BIP gesunken 30.01.2024 11:31:00

Deutsche Wirtschaft im vierten Quartal um 0,3 Prozent geschrumpft

Deutsche Wirtschaft im vierten Quartal um 0,3 Prozent geschrumpft

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent, nachdem es im dritten Quartal stagniert hatte. Das entsprach der von Destatis abgegebenen informellen Schätzung und der Prognose der von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte. Das Niveau des Vorjahresquartals unterschritt das BIP ebenfalls wie zuvor geschätzt um 0,2 Prozent. Nach Angaben der Statistiker waren die Investitionen in Bauten und Ausrüstungen deutlich niedriger als im Vorquartal.

Ökonomen-Stimmen zum Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung Ende 2023

Die deutsche Wirtschaft geht ohne Rückenwind ins laufende Jahr. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im vierten Quartal 2023 gegenüber dem Vorquartal preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden anhand vorläufiger Daten mitteilte. Volkswirte rechnen auch 2024 mit einem schwierigen Jahr.

Die Einschätzung von Ökonomen im Überblick:

Jörg Krämer, Chefvolkswirt Commerzbank

"Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal um 0,3 Prozent gegenüber dem dritten Quartal ist kein Ausreißer. Die bis zuletzt gefallene Industrieproduktion und das niedrige Niveau des Ifo-Geschäftsklimas sprechen dafür, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal ebenfalls schrumpft. Der private Verbrauch, auf den die Optimisten setzen, hat bis zuletzt enttäuscht. Die Unternehmen und Konsumenten haben einfach zu viel zu verkraften, wenn man an das neue Zinsregime, die Inflationssorgen, die Erosion der Standortqualität und den nachlassenden Rückenwind aus China denkt. Nach einem Ende der Rezession ist kein kräftiger Aufschwung in Sicht."

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank

"Wichtige Konjunkturvorlaufindikatoren legen nahe, dass keine unmittelbare konjunkturelle Trendwende bevorsteht. Vielmehr ist zu erwarten, dass sich die deutsche Wirtschaft auch in den kommenden Quartalen zwischen Rezession und Stagnation bewegen wird. Doch bei allen negativen Nachrichten gibt es dennoch eine erfreuliche Entwicklung: Der Teuerungsdruck lässt spürbar nach."

Carsten Brzeski, Chefvolkswirt ING Bank

"Der anhaltende starke Rückgang der Auftragseingänge im Bausektor verheißt nichts Gutes. Erschwerend kam hinzu, dass das neue Jahr neue Probleme für die deutsche Wirtschaft mit sich brachte: Streiks von Lokführern und Unterbrechungen der Lieferketten infolge des militärischen Konflikts im Roten Meer. Dies mach ein Schrumpfen der deutschen Wirtschaft im ersten Quartal des Jahres noch wahrscheinlicher."

Andreas Scheuerle, Analyst bei der Dekabank

"Erwartungsgemäß sank das BIP. Die Investitionstätigkeit gab spürbar nach. Hierbei spielte die restriktive Geldpolitik neben der geopolitischen Unsicherheit eine entscheidende Rolle. Für das erste Quartal 2024 ist angesichts der Folgen der Haushaltskrise, der Streiks und Proteste sowie der Huthi-Attacken mit einer weiteren Schrumpfung des BIPs zu rechnen. Damit befände sich Deutschland in einer technischen Rezession. 2024 wird damit eine weiteres verlorenes Jahr ohne Wachstum werden."

Greg Fuzesi, Analyst JPMorgan

"Zum jetzigen Zeitpunkt werden keine Details veröffentlicht, aber das Statistikamt wies in seiner Pressemitteilung darauf hin, dass die Investitionen in Bau, Ausrüstung und Maschinen im 4. Quartal 2023 deutlich niedriger ausfielen. Der Rückgang im Baugewerbe wurde wahrscheinlich durch das Wetter beeinflusst, während der Rückgang bei Ausrüstung und Maschinen schwieriger einzuschätzen ist. Dies könnte natürlich mit der Schwäche der breiteren Unternehmensumfragen zusammenhängen."

Jens-Oliver Niklasch, Analyst Landesbank Baden-Württemberg

"Die globale Großwetterlage ist eingetrübt, wenn auch angesichts der robusten US-Konjunktur etwas besser als vor kurzem noch von uns vermutet. Damit scheint für 2024 in Deutschland alles von den privaten Verbrauchern abzuhängen. Wenn sich nun die Lage am Arbeitsmarkt verschlechtert, wie man hier und da lesen kann, dürfte das aber auch eher schwierig werden. Deutschland geht konjunkturell bedenklichen Zeiten entgegen."

Dow Jones und dpa-AFX

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