Negative Neuigkeiten 06.10.2020 22:35:00

Goldhändler verzögert Auszahlungen: Bahnt sich in Deutschland ein neuer Goldskandal an?

Goldhändler verzögert Auszahlungen: Bahnt sich in Deutschland ein neuer Goldskandal an?

• Goldhändler verzögert Auszahlungen an Anleger
• Hausdurchsuchungen und Geschäftsführerwechsel verunsichern Kunden
• Ähnlichkeiten mit PIM Gold-Skandal

Goldhändler zahlt Anlegern Rendite für Einlagerung

Das Unternehmen mit Sitz in Köln hat sich darauf spezialisiert, Gold an Anleger zu verkaufen und bietet diesen eine Rendite, wenn sie ihren Goldbestand Bonus.Gold für deren "Recycling-Mehrwertkreislauf" zur Verwendung überlassen. Der Händler verdient an diesem Kreislauf durch den Ankauf von Goldschmuck und den Verkauf von türkischem Hochzeitsschmuck. Aus den Gewinnmargen dieses Kreislaufs stellt das Unternehmen seinen Kunden dann zusätzliche Goldbestände zur Verfügung. So sollen Kunden Renditen im zweistelligen Bereich versprochen worden sein. Auf seiner derzeit noch erreichbaren Webseite weist der Goldhändler außerdem auf seine Prinzipien Sicherheit, Transparenz und Mehrwert hin.

Anlegerin berichtet von Auszahlungsproblemen

Das Handelsblatt berichtete nun aber von einer Anlegerin, die bei dem Unternehmen Anfang des Jahres 100.000 Euro angelegt hatte. Im Sommer wollte sie ihren Goldbestand ausbezahlt haben, allerdings wurde ihr daraufhin mitgeteilt, dass eine so große Menge nicht auf einmal ausgegeben werden könne. Bis September wurden ihr aber zwei Auszahlungen zugesagt, die ihren kompletten Bestand abdecken. Zu Beginn des Monats der geplanten Ausgabe gab das Unternehmen aber bekannt, dass alle Verträge rückabgewickelt werden sollen. Der Hochzeitsschmuck, der ein essentieller Bestandteil von Bonus.Golds Geschäftsmodell ist, sollte dazu eingeschmolzen werden, sodass jeder Kunde seine Anlagen zurückerhalten könne. Auch durch Gewinne entstandene Überschüsse sollten ausgezahlt werden. Allerdings benötige die Firma dafür weitere fünf Monate Zeit, bis es zu einer Auszahlung komme.

Ähnlichkeiten zu PIM Gold-Skandal

Das Geschäftsmodell des Kölner Unternehmens erinnert an den Skandal um den Goldhändler PIM Gold. Das mittlerweile insolvente Unternehmen konnte Anlegern ihre eingelagerten Bestände nicht mehr auszahlen. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergaben außerdem fehlende Goldbestände in den Lagerräumen des Händlers.
Laut Handelsblatt sollen drei ehemalige Mitarbeiter von PIM Gold im Januar 2017 die Bonus.Gold GmbH gegründet haben. Im April desselben Jahres hatte Murat Kaynar die Geschäftsanteile und die Geschäftsführung übernommen, wenige Monate später übergab er die komplette Leitung an seinen Sohn Atakan. Laut Webseite des Unternehmens beschäftige sich die Familie bereits in der dritten Generation mit Goldankauf, -recycling, -weiterverarbeitung und -handel. Dabei könne man ein umfangreiches Fachwissen und viele langjährige Handelspartnerschaften vorweisen. Bonus.Golds Geschäftsbeziehungen belaufen sich somit auf Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Tschechien, die Slowakei, die Schweiz, Österreich und Ungarn.

Unstimmigkeiten der Jahresbilanz 2017

Die Frage nach der Vollständigkeit des Goldbestands des Unternehmens kam bereits in der Vergangenheit auf: Für die Bilanz des Jahres 2017 konnte ein Wirtschaftsprüfer nicht nachvollziehen, ob die angegebene Goldmenge tatsächlich vorhanden war, wie Rechtsanwalt Kim Oliver Klevenhagen in einem Schreiben an potenzielle Anleger von Bonus.Gold vom 18. September 2020 erklärte. "So wurde vom Wirtschaftsprüfer im Rahmen der Bilanzierung 2017 mitgeteilt, dass das Vorhandensein der ausgewiesenen Vorräte in Höhe von ca. 13,7 Millionen EUR nicht hinreichend nachgewiesen werden könne, weil eine Inventur im Ausland nicht möglich gewesen sei und auch durch alternative Prüfungshandlungen keine hinreichende Sicherheit über den Bestand der Vorräte hätten gewonnen werden können", so Klevenhagen. Der Jahresabschluss für das Jahr 2018 sei außerdem nicht rechtzeitig vorgelegt worden. Auch das Handelsblatt berichtete über diesen Vorfall. Auf Nachfrage soll Kaynar mehrfach zugesichert haben, die fehlenden Abschlüsse nachzureichen, was bisher aber ebenfalls noch nicht geschehen sein soll.

Familie veräußert Unternehmen überraschend

Nun gab Kaynar die Führung des Unternehmens kürzlich ab. Wie Stefan Loipfinger, Betreiber des Blogs "Investmentcheck", in einem Beitrag erklärte, soll die Bonus.Gold GmbH am 3. September 2020 von Ernst Günther Dollmann übernommen worden sein. Der Geschäftsmann kommt ursprünglich aus Köln, lebt derzeit aber im englischen Kent, so Loipfinger. Der Blogbetreiber konnte die Familie Kaynar für eine Stellungnahme erreichen, in der erklärt wurde, dass das komplette Unternehmen, inklusive aller Goldbestände, Forderungen und Verbindlichkeiten, verkauft wurde. Als Grund soll Murat Kaynar angegeben haben, dass Rückabwicklungen der Goldbestände an die Kunden während der Coronapandemie geplant waren, es dann aber zu Unstimmigkeiten mit dem Vertrieb gekommen sei, sodass hier auch kein Vertrauensverhältnis mehr herrschte. Loipfinger habe außerdem aus mehreren Quellen erfahren, dass es wohl vor kurzem zu Hausdurchsuchungen bei Bonus.Gold kam. Murat Kaynar soll dazu aber angegeben haben, dass der Grund dafür ein sich nicht bestätigter Verdacht bei einem neuen Kunden gewesen sei. Diese Ereignisse haben die Familie aber darin bestätigt, sich aus der Branche zurückzuziehen.

Der jetzige Geschäftsführer Dollmann habe laut Loipfinger bereits mehrere Führungspositionen ausgeübt. Mit der Consil UG und der ETAX Treuhand GmbH haben aber zwei der von ihm geführten Unternehmen - wohlgemerkt nach seinem Ausstieg - Insolvenz anmelden müssen.

Warnung vor Verlusten

Anlegeranwalt Günther-Thomas Knüfer von der KT Rechtsanwaltsgesellschaft beobachtet das Vorgehen der Bonus.Gold GmbH mit Sorgen. "Die Veränderungen wirken wie eine Gesellschaftsentsorgung. Wir haben eine kostenlose Interessensgemeinschaft gegründet, um die Rechte der Anleger zu bündeln. Die internationale Durchsetzung von Rechten ist für einzelne Privatanleger im Grunde nicht möglich", zitierte Loipfinger ihn auf seinem Blog. Auch der Frankfurter Rechtsanwalt Christian Seyfert, der Bonus.Gold bis Anfang des Jahres juristisch vertrat, sieht die Position der Anleger laut Handelsblatt geschwächt. So bestehe die Möglichkeit, dass die Bestände den Kunden nur zum Teil oder erst erheblich später ausgegeben werden. Hier seien Verluste von bis zu 50 Prozent denkbar, so der Anwalt in einem Gutachten.

Redaktion finanzen.at

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