OeNB - vor Investments in die Digital¬wäh-rung warnen. Es gebe die Gefahr des Totalverlusts. Zur Frage, ob Bitcoins eine Blase sind, äußert sich Raiffeisen-Analyst Valentin Hofstätter: "Der langfristige Kursverlauf ähnelt durchaus der Entwicklung historischer Spekulationsblasen." Es gebe dementsprechend viele kritische Stimmen. "Wesentlich für die langfristige Wert¬ent-wicklung wird sein, wie weit sich Bitcoin als Zahlungsmittel durchsetzen kann."

Zentral für das Funktionieren einer dezentralen digitalen Währung ist die zugrunde liegende "Blockchain"-Technologie. Hierbei werden alle Transaktionen von den Teilnehmern gemeinsam mit Hilfe einer speziellen Software in einem dezentralen Datensystem (der "Blockchain") verzeichnet und verwaltet. Diese Technologie ist aber nicht an den einen konkreten Anwendungsfall "Bitcoin" gebunden. "Nach dem gleichen Schema können beliebig viele alternative Kryptowährungen gebaut werden, was in den letzten Jahren auch passiert ist. Inzwischen gibt es mehr als 1.000 verschiedene Kryptowährungen, und wöchentlich werden es mehr", so Hofstätter.

"Was langfristig vielleicht sogar noch mehr Potenzial verspricht, ist der Einsatz der Blockchain-Technologie zur rascheren dezentralen Abwicklung von Transaktionen im Interbanken-Zahlungsverkehr, im Wertpapierhandel etc. bzw. generell die dezentrale Verbuchung und Verwaltung von Vermögensrechten bis hin zu Smart Contracts", so der Experte weiter. Mit anderen Worten: Im Grunde können alle gesellschaftlichen Funktionen, für die bisher ein Mittelsmann benötigt wurde, zukünftig direkt zwischen den Beteiligten durchgeführt werden.

Vor diesem Hintergrund hat sich vor allem Ethereum zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für den Bitcoin entwickelt - neben Bitcoin derzeit die einzige Krypto-währung, die mittels Zertifikat investierbar ist: Der schwedische Anbieter XBT Provider hat Tracker auf Ethereum begeben (ISIN SE0010296582). Die Papiere sind allerdings nur für sehr risikobereite Anleger geeignet.

Christian Scheid, Chefredakteur von Zertifikate Austria, begann sich Mitte der Neunziger Jahre für die internationalen Finanzmärkte zu begeistern. Nach seinem Abschluss zum Diplom-Volkswirt 1999 war er Redakteur und Ressortleiter beim Anlegermagazin "Börse Online". Seit 2006 ist er als Freier Wirtschafts- und Finanzjournalist selbstständig. Hier können Sie sich für den Gratis-Newsletter anmelden: Zertifikate Austria


Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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