Wertpapierkaufprogramm 25.01.2018 07:49:51

Gibt die EZB Hinweise auf eine weniger lockere Geldpolitik?

Gibt die EZB Hinweise auf eine weniger lockere Geldpolitik?

Die Frage, die sich Analysten und Anleger stellen, lautet: Wird die EZB konkrete Hinweise auf eine weniger lockere Geldpolitik fallen lassen. Vor allem geht es um das absehbare Ende des Wertpapierkaufprogramms, mit dem die Notenbank seit bald drei Jahren Inflation und Konjunktur anschieben will.

Aktuell sichert die Notenbank zu, ihr auf fast 2,3 Billionen Euro angewachsenes Anleihekaufprogramm bis mindestens September 2018 laufen zu lassen. Anfang des Jahres hatte sie die monatliche Kaufsumme auf 30 Milliarden Euro reduziert. Jetzt stellt sich die Frage: Was passiert nach September? Wie unter Notenbanken üblich, wird diese Frage nicht ad-hoc beantwortet, sondern mehrere Monate im voraus schrittweise vorbereitet. Als Instrument dient die geldpolitische Kommunikation der EZB, im Fachjargon "Guidance" genannt.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat 53 Ökonomen zu der Thematik befragt. Eine Mehrheit (Median) ist der Meinung, dass die EZB ihre Kommunikation nicht schon im Januar, sondern erst auf der darauf folgenden Zinssitzung im März anpassen wird. Ein konkretes Enddatum für das Anleihekaufprogramm dürfte die EZB demnach aber erst im Juli verkünden. Die meisten Volkswirte nehmen an, dass die Käufe nicht schon im September, sondern nach einer erneuten Verringerung der Kaufsumme erst im Dezember auslaufen wird. Zinsanhebungen sollen dann erst ab dem zweiten Quartal 2019 folgen.

Was sind die Gründe, die für ein Zuwarten der EZB sprechen? Bankökonomen nennen in erster Linie die - verglichen mit dem robusten Wachstum im Euroraum - nach wie vor schwächelnde Inflation. "Obwohl es der Wirtschaft gut geht, ist die zugrunde liegende Inflation für die EZB nach wie vor zu niedrig", urteilt Analyst Florian Hense vom Bankhaus Berenberg. Zuletzt betrug die Inflationsrate 1,4 Prozent, die Kernrate ohne schwankungsanfällige Komponenten aber nur 0,9 Prozent. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an, die seit mehreren Jahren nicht mehr erreicht wurde.

Hense verweist auf einen zweiten Faktor, der in der EZB für Unbehagen sorgen dürfte: die Aufwertung des Euro. In den vergangenen Wochen hat der Euro zu vielen Währungen spürbar zugelegt, besonders deutlich aber zum amerikanischen Dollar. Devisenfachleute sehen darin einerseits eine breite Dollar-Schwäche, andererseits aber auch eine Stärke des Euro. Diese geht zurück auf zum einen gute Wachstumsaussichten und zum anderen Spekulationen auf ein Ende der extrem lockeren Geldpolitik auch im Euroraum. Genährt wurden diese Spekulationen durch Äußerungen ranghoher Notenbanker und die Mitschrift zur jüngsten EZB-Zinssitzung. Demnach erwägt die Notenbank, ihre geldpolitische Kommunikation früh im laufenden Jahr zu ändern.

Ob es dazu schon an diesem Donnerstag kommt, ist aber zumindest fraglich. In jedem Fall werde EZB-Chef Mario Draghi die Gelegenheit nutzen, um jedwede Kommunikationsänderung herunterzuspielen, meint Analyst Greg Fuzesi von der US-Bank JPMorgan. Als ersten Schritt dürfte die EZB ihre Anleihekäufe nicht mehr von Fortschritten in der Inflationsentwicklung abhängig machen, meint der Experte. "Das würde signalisieren, dass die Käufe im späteren Jahresverlauf enden." Allerdings werde Draghi selbst in diesem Fall hervorheben, dass nichts entschieden und dass eine lockere Geldpolitik weiterhin notwendig sei. So vorgezeichnet, wie einige Fachleute den Kurs der EZB sehen, wird Draghi ihn also vermutlich nicht darstellen.

FRANKFURT (dpa-AFX)

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