Der überwiegende Teil der aktuellen Ökonomen-Einschätzungen zur wirtschaftlichen Einwicklung im kommenden Jahr prognostiziert einen Wachstumsabschwung in den USA und in Europa sowie eine zurückgehende Inflation. Wenngleich der Zielwert von zwei Prozent Inflation in Europa und vor allem in den USA noch nicht in Reichweite erscheint. In diesem Szenario ist das Ende des Zinszyklus vorgesehen mit sinkenden Zinsniveaus. Entsprechend ist ein solides Anleihenjahr 2024 zu erwarten. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass die Bäume in den Himmel wachsen. Es gibt zu viele geopolitische und makroökonomische Unwägbarkeiten, die für eine wechselhafte Investorenstimmung sorgen und 2024 nicht sorgenfrei erscheinen lassen.

Zumal eine Konsensmeinung selbstverständlich keine Garantie für das Eintreffen eingangs erwähnter Entwicklung darstellt - und sich schon häufiger als Kontraindikator erwiesen hat. So könnte das Bild von der Abschwächung auch ins Wanken geraten. Die für die momentane Wirtschaftssituation unüblicherweise nach wie vor festen Arbeitsmarktdaten wären ein Beleg dafür. Zwar sind die Unternehmen momentan nicht positiv gestimmt, aber auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten sehen sie bereits wieder Licht am Ende des Tunnels. Es kann demnach passieren, dass Unternehmen das höhere Zinsniveau tolerieren. Dann wären steigende Zinsen am langen Ende im Bereich des Möglichen. Insbesondere da es zu einem deutlichen Angebotsüberhang an US-Staatsanleihen kommen wird. Und falls dadurch die langfristigen Zinsen ansteigen, ist Unruhe an den Märkten vorprogrammiert.

Investoren sollten bei ihren Anlageentscheidungen diese Faktoren zumindest nicht außer Acht lassen. Generell erscheint es aber realistisch, dass Anleihen in 2024 zumindest gegenüber Aktien das Potenzial haben für eine höhere Gesamtrendite. Interessant sind Staatsanleihen aufgrund ihres aktuell hohen Carrys. Auch Unternehmensanleihen im Bereich Investment Grade gehören zu den Favoriten, obgleich ihre Kreditrisikoprämien in den vergangenen Wochen schon stark gesunken sind. Anleihen mit Laufzeiten bis fünf Jahre sind gegenüber Langläufern zu empfehlen. Bei Papieren mit längeren Laufzeiten ist Vorsicht angebracht aufgrund der Unsicherheiten bezüglich der weiteren Notenbank-Entscheidungen.

High Yield-Anleihen performten in diesem Jahr bereits sehr gut und sie gehören auch im kommenden Jahr zu den Anleihengattungen mit Potenzial für eine adäquate Rendite. Da der Markt ein ‚Soft landing‘ erwartet, ist der High Yield-Markt momentan in einem ruhigen Fahrwasser und relativ stressfrei. Nahende Refinanzierungen bei deutlich höheren Zinsen als in den letzten Jahren könnten hier die Volatilität allerdings erhöhen. Interessant für das kommende Jahr sind AT1-Anleihen, die so genannten CoCo-Bonds. Deren Rendite in Euro beträgt aktuell rund neun Prozent. Angesichts der historisch hohen Renditen in Kombination mit soliden Fundamentaldaten bezüglich Rentabilität, die bei großen europäischen Banken so hoch ist wie seit 15 Jahren nicht mehr, und Solvenz der Emittenten bieten AT1-Anleihen einen guten Risikoausgleich.

Wie bei High Yield-Anleihen und CoCo-Bonds müssen Investoren auch bei Emerging Markets-Anleihen über eine gewisse Risikoaffinität verfügen, da die Schwellenländer-Märkte historisch betrachtet die höchste Volatilität aufweisen. Für lokale Anleihen in den Schwellenländern sprechen die hohen Realrenditen und ein sich potenziell abschwächender US-Dollar. Bei den Hartwährungsanleihen der Emerging Markets ist die Kombination aus langer Duration und attraktiver Risikoaufschläge in einem Umfeld von generell sinkenden Zinsen sehr interessant – solange eine Rezession ausbleibt.

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Foto: Thomas Kirchmair © Swisscanto


 

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