Nicht das Gleiche 10.04.2024 06:28:00

So unterscheiden sich klimaneutrale Geldanlagen von nachhaltigen Geldanlagen

So unterscheiden sich klimaneutrale Geldanlagen von nachhaltigen Geldanlagen

• Anleger setzen verstärkt auf Nachhaltigkeit
• Klimaneutralität ist nur ein rechnerisches Ergebnis
• Auf eigene emissionsvermeidende Maßnahmen kommt es an


Viele Investoren achten inzwischen nicht nur auf Rendite, sondern wollen die Welt auch ein Stück weit besser machen. Und da Geld auch Macht bedeutet, können sie Einfluss auf Entscheidungen der Unternehmensführung ausüben, indem sie sich für nachhaltige Investitionen entscheiden. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass klimaneutrale Unternehmen nicht automatisch auch nachhaltig sein müssen.

EU fordert Klimaneutralität

Im Juni 2021 hat das EU-Parlament ein neues Klimagesetz verabschiedet, welches die Klimaneutralität für 2050 rechtsverbindlich macht. Dabei definiert die Europäische Union Klimaneutralität als Gleichgewicht zwischen den ausgestoßenen Kohlenstoffemissionen und einer Aufnahme dessen aus der Atmosphäre durch Kohlenstoffsenken.

Um klimaneutral zu werden müssen Unternehmen also zum einen ihren Ausstoß an Kohlenstoffdioxid (CO2) reduzieren und zum anderen die verbliebenen Emissionen - denn schließlich kann kein Produkt und keine Dienstleistung ohne den Einsatz von Emissionen produziert werden - durch die Schaffung von Kohlenstoffsenken - wie beispielsweise Wälder oder Moore - die das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid speichern, kompensieren. Eine solche Kompensation erfolgt in der Regel dadurch, dass das Unternehmen sogenannte Emissionszertifikate kauft. Mit diesem Geld werden dann klimafreundliche Projekte an anderer Stelle finanziert.

Emissionsausgleich ist nicht zwangsläufig nachhaltig

Das Ausgleichen von Emissionen ist jedoch nicht unbedingt nachhaltig. Vielmehr müsste nämlich tatsächlich versucht werden, wirklich sämtliche vermeidbare Emissionen abzuschaffen. Wird jedoch der Vermeidungsansatz nicht ernsthaft verfolgt, so ist die Kompensation von Emissionen lediglich Greenwashing oder wie auch oftmals bemängelt lediglich eine Form des Ablasshandels: Durch das Ausgleichen von Emissionen "kaufen" sich Unternehmen quasi von ihren Umweltsünden frei.

Darüber hinaus kann es auch passieren, dass die Kompensationsmaßnahmen nicht funktionieren. So kann beispielsweise das Aufforsten von Mooren oder Wäldern schiefgehen. Oder womöglich haben Ausgleichsmaßnahmen in Regionen des globalen Südens überhaupt keinen Nutzen für die betroffenen Menschen. Die bekannte Klimaaktivistin Greta Thunberg tat deshalb solche Ausgleichszahlungen auf Twitter als "Klimakompensations-Bluff" ab, der in den meisten Fällen mehr schade als nütze.

Auch die Deutschen Umwelthilfe sieht es kritisch, wenn sich Unternehmen für die Kompensation klimaschädlicher Gase entscheiden, weil es billiger ist als die eigenen Prozesse umzustellen - wie beispielsweise ein biologischer Anbau der Rohstoffe oder der Einsatz moderner, energieeffizienter Techniken. So warnt die Umwelthilfe, dass solche Kompensationen den Anreiz für Innovationen nähmen und stattdessen eine klimaschädliche Lebens- und Wirtschaftsweise zementieren würden.

Außerdem werden durch die Konzentration auf CO2 zahlreiche andere umweltschädliche Aspekte ausgeklammert. So kritisierte etwa die Greenwashing-Expertin Kathrin Hartmann in einem Interview mit der "Wirtschaftswoche": "CO2-Kompensationen eignen sich wunderbar für allerlei Rechenspiele auf dem Papier, ohne dass de facto der Ausstoß gesenkt wird. Wir haben aber eine ganze Vielzahl von Umweltschädigungen: das geht beim Artenverlust los, über die Verschlechterung des Grundwassers bis hin zu Feinstaub und Glyphosat. Durch die Konzentration auf CO2 fällt das andere alles hinten runter. Alle können so weitermachen wie bisher und die Konsumenten können sich gut fühlen, weil sie scheinbar etwas getan haben für das Klima."

Natürlich ist es positiv zu sehen, wenn entstandene CO2-Emissionen ausgeglichen werden, doch noch besser wäre es, wenn die kompensierten Emissionen soweit als möglich erst gar nicht verursacht und ein ganzheitlich nachhaltiger Ansatz verfolgt würde.

Redaktion finanzen.at

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Bildquelle: Brian A Jackson / Shutterstock.com,Sepp photography / Shutterstock.com,Romolo Tavani / Shutterstock
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