Konzern unter der Lupe 17.01.2024 23:00:00

Apple mit Delle in der Wachstumsstory: Ist der iPhone-Gigant in der Krise?

Apple mit Delle in der Wachstumsstory: Ist der iPhone-Gigant in der Krise?

• Apple zuletzt mit Wachstumsdelle
• Analysten ziehen wegen iPhone-Sorgen die Reißleine
• Apple hat schon schlimmere Krisen überstanden

Jahrelang hat Apple geliefert: Mit seinen Umsatz- und Gewinnzahlen hat das Unternehmen die Markterwartungen immer wieder pulverisiert. Das Erfolgsprodukt iPhone ist aus der Smartphonelandschaft nicht mehr wegzudenken und trägt verlässlich zum Konzernerfolg bei. Mit der Apple Watch hat Konzernchef Tim Cook ein weiteres heißes Produkteisen im Feuer und die Vision Pro soll - wenn es nach Apple geht - eine Revolution darstellen. Anleger überzeugte dies in den vergangenen Jahren: Die Apple-Aktie gehört zu den Top-Titeln der Wall Street, mit einer Marktkapitalisierung von rund drei Billionen US-Dollar hält sich Apple an der Spitze der Börsenwelt und wird in dieser Position ernsthaft aktuell nur durch den Techriesen Microsoft herausgefordert.

Wachstumsgeschichte bekommt Dellen

2023 war aber auch für einen Börsenriesen wie Apple ein herausforderndes Jahr. Im November konnte Apple im Rahmen seiner Viertquartalsbilanz zwar die Gewinnerwartungen übertreffen, beim Quartalsumsatz musste man aber einen Rückschlag im Vorjahresvergleich hinnehmen. Es war bereits das vierte Quartal in Folge, in dem die Umsätze rückläufig waren, was nicht nur unter Analysten sondern auch von Anlegern mit Sorge betrachtet wurde.

Die Hälfte der Konzernerlöse kamen dabei einmal mehr aus dem iPhone-Geschäft, während die Erlöse mit Mac-Computern einbrachen und insbesondere das China-Geschäft schwächelte. Schuld an letzterem waren unter anderem US-Sanktionen, die es Apples chinesischem Konkurrenten Huawei schwer machten, auf dem US-Markt zu agieren, was aber für deutliche Geschäftszuwächse auf dem chinesischen Markt gesorgt hatte und Apple zumindest kurzzeitig die Marktführerschaft in der Region gekostet haben dürfte.

Abhängigkeit vom iPhone weiter ein großes Problem

Dass die iPhone-Familie einen derart großen Anteil am Apple-Geschäft hat, ist schon seit geraumer Zeit ein Problem, wird mit Blick auf den Erfolg von Huawei in jüngerer Zeit aber zunehmend deutlicher. Doch aufkommende Konkurrenz, die Apples Marktanteile mindern will, ist nicht das einzige Problem des US-Unternehmens in China. Die Wirtschaftslage in der Region ist fragil, der sino-amerikanische Wirtschaftskrieg belastet zudem zusätzlich und bringt Apple in eine prekäre Lage. Als Reaktion auf die US-Maßnahmen, die darauf abzielen, heimische Unternehmen mit heimischen Produktionsstätten zu bevorzugen, hatte China Presseberichten zufolge ein Nutzungsverbot für iPhones für Beschäftigte von Lokalregierungen und staatlichen Konzernen ausgegeben.

Hinzu kommen Probleme anderer Art: Die iPhone-Preise steigen kontinuierlich, die Technik unterscheidet sich aber inzwischen kaum noch von der in Konkurrenzgeräten, innovative Neuerungen an dem Erfolgssmartphone waren zuletzt Mangelware. Das, verbunden mit den gestiegenen Verbraucherpreisen, veranlasst iPhone-Besitzer darüber hinaus offenbar dazu, ihre Geräte nicht mehr so häufig durch neue Modelle zu ersetzen. "Ein Teil des Problems von Apple liegt darin, dass die Verkäufe zurückgehen, weil die Leute ihre Geräte länger behalten", zitiert "The Telegraph" Ben Wood vom Analystenunternehmen CCS Insight.

Weitere Probleme mit der Produktpalette

Apple hat diese Problematik erkannt, kann mit seiner restlichen Produktpalette aber nur bedingt gegensteuern. Der Verkauf des zweiten Erfolgsprodukts, der Apple Watch, musste im Dezember ausgerechnet vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft nach einer Niederlage in einem Patentstreit vorübergehend gestoppt werden. Einem Analysten zufolge sind Apple daraus Umsatzeinbußen in dreistelliger Millionenhöhe entstanden.

Was Apples Augmented-Reality-Headset Vision Pro angeht, gehen die Einschätzungen am Markt weit auseinander. Während einige Beobachter dem US-Konzern zustimmen, dass Apple mit dem Gerät eine neue Art von Computer auf den Markt gebracht hat, hinterfragen andere wiederum die Zielgruppe für das Produkt. Denn mit einem Verkaufspreis von 3.500 US-Dollar dürfte der US-Riese wohl nur eine geringe Käuferschicht ansprechen, zumal es bereits Konkurrenzprodukte von anderen Unternehmen gibt, die bislang am Markt keine allzu große Durchschlagskraft hatten.

Mit dem Geschäftssegment "Dienste" will Apple seine Abhängigkeit vom Hardwaregeschäft rund um iPhone, Apple Watch, Vision Pro oder Mac-Computer verringern. Zuletzt hatte das Unternehmen hier an der Preisschraube gedreht und die Nutzung der Apple-Dienste wie iCloud, Apple TV+ oder Apple Music kostenintensiver gestaltet. Zwar läuft das Geschäft mit den Apple-Services gut und konnte im Ende September zu Ende gegangenen vierten Quartal ein Wachstum von 16 Prozent erzielen, mit einem Umsatzbeitrag von 22,3 Milliarden US-Dollar im Berichtszeitraum erlöste das Unternehmen aber nur rund halb so viel mit dem iPhone-Geschäft.

KI-Engagement lässt auf sich warten

Wenig Interesse scheint Apple unterdessen daran zu zeigen, in großem Stil in das Trendthema künstliche Intelligenz einzusteigen. Während Unternehmen wie Microsoft und Google das Thema vorrangig behandeln und sich bereits jetzt breit aufstellen, hält sich der iKonzern in diesem Bereich auffallend zurück. Unternehmenseigene KI-Anwendungen sind Mangelware, ein Chatbot, wie ChatGPT oder Googles Bard offenbar für Apple - zumindest offiziell - kein Thema. Im Rahmen eines Earning Calls erklärte Konzernchef Tim Cook, man setze im Unternehmen bereits seit Jahren auf KI, betrachte diese als Kerntechnologie, die in jedes Apple-Produkt einfließe. Man forsche "seit Jahren an einer Vielzahl von KI-Technologien, einschließlich generativer KI" und plane Milliardeninvestitionen in Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in diesem Bereich. Man wolle sich dem Thema aber "verantwortungsvoll" nähern. Dennoch würden die Technologien künftig in Produktverbesserungen sichtbar werden, versprach der CEO.

Analysten ziehen die Reißleine

Die genannten Herausforderungen, denen sich Apple gegenüber sieht, haben Experten zur Neubeurteilung des Unternehmens veranlasst. Barclays-Experten senkten angesichts einer zu erwartenden schwachen Nachfrage nach der neuen iPhone-Generation das Kursziel und stuften die Apple-Aktie von "Equal Weight" auf "Underweight" ab.
Auch Piper Sandler zogen nach: Die Investmentbank bewertet Apple nun nicht mehr mit "Overweight", sondern verpasste dem Anteilsschein ein "Neutral"-Rating: Hier trieb die Experten ebenfalls die Sorge um das iPhone und insbesondere die hohen Lagerbestände in diesem Bereich sowie das schwache makroökonomische Umfeld in China um.

Ist Apple wirklich in der Krise?

Ob man von einer wirklichen Konzernkrise für Apple sprechen kann, bleibt aber dennoch fraglich. Trotz schwächerer Wachstumsraten verdient der Konzern mit seinen Produkten weiter viel Geld und gehört zu den Top-Unternehmen der Börsenwelt. Die zunehmende Abhängigkeit vom iPhone hat Apple bereits vor geraumer Zeit als Problem erkannt und arbeitet weiter an Alternativen zu dem Erfolgssmartphone. Bloomberg-Reporter Mark Gurman glaubt, das iPhone werde 2024 entwicklungstechnisch in den Hintergrund treten und Apple werde sich auf andere Teile der Produktpalette konzentrieren.

Eine Existenzbedrohung ist darüber hinaus angesichts von Milliardengewinnen kein Thema. Das unterscheidet die aktuelle Lage von Apple von der, in der das Unternehmen sich im Jahr 1998 befand, als Steve Jobs durch seine Rückkehr an die Konzernspitze einen drohenden Untergang gerade noch abwenden konnte.

Zwar bleiben die Herausforderungen in diesem und den kommenden Jahren groß. Inzwischen ist das Börsenschwergewicht aber deutlich breiter aufgestellt. Auch ein Teilwegfall des China-Geschäfts wird Apple zwar empfindlich treffen, aber voraussichtlich nicht in extreme wirtschaftliche Turbulenzen bringen. Die Konzernspitze scheint sich der Challenges bewusst, denen Apple gegenübersteht und arbeitet daran, diese zu bewältigen.

Ob die Maßnahmen Anleger und Analysten gleichermaßen überzeugen werden, bleibt abzuwarten.

Redaktion finanzen.at

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