Schwieriges Umfeld 17.04.2024 22:24:00

Branchenherausforderungen und Überlebenskampf: Fisker-Krise wirft Fragen bei Rivian-Investition auf

Branchenherausforderungen und Überlebenskampf: Fisker-Krise wirft Fragen bei Rivian-Investition auf

• Herausforderndes Umfeld für E-Autobauer
• Fisker in der Krise
• Sollten Anleger ihr Rivian-Investment besser auch aufgeben?


Nachfrage am EV-Markt lässt nach

Der Blick auf die Aktien von Elektroautobauern kann bei Anlegern derzeit durchaus für lange Gesichter sorgen. Die BYD-Aktie liegt in Hongkong seit Jahresbeginn etwa 4,38 Prozent im Minus, die Tesla-Aktie hat in diesem Jahr an der NASDAQ bereits über 35 Prozent an Wert verloren, die Rivian-Aktie ist um 64 Prozent gefallen und die Titel des kriselnden E-Autobauers Fisker sind um rund 97 Prozent abgestürzt (Stand: 15.04.2024).

Die Kombination aus hohen Zinsen, Herausforderungen bei der Ladeinfrastruktur und dem Mangel an erschwinglichen E-Autos drücken auf die Nachfrage. Das macht sich auch in den Auslieferungszahlen der Elektroautobauer bemerkbar. So verkaufte BYD laut CnEVPost im ersten Quartal dieses Jahres 626.263 NEV. Das bedeutet zwar eine Steigerung um 13,44 Prozent gegenüber dem Vorjahrszeitraum, im Vergleich zum vorangegangenen Quartal jedoch einen Rückgang um 33,7 Prozent. Die Anzahl reiner E-Autos belief sich auf 300.114 Fahrzeuge. NIO verkaufte in Q1 30.053 und Li Auto 80.400 E-Autos. Beide Unternehmen hatten zuvor ihre Auslieferungsprognosen gesenkt und konnten die reduzierten Schätzungen mit ihren erzielten Ergebnissen erfüllen. Daneben lieferte XPeng im abgelaufenen Jahresviertel 21.821 smarte Elektrofahrzeuge aus. Tesla konnte in den ersten drei Monaten des neuen Jahres 386.810 Autos ausliefern, nach fast 423.000 im Vorjahreszeitraum. Damit blieb der Musk-Konzern hinter den zuvor bereits reduzierten Erwartungen der Analysten zurück.

Fisker in der Krise

Ein Unternehmen, das unter der hohen Inflation, den gestiegenen Zinsen, dem harten Wettbewerb und der schwächelnden Nachfrage auf dem E-Automarkt leidet und in finanzielle Schieflage geraten ist, ist der US-Elektroautobauer Fisker. Anfang März gab das Unternehmen eine "Going concern"-Warnung aus, in der Fisker Investoren darüber informierte, dass es erhebliche Zweifel am weiteren Fortbestehen des Unternehmens gebe. Gespräche mit einem großen Autobauer über eine gemeinsame Produktion, von denen Fisker zwischenzeitlich berichtet hatte, scheiterten wenig später. Die Fisker-Aktie rauschte ab und wurde zeitweise vom Handel ausgesetzt. Aufgrund des Wertverfalls leitete die NYSE schließlich das Delisting ein. Inzwischen sind die Papiere nur noch außerbörslich handelbar.

Anfang des Monats berichtete MarketWatch dann mit Verweis auf eine SEC-Einreichung des Unternehmens, dass Fisker seinen Finanzausblick für 2024 zurückgezogen habe. Das Unternehmen erwäge verschiedene "strategische Alternativen", die Umstrukturierungen, Schulden- oder Kapitalerhöhungen, Schuldenrefinanzierungen, Verkäufe von Vermögenswerten und andere Optionen umfassen könnten.

Kürzlich wurde dann bekannt, dass die Käufer für Fisker suche.

Zeit Rivian aufzugeben?

Sollten sich Anleger nun auch besser von ihren Rivian-Aktien trennen? Zwar handelt es sich bei beiden Autobauern um reine EV-Unternehmen, doch es gibt einige gravierende Unterschiede.

So konnte Rivian im vergangenen Jahr 57.232 Fahrzeuge produzieren, damit seine ursprüngliche Produktionsprognose übertreffen, sowie 50.122 Fahrzeuge ausliefern. Derweil hat Fisker 2023 nur 10.142 Ocean-Fahrzeuge produziert und nicht einmal die Hälfte dieser Fahrzeuge ausgeliefert.
Wie aus einer Pressemitteilung von Rivian hervorgeht, produzierte das Unternehmen im ersten Quartal dieses Jahres 13.980 Fahrzeuge in seiner Produktionsstätte in Normal, Illinois. Im gleichen Zeitraum wurden 13.588 Fahrzeuge ausgeliefert. Das entspricht einer Steigerung zum Vorjahreszeitraum, in dem 9.395 Fahrzeuge hergestellt und 7.946 Fahrzeuge ausgeliefert wurden. Zudem bekräftigte das Management seine Produktionsprognose von insgesamt 57.000 Fahrzeugen für das Gesamtjahr 2024.

Rivian verfüge des Weiteren über 9,4 Milliarden US-Dollar an Barmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten und eine Gesamtliquidität von 10,5 Milliarden US-Dollar. Fisker erklärte hingegen kürzlich in einem behördlichen Antrag, dass das Unternehmen zum 15. März nur über 121 Millionen US-Dollar an Bargeld und Zahlungsmitteläquivalenten verfügt habe - hinzu kämen Verbindlichkeiten in Höhe von bis zu 182 Million US-Dollar.

Daneben sei laut The Motley Fool zu beachten, dass sich Rivian trotz des herausfordernden Umfelds in die richtige Richtung bewege. Das Unternehmen setze sein Kostentransformationsprogramm fort, das zu erheblichen Reduzierungen der Gesamtstückkosten für seine R1-Fahrzeuge sowie seine elektrischen Lieferwagen (EDVs) geführt habe, so die Nachrichtenseite. Zwar schreibe Rivian immer noch große Verluste - der Nettoverlust belief sich im Jahr 2023 auf 5,4 Milliarden US-Dollar - doch sei eine Verbesserung zu erkennen. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch rund 6,8 Milliarden US-Dollar Miese gemacht.

Das Management werde außerdem den Produktionsstart für Rivians R2 beschleunigen, indem es das Fahrzeug in seine ursprüngliche Fabrik bringe, anstatt auf die Fertigstellung des Werks in Georgia zu warten. So sollen überschüssige Kapazitäten dort gefüllt und rund 2,25 Milliarden US-Dollar an Kosten eingespart werden.

Wie The Motley Fool weiter berichtet, sollte Rivian also über ausreichend Liquidität verfügen und auch die Möglichkeit haben, mehr Kapital zu beschaffen, um einen Abschwung zu überstehen. Ende 2024 könnte das Unternehmen bereits einen positiven Bruttogewinn erzielen. Daher sei es trotz der Sorgen von Fisker und des herausfordernden Jahres noch nicht an der Zeit, Rivian aufzugeben.

Redaktion finanzen.at

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