Besserung in Sicht: JPMorgan-Experte mit Lichtblick für den Anleihenmarkt

• Anleihemarkt 2022 unter großem Druck
• JPMorgan sieht für 2023 Besserung in Sicht
• Angebot und Nachfrage dürften sich wieder besser ausgleichen

Dass es in diesem Jahr an den Aktienmärkten viele Belastungsfaktoren gibt, die auf die Kurse drücken, dürfte jeder Anleger in seinem Depot deutlich spüren. Doch nicht nur Aktien wurden von hoher Inflation, steigenden Zinsen, Lieferengpässen, anziehenden Energiepreisen und Rezessionsängsten in die Tiefe gezogen. Auch am Anleihemarkt ging es in diesem Jahr bereits deutlich abwärts. Wo der Bondmarkt in der Vergangenheit typischerweise als sicherer Hafen bei fallenden Aktienkursen galt, führte die strikte Geldpolitik der Notenbanken, die genug damit zu tun hatten, die ausufernde Inflation in den Griff zu bekommen, auch hier zu großem Druck.

Bond-Markt im Bärenmodus

Laut Bloomberg kam es 2022 an den globalen Bondmärkten gar zum ersten Bärenmarkt innerhalb einer Generation. So zeigt der Bloomberg-Index für den internationalen Anleihemarkt für dieses Jahr einen Rückgang von 16 Prozent. Setzt sich der Trend bis Jahresende fort, würde dies den ersten Rückgang in zwei aufeinander folgenden Jahren seit 1990 bedeuten. Eine Untersuchung der Bank of America zeichnet ein noch drastischeres Bild. Wie Reuters schreibt, hätte die Bank berechnet, dass der Rückgang der jährlichen Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen um 23 Prozent im letzten Monat der stärkste seit 1788 gewesen sei.

JPMorgan blickt optimistisch auf Anleihemärkte

Allerdings gibt es ein Licht am Ende des Tunnels, darf man den Experten der US-Investmentbank JPMorgan Glauben schenken. So veröffentlichte das Team rund um Stratege Nikolaos Panigirtzoglou eine Analyse, die Bloomberg vorliegt, in der ein etwas rosigeres Szenario für das kommende Jahr prognostiziert wird.

So dürfte das Bond-Angebot laut JPMorgan schneller sinken als die Nachfrage. Konkret geht die Bank von einer Angebotsreduktion von circa 1,6 Billionen US-Dollar aus, während die Nachfrage um geschätzte 700 Milliarden US-Dollar zurückgehen dürfte. Dieser Nachfragerückgang würde laut Panigirtzoglou eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Einbruch um 5,9 Billionen US-Dollar im letzten Jahr bedeuten.

"Nach der beispiellosen Verschlechterung in diesem Jahr erwarten wir, dass sich das Verhältnis von Nachfrage und Angebot an Anleihen verbessern wird. Mit Blick auf die Prognosen für 2023 zeichnet sich unter den Analysten ein Konsens darüber ab, dass nachlassendes Wachstum und sinkende Inflation zu einem Rückgang der Anleiherenditen beitragen dürften", zitiert Bloomberg den Experten aus der Analyse. "Basierend auf der historischen Beziehung zwischen jährlichen Veränderungen des Überangebots und der Rendite des Global Aggregate Bond Index würde eine Verbesserung des Angebots-Nachfrage-Verhältnisses um 1 Billion USD einen Abwärtsdruck auf die Global Aggregate Renditen von etwa 40 Basispunkten bedeuten", zitiert Reuters aus der Untersuchung. Ende November bewegte sich die Rendite bei 3,52 Prozent.

Quantitative Straffung

Auch die Zentralbanken dürften im nächsten Jahr mehr von ihren Anleihebeständen im Zuge der quantitativen Straffung veräußern. Das gleiche wird von gewerblichen Banken erwartet, wie das JPMorgan-Team erklärte. Auf der anderen Seite erwartet das Kreditinstitut eine anziehende Nachfrage von Pensionsfonds, Kleinanlegern und Verwaltern ausländischer Währungen. Insbesondere Kleinanleger und Rentenfonds dürften dabei von anziehenden Renditen angelockt werden.

Comeback für Anleihen?

JPMorgan ist mit der Einschätzung, dass der Anleihemarkt 2023 ein Comeback erleben dürfte, nicht allein: "2023 wird das Jahr der Anleihe sein", proklamiert AXA IM Investment Institut-Experte Chriss Iggo laut Reuters-Kolumnist Mike Dolan. "Anleihen sind zurück", meint auch Amundi-CIO Vincent Mortier. Nun bleibt nur abzuwarten, ob die Marktbeobachter damit Recht behalten werden.

Redaktion finanzen.at

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