02.10.2024 11:32:00
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Nähe zur EU zieht Auslandsfirmen an den Westbalkan
Das geht aus einer Studie des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) in Zusammenarbeit mit den Handelskammern der Westbalkanstaaten hervor. Das so genannte "Nearshoring" findet vor allem in Bosnien-Herzegowina, Kosovo und Nordmazedonien statt, wo die Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen zwischen 2020 und 2023 deutlich über dem langfristigen Durchschnitt lagen. Bei Nearshoring geht es um die Verlagerung oder den Aufbau von Produktionsstätten in der EU oder nahe gelegenen Regionen, um näher an den europäischen Absatzmärkten zu sein.
Eine Befragung von 65 ausländischen Firmen, die im Westbalkan investiert haben, ergab, dass die günstige geografische Lage, qualifizierte Arbeitskräfte und niedrige Löhne die Hauptgründe für ihre Investitionen sind. Allerdings wurden schlechte Regierungsführung, Korruption, mangelnde Rechtsstaatlichkeit, schwache Institutionen und unzureichende Infrastruktur als negative Faktoren genannt. Trotz dieser Herausforderungen waren 72 Prozent der Unternehmen mit ihrer Entscheidung zufrieden.
Ein weiterer Schwerpunkt der Studie lag auf der Anziehung von Investitionen in grüne Technologien und erneuerbare Energien. Große Projekte in diesem Bereich sind in Albanien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien zu verzeichnen. Zwei Drittel der befragten ausländischen Unternehmen sehen den Westbalkan als attraktiven Standort für grüne Investitionen, wobei viele von ihnen ihre Investitionen erhöhen würden, wenn es Fortschritte bei der Dekarbonisierung gäbe.
Eine Umfrage unter 382 lokalen Unternehmen zeigte, dass zwei Drittel der Firmen mit Strategien zur CO2-Reduktion vertraut sind und dies als wirtschaftliche Chance betrachten, die ihre Exportchancen in die EU verbessern könnte. Allerdings sind sich die Unternehmen einig, dass finanzielle Unterstützung notwendig ist, um diese Ziele zu erreichen. "Wenn es lokalen Zulieferern gelingt, bei der Ökologisierung Fortschritte zu machen, bietet ihnen das aus unserer Sicht große Chancen, sich in internationale Lieferketten einzuklinken und so zu wachsen", sagte Branimir Jovanović, Ökonom am wiiw.
Jovanović betont, dass die Regierungen der Westbalkanstaaten einheimische Firmen bei der grünen Transformation unterstützen und die Zusammenarbeit mit ausländischen Unternehmen vertiefen sollten. Besonders österreichische Firmen, die bei Umwelttechnologien stark sind, könnten dabei eine wichtige Rolle spielen.
prtf/bel/ivn
ISIN WEB http://www.wiiw.ac.at/

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