Putin hat große Menge an US-Staatsanleihen verkauft - Steckt Russland hinter dem Renditeanstieg?

Der so genannte Helsinki-Gipfel, bei dem US-Präsident Donald Trump und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin zusammenkamen, hat ein großes Medienecho erzeugt. Wie jetzt bekannt wurde, hat der russische Präsident sich offenbar auf ganz eigene Art auf das Treffen vorbereitet und einen Großteil der von Russland gehaltenen US-Staatsanleihen abgestoßen.

Russland-Sanktionen als Grund?

Wie die "Financial Times" unter Berufung auf das US-Finanzministerium berichtet, ist der vom russischen Staat gehaltene Anteil an US-Staatsanleihen Ende Mai von einem Wert von 100 Milliarden US-Dollar im März auf 14,9 Milliarden US-Dollar gesunken. Bereits einen Monat zuvor hatte Russland die Hälfte seiner US-Staatsanleihenbestände liquidiert. Damit gehört Russland nun nicht mehr zur Gruppe der größten Gläubiger der USA. Von Seiten der russischen Zentralbank wurde der Schritt mit "Diversifikationsmaßnahmen" begründet, Experten spekulieren aber über andere Gründe. Wirtschaftsexperten halten eher die andauernden Wirtschaftssanktionen der USA gegen Russland für den Auslöser der Verkäufer. "Russland macht sich offenbar Sorgen über die Sanktionen und über die Möglichkeiten, Staatsanleihen zu handeln, daher wurden sie verkauft", zitiert die "Financial Times" Andrew Brenner vom Finanzdienstleister National Alliance Securities.

Schwächung der USA im Fokus

Auch Experten zeigten sich angesichts des durchaus drastischen Schrittes überrascht: "Die Reduzierung bei den Anleihen ist so groß, dass ich zumindest teilweise eine Reaktion auf geopolitische Veränderungen vermute", erklärte Oleg Kouzmin von der Investmentbank Renaissance Capital gegenüber dem Blatt. Offenbar will Wladimir Putin sein Land unabhängiger vom US-Dollar machen. Der Verkauf von US-Staatsanleihen schwächt den Einfluss des US-Dollars.

Möglicherweise war der Ausverkauf mitverantwortlich für die Entwicklung am US-Anleihenmarkt in den vergangenen Monaten. Zehnjährige US-Staatsanleihen hatten zuletzt im Mai die Renditemarke von drei Prozent überschritten, nachdem dies bereits im April passiert war. Marktbeobachter hatten zu diesem Zeitpunkt neben der starken US-Wirtschaft insbesondere Inflationserwartungen für den Renditeanstieg verantwortlich gemacht, da beides die US-Notenbank Federal Reserve zu einer Fortsetzung ihres Straffungskurses veranlassen dürfte. Die zeitgleich erfolgte Abstoßung von rund 85 Prozent der von Russland gehaltenen US-Staatsanleihen könnte aber zumindest einen Anteil an der Renditeentwicklung der zehnjährigen Treasuries gehabt haben.

Redaktion finanzen.at

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