Offizielle Absage 11.06.2019 16:25:49

thyssenkrupp-Aktie weit im Plus: EU erteilt Tata-Fusion eine Absage

thyssenkrupp-Aktie weit im Plus: EU erteilt Tata-Fusion eine Absage

In der vorgesehenen Form "hätte der Zusammenschluss... zu einem Anstieg der Preise geführt", erklärte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Sowohl bei Verpackungsstahl als auch bei feuerverzinktem Stahl für die Autobranche wäre ein wirksamer Wettbewerb bei einem Zusammenschluss der beiden Hersteller nicht mehr gewährleistet gewesen, argumentierte die Kommission. Abnehmer hätten auch nicht auf Importprodukte zurückgreifen können, um möglicherweise drohende Preiserhöhungen zu umgehen. Deshalb habe die Kommission die Fusion von Nummer zwei und drei der europäischen Flachstahlbranche untersagt

Das Verbot kommt nicht überraschend. thyssenkrupp und Tata Steel hatten das vor fast einem Jahr besiegelte Vorhaben schon vor fast vier Wochen beerdigt, nachdem Vestager für die Freigabe ultimativ weitere Zugeständnisse verlangt hatte. Aus Sicht der Stahlkonzerne wäre dann die industrielle Logik nicht mehr gegeben gewesen.

thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff vollzog daraufhin eine völlige Kehrtwende und sagte neben der Stahlfusion auch die bereits eingeleitete Konzernteilung ab. Jetzt sollen Stahlerzeugung und der Werkstoffhandel wieder im Mittelpunkt des Essener Konzerns stehen. Um die für eine umfassende Restrukturierung nötigen finanziellen Mittel zu bekommen, soll die renditestarke Aufzugssparte an die Börse gebracht werden. Der finnische Wettbewerber Kone hat bereits sein Interesse an einer Übernahme kundgetan.

Tata Steel hingegen sucht nach einzelnen Käufern für seine verschiedenen Stahlaktivitäten in Europa. Den indischen Konzern drücken hohe Schulden. Die Branche ist von erheblichen Überkapazitäten geprägt, angesichts rückläufiger Nachfrage aus der Autobranche fielen zuletzt die Preise. Europas Marktführer ArcelorMittal, der noch im vergangenen Jahr den italienischen Wettbewerber Ilva übernommen hatte, kündigte Anfang Mai an, die Jahreserzeugung um 3 Millionen Tonnen zu verringern.

Die thyssenkrupp-Aktie liegt bereits seit dem Morgen deutlich im Plus. Nicht nur die offizielle Absage der Fusion beflügelt den Aktienkurs, auch dass China nach schwachen Handelsdaten staatliche Anreize schaffen könnte und so die Stahlnachfrage stützen könnte, treibt die Papiere an. Mittags gewannen die Anteilsscheine im XETRA-Handel 5,66 Prozent auf 12,33 Euro - zuletzt standen sie noch 4,80 Prozent höher.

FRANKFURT (Dow Jones)

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Bildquelle: thyssenkrupp AG