19.06.2024 13:35:00
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Banken schöpfen Nachhaltigkeitspotenziale noch nicht aus - Studie
Für die Studie wurden 36 europäische Banken nach ihrer Einschätzung zum Status der Themen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung ("ESG") im eigenen Haus befragt, bei rund einem Dutzend davon handelt es sich um österreichische Banken. Einigkeit ergab sich dabei in Bezug auf die Relevanz der Thematik: So messen fast alle Befragten ihrer ökologischen Außendarstellung eine wesentliche Bedeutung für den Gesamtruf der Firma bei - und sehen diese sogar in etwa auf einer Stufe mit der Wirkung stabiler Geschäftszahlen.
Eine konkrete Ertragsperspektive treibt die Banken aber nur in wenigen Fällen an. Der Studie zufolge ist es vor allem die Einstellung der eigenen Kunden sowie der regulatorische Druck, der die Geldhäuser zu Änderungen bewegt. Dementsprechend verfügt ein Gutteil der Banken mittlerweile über ein Beratungsangebot für nachhaltige Finanzierungen oder versucht, mit Bewusstseinskampagnen zu sensibilisieren. Nachhaltigkeit ist damit mittlerweile in das Geschäft vieler Banken integriert, geschäftliche Potenziale, die sich daraus ergeben, werden jedoch großteils noch nicht ausgeschöpft, wie Studienautor Frank Mrusek bei einem Pressegespräch festhielt.
Hohe Ziele stecken sich die Geldhäuser, wenn es um eine ausgeglichene Klimabilanz geht. So gaben vor allem große Banken an, zwischen 2035 und 2050 dieses Ziel erreicht haben zu wollen, etwa indem Investitionen in fossile Energieträger wie Kohle oder in den Bergbau abgedreht werden. Nur bei rund einem Viertel der Befragten und dabei vor allem bei kleinen Banken ist dieses Ziel nicht verankert. Auf der anderen Seite werden die Risiken, die mit Umweltveränderungen oder gesellschaftlichen Umbrüchen einhergehen, nur geringfügig berücksichtigt und fließen kaum in geschäftliche Überlegungen ein. Beispielsweise sieht nur gut ein Viertel der Banken einen erhöhten Kapitalbedarf aufgrund potenzieller Ausfälle bei Kunden, beispielsweise durch Naturkatastrophen.
Aus der Sicht von zeb-Geschäftsführerin Michaela Schneider ist für die Banken vor allem die zunehmende Integration von ESG-Kriterien in die Geschäftsstrategie gefragt. "Für alle Geschäftsbereiche ist es notwendig, sich mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen, im Privatkunden-, im Firmenkunden-, als auch im Immobilienbereich", resümierte sie mit Blick auf die Studienergebnisse. Gefragt seien darüber hinaus ein Ausbau der Datengrundlage sowie der Aufbau von Kontrollmodellen, um Ergebnisse im Bereich der Nachhaltigkeit auch messbar zu machen.
tpo/phs

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