Historische Zinswende 21.07.2022 20:23:00

Nach EZB-Schritt: Bankexperten sehen Zinswende, erwarten weitere Erhöhungen

Nach EZB-Schritt: Bankexperten sehen Zinswende, erwarten weitere Erhöhungen

Von der APA befragte Ökonomen rechnen nach der heutigen Anhebung des Leitzinses im Laufe des Jahres mit weiteren Erhöhungen. Sofortige Auswirkungen auf die Inflationsrate werden nicht gesehen, in weiterer Folge wird aber eine dämpfende Wirkung erwartet.

Die EZB habe sich heute von der Negativ-Zinspolitik der vergangenen Jahre mit einem Schlag verabschiedet, so Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek im APA-Gespräch. Die Anhebung um 50 Basispunkte, demonstriere Entschlossenheit im Kampf gegen die Inflation. Die EZB müsse auch schauen, dass Zweitrundeneffekte möglichst niedrig gehalten werden. Die heutige Entscheidung sei der Beginn einer Zinsbewegung, die dazu führen müsste, dass es in den nächsten Monaten gewisse Bremseffekte bei der Inflation gebe.

Die EZB sei wieder "zu einer ernsthaften Größe geworden", sagte Erste-Group-Chefanalyst Friedrich Mostböck, auch unter anderem puncto Entschlossenheit, die Inflation zu bekämpfen. Eine sofortige Auswirkung auf die Inflation sieht er nicht. An den Aktienmärkten sei offensichtlich schon sehr viel vorweggenommen worden. Die Zeit der Negativzinsen sei heute beendet worden, betonte Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer. Bei den kurzfristigen Zinsen gebe es einen Wandel in den positiven Bereich und damit wieder eine gewisse Normalität.

Die EZB habe heute möglicherweise auch die Euro-Abwertung der vergangenen Wochen und die importierte Inflation berücksichtigt, hieß es heute.

Die Experten rechnen nun mit weiteren Zinserhöhungen. Die Wahrscheinlichkeit für eine Anhebung um 50 Basispunkte im September sei sehr hoch, angesichts der Aussagen, dass die EZB datengetrieben agiere und von Monat zu Monat evaluiere, so Brezinschek angesichts der relativ hohen Inflationszahlen. Auch Mostböck rechnet mit weiteren Zinserhöhungen, auf jeden Fall scheine die EZB heute die Zinswende eingeleitet zu haben. Bruckbauer erwartet, dass es bis Jahresende noch zu Erhöhungen um weitere 75 Basispunkte kommen wird und die EZB im ersten Quartal kommenden Jahres noch einmal um 50 Basispunkt erhöht.

Es gebe nun auch keine forward-guidance mehr für die Zukunft, betonten Brezinschek und Bruckbauer. Damit sei mehr Volatilität an den Märkten zu erwarten, so Bruckbauer.

itz/cs/stf

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