17.07.2026 12:22:00

Stichwort - EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS)

Das europäische Emissionshandelssystem (EU-Emissions Trading System, EU-ETS) ist ein zentrales Klimaschutz-Instrument der EU. Es besteht seit 2005 und umfasst die Energiewirtschaft, die Industrie sowie Teile des Flug- und Seeverkehrs und deckt damit rund 40 Prozent des Treibhausgasausstoßes der EU ab. Das EU-ETS, eines der größten Emissionshandelssysteme weltweit, wird regelmäßig überprüft und angepasst - nicht immer scheint dabei der Klimaschutz im Vordergrund zu stehen.

Beim Verbrennen von fossilen Energieträgern wie Erdöl, Kohle und Erdgas, etwa in Industrieprozessen, im Verkehr, beim Heizen oder in der Stromproduktion, werden große Mengen an Treibhausgasen freigesetzt. Als wichtigste klimawirksame Gase gelten Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Distickstoffmonoxid (N2O, Lachgas) und Fluorierte Treibhausgase (F-Gase). Diese Gase binden Wärme in der Atmosphäre und sind so maßgeblich für den Klimawandel verantwortlich. Um die globale Erderwärmung einzudämmen, muss der Ausstoß drastisch reduziert werden. Hier setzt der Emissionshandel der EU an.

In einem Emissionshandelssystem wird im Voraus festgesetzt wie viel Treibhausgase in einer Periode maximal ausgestoßen werden dürfen. Diese Menge wird dann in Form von sogenannten Emissionszertifikaten, also Verschmutzungsrechten, an Unternehmen versteigert. Die Unternehmen zahlen also Geld für ihren Treibhausgas-Ausstoß. Ein Teil der Zertifikate im EU-ETS wird kostenlos verteilt.

CO2-Preis entsteht durch Angebot und Nachfrage

Wer mehr Emissionen verursacht als er darf, muss Verschmutzungsrechte zukaufen. Wer umweltfreundlicher produziert und damit weniger emittiert, kann überschüssige Zertifikate am Markt verkaufen oder sie in die nächste Periode mitnehmen. Die Gesamtanzahl an ausgegebenen Zertifikaten ist gedeckelt und sinkt kontinuierlich. Der Preis entsteht durch Angebot und Nachfrage.

Im Zeitverlauf werden weniger Zertifikate ausgegeben, damit steigt der CO2-Preis und umweltschädliche Produktionsprozesse werden teurer. So sollen Unternehmen dazu gebracht werden, ihren Treibhausgas-Ausstoß zu reduzieren. Die Einnahmen, die aus den Auktionen der CO2-Zertifikate generiert werden, fließen an die Nationalstaaten zurück. Das europäische Emissionshandelssystem wurde 2005 als eines der ersten großen seiner Art eingeführt. Es gilt in den 27-EU-Mitgliedsstaaten sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen.

Das Emissionshandelssystem umfasst laut Angaben der EU rund 10.000 Anlagen im Energiesektor und der Industrie, Flüge zwischen den teilnehmenden Ländern, sowie seit 2024 auch den Seeverkehr. Ab 2028 soll ergänzend zum bestehenden EU-ETS 1 ein europäischer Emissionshandel für Brennstoffe eingeführt werden (ETS 2). Händler, die Brennstoffe für Gebäude, den Straßenverkehr und weitere Sektoren liefern, müssen dann entsprechende Zertifikate erwerben.

Reicht der Lenkungseffekt?

Zu Jahresbeginn 2021 kostete die Tonne CO2 im europäischen Emissionshandel noch rund 30 Euro, im Jahresverlauf 2021 und danach legte der Preis stark zu und knackte im Frühjahr 2023 die 100-Euro-Marke. Danach sank der Preis wieder und pendelte heuer bisher zwischen 60 und 70 Euro pro Tonne. In Österreich unterliegen laut der beim Umweltbundesamt angesiedelten österreichischen Emissionshandelsregisterstelle derzeit rund 200 Anlagen dem Emissionshandel, die größten Treibhausgas-Emittenten hierzulande sind voestalpine, OMV und Wien Energie. 2025 hat Österreich 302,6 Mio. Euro aus dem Verkauf von CO2-Zertifikaten eingenommen, die dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) zugute kamen.

Der europäische Emissionshandel wurde oft für seinen niedrigen Preis und den damit fehlenden Lenkungseffekt kritisiert. Es wurden mehr Zertifikate ausgegeben, als Treibhausgase emittiert wurden, sodass Unternehmen keinen Grund hatten, ihre Emissionen zu reduzieren. Laut dem Weltklimarat IPCC müsste der CO2-Preis weiterhin deutlich steigen, um die Erderwärmung auf 1,5 bzw. 2,0 Grad Celsius einzudämmen, wie es das Pariser Klimaziel vorsieht.

Regelmäßige Überprüfung

Der Emissionshandel wird regelmäßig von der EU-Kommission auf seine Wirksamkeit überprüft. Anpassungen und Ausweitungen des Systems sollten primär den Klimaschutz voranbringen und dazu beitragen, die EU bis 2050 in allen Wirtschaftszweigen klimaneutral zu machen. Gleichzeitig klagt die Wirtschaft über Wettbewerbsnachteile am Weltmarkt. Um den Bedenken der Industrie Rechnung zu tragen und vor dem Hintergrund zuletzt stark gestiegener Energiepreise, plant die EU-Kommission nun Erleichterungen für die Industrie.

(Redaktionelle Hinweise: Wiederholung des Klima-Glossars vom 16. Juli 2026 als Stichwort, GRAFIKEN vom 17. und 16. Juli 2026 siehe APA-Newsdesk) hel/cgh/phs

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