Aus diesen Gründen ist Jeffrey Gundlach froh über die derzeitige Lage am Bondmarkt - Mitleid mit Aktien-Investoren

• Gundlach denkt an 2016 zurück: Anleihemarkt war im "Verlies"
• Situation hat sich seit damals grundlegend geändert, Gundlach "viel glücklicher"
• Gundlach: "Jetzt kann man eine T-Bill kaufen und entspannen"


Die Entwicklung der US-Renditen gibt momentan den Takt an den Börsen vor. Nachdem die Renditen für zehnjährige Treasuries Anfang Oktober mit 4,82 Prozent den höchsten Stand seit 2007 erreicht hatten, rentieren sie aktuell nur wenig darunter. Für Anleihekönig Jeffrey Gundlach ist das ein Grund zur Freude. Er sei momentan "viel glücklicher" als noch vor einigen Jahren, sagte er laut "Financial Review" auf der Grant's Investment-Konferenz in New York.

Gundlach: Anleiheinvestoren können sich momentan entspannt zurücklehnen

Gundlach erinnerte sich im Rahmen der Konferenz an die Situation im Jahr 2016 zurück, als er als Anleiheinvestor keinen Grund zu feiern hatte. Die US-Leitzinsen lagen damals in einer Spanne von 0,25 bis 0,5 Prozent und entsprechend niedrig waren auch die Renditen, die sich über eine Investition in Anleihen erzielen ließen. So lag etwa die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen Mitte 2016 bei 1,5 Prozent. Um mit einem Anleihe-Portfolio eine jährliche Rendite von fünf Prozent zu erzielen, sei man laut Gundlach gezwungen gewesen, einen Junk-Bond-Index kaufen und ihn zusätzlich noch zu hebeln. Gleichzeitig habe man darauf hoffen müssen, dass es zu keinem Zahlungsausfall bei den Anleihe-Emittenten komme, so der DoubleLine-CEO laut "Financial Review". Der Anleihemarkt habe regelrecht in einem "Verlies" festgesessen.

Doch mittlerweile hat sich die Situation grundlegend geändert. Gab es lange Zeit keine wirkliche Alternative zu Aktien, wenn man an der Börse Geld verdienen wollte, so haben die starken Leitzinserhöhungen der US-Notenbank Fed seit Frühjahr 2022 dafür gesorgt, dass Anleihen inzwischen wieder attraktiv sind. Denn in der Folge sind auch die Anleiherenditen stark angestiegen. "Jetzt kann man eine T-Bill kaufen und entspannen", so Gundlach laut "Financial Review".

Langweilige Anleihen avancieren zum Star

Bei T-Bills, oder auch Treasury Bills, handelt es sich um US-Staatsanleihen mit einer kurzen Laufzeit von bis zu einem Jahr. Sie gehören eigentlich zu den eher langweiligen Anlagen, da sie vom US-Finanzministerium herausgegeben und durch die Kreditwürdigkeit der USA gestützt werden und somit sehr sicher sind. Da es sich nur um kurzfristige Anleihen handelt, reagieren sie außerdem weniger auf Zinsschwankungen und weisen somit nur ein geringes Zinsrisiko auf. Momentan erzielen diese "langweiligen" Wertpapiere mit einer Laufzeit von einem Jahr jedoch hohe Rendite im Bereich von 5,405 Prozent - und das nahezu ohne Risiko. Die jährliche Rendite für sechsmonatige T-Bills liegt sogar bei rund 5,565 Prozent (Stand: 13. Oktober 2023). Anleger können dort also einfach Geld parken und sich zurücklehnen - so wie es Gundlach offenbar tut.

Somit hat sich die Situation seit 2016 ins Gegenteil verkehrt und das Leben ist nun nicht mehr schwierig für Bond-Investoren, sondern für Aktienanleger. Denn durch die hohen Renditen am Bondmarkt werden die - im Vergleich zu US-Staatsanleihen - riskanteren Aktien uninteressanter. In der Folge leiten viele Anleger Geld vom Aktienmarkt in den Anleihemarkt um. Laut "Financial Times" äußerte Jeffrey Gundlach daher auch Mitleid für die "armen" Aktieninvestoren - allerdings wohl mit einer gehörigen Prise Sarkasmus. "Es ist [jetzt] aufregend, ein Anleiheinvestor zu sein. [...] In Teilen des verbrieften Marktes, in denen es keine Ausfälle geben wird, können Sie 7,5 Prozent aus variabel verzinsten Triple-A-Vermögenswerten erhalten", schwärmte der Anleiheexperte laut dem Wirtschaftsmagazin.

Ein Ende des Renditeanstiegs bei US-Anleihen erwartet der Top-Investor dabei noch nicht. "Die Rendite muss in diesem Kontext viel höher steigen", sagte er laut "Financial Review" auf der New Yorker Konferenz. Er erwarte, dass der durchschnittliche Zinssatz für US-Staatsschulden von aktuell drei Prozent noch bis auf sechs Prozent klettern werde.

Redaktion finanzen.at

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