Krypto-Crash 23.11.2022 23:48:00

Ein Jahr nach den Rekordständen: So ist es jetzt um Bitcoin, Ethereum & Co. bestellt

Ein Jahr nach den Rekordständen: So ist es jetzt um Bitcoin, Ethereum & Co. bestellt

• Die Auswirkungen der FTX-Insolvenz
• Binance-CEO als neue Macht der Krypto-Branche
• Regulierung könnte Vertrauen der Anleger wieder herstellen


Der Höchststand des Bitcoin bei 68.789,60 US-Dollar vom 10. November 2021 scheint Lichtjahre entfernt. Mit einem Verlust von 76 Prozent innerhalb rund eines Jahres rangiert der Bitcoin derzeit bei 16.569,04 US-Dollar (Stand 20.11.2022). Auch die nach Marktkapitalisierung zweitgrößte Kryptowährung Ethereum hat seit ihrem Allzeithoch vom 16. November 2021 bei 4.891,70 US-Dollar enorm eingebüßt und notiert derzeit mit Verlusten von knapp 76 Prozent bei 1.175,38 US-Dollar (Stand 20.11.2022).

Die Krypto-Branche, die vor einem Jahr noch eine Bewertung von 3 Billionen US-Dollar aufweisen konnte, ist insgesamt um mehr als 70 Prozent eingebrochen und besitzt laut CoinMarketCap derzeit eine Bewertung von rund 822 Milliarden US-Dollar (Stand 20.11.2022). Als die Krypto-Kurse nach ihren Höchstständen Ende letzten, Anfang dieses Jahres zurückfielen, wurde zunächst vom sogenannten "Krypto-Winter" gesprochen. Fast einstimmig wurde dieser Krypto-Winter in der Branche als Chance zur Konsolidierung bezeichnet - hier sollten sich die validen Konzepte und Unternehmen von denen ohne Zukunft trennen. "Es sind die Krypto-Winter, in denen die besten Unternehmer die besten Unternehmen aufbauen", schrieb auch der ehemalige Leiter der Krypto-Abteilung von Meta, David Marcus, im Januar auf Twitter. Es sei an der Zeit, den Fokus auf die Problemlösung zu legen und nicht darauf, neue Coins auf den Markt zu werfen.

Der Zusammenbruch der Krypto-Börse FTX: Der (vorläufig) letzte Höhepunkt einer Reihe von Crashs

Der Abwärtstrend in der Krypto-Branche wurde im Mai zunächst durch den Sturz des Terra/LUNA-Stablecoin massiv befeuert, der seine Kopplung an der US-Dollar verlor. Daraufhin setzte die erste Welle von Panikverkäufen ein, und Anleger flohen in Scharen aus Krypto-Investitionen. Das Vertrauen in die Stabilität der sogenannten Stablecoins war gebrochen und riss die gesamte Krypto-Branche mit sich. Neben den Krypto-Lending-Diensten Celsius und Babel kam auch der Krypto-Hedge-Fonds Three Arrows Capital (3AC) zu Fall.

Anfang November strauchelte nun auch der vermeintliche Retter der Krypto-Branche, Sam Bankman-Fried. Im August verkündete der FTX-CEO noch, die Branche konsolidieren zu wollen und annähernd eine Milliarde US-Dollar für Rettungsaktionen zur Verfügung zu stellen. Es sei langfristig für niemanden gut, wenn es in der Krypto-Branche zu Ausfällen käme. Unter anderem kaufte er persönlich Anteile von Robinhood. Bankman-Fried betonte stets, FTX sei besser aufgestellt als die Konkurrenz, da die Krypto-Börse die Strategie verfolge, die Allgemeinkosten gering zu halten, keine Kredite zu geben und über große Bargeldreserven zu verfügen.

Anfang November gab Binance-CEO Changpeng Zhao via Twitter bekannt, er wolle seine restlichen FTT-Token verkaufen, und in einem Bericht von Coindesk wurde aufgedeckt, dass die offizielle Aufteilung des Krypto-Imperiums von Sam Bankman-Fried in zwei separate Unternehmen (FTX und Alameda Research) in der Bilanz von Alameda verschwimme, da diese überproportionale Werte der von FTX ausgegebenen Währung ausweise. Daraufhin setzte eine Panikwelle unter den FTT-Haltern ein, die Abhebungen in Höhe von fünf Milliarden US-Dollar zur Folge hatte. Da FTX eine solche Summe nicht decken konnte, suchte das Unternehmen Hilfe bei Binance. Meldungen über eine unverbindliche Vereinbarung beruhigten die Gemüter nur kurzzeitig, denn der als CZ bekannte Chengpeng Zhao kündigte die Vereinbarung nur unwesentlich später auf. Daraufhin meldete FTX Insolvenz an und Sam Bankman-Fried trat als CEO zurück. Er versicherte zuvor, die Einlagen der amerikanischen Anleger seien sicher und nahm mit den Worten "I fucked up" die Schuld auf sich.

Auch Visa erklärte die erst im Oktober dieses Jahres geschlossene Partnerschaft mit FTX zur Entwicklung einer globalen Krypto-Kreditkarte für beendet. Gegenüber Reuters bestätigte ein Unternehmenssprecher: "Wir haben unsere globalen Vereinbarungen mit FTX gekündigt und das Kreditkartenprogramm in den USA wird abgewickelt", man beobachte die weitere Entwicklung genau.

So mächtig wie nie: Lektionen von Binance-CEO CZ

Der Binance-CEO Changpeng Zhao hat bereits an mehreren Stellen versucht klarzustellen, dass Binance zu keiner Zeit die Pleite von FTX beabsichtigt habe. Die Rettung des Konkurrenten liege für Binance allerdings "außerhalb unserer Kontrolle und unserer Fähigkeit […] zu helfen", wird er zitiert. Der auf Regulierung der Branche drängende CZ wird nun als "neue Macht der Kryptobranche" bezeichnet (Handelsblatt), die Süddeutsche titelt sogar "Der Mann, der der Krypto-Börse FTX den Todesstoß versetzte".

CZ verkündete zuletzt via Twitter, einen Fonds einzurichten, der in eine Liquiditätskrise geratenen Krypto-Projekten helfen solle, wenn sie ansonsten gut aufgestellt sind. Dies solle die Auswirkungen der FTX-Insolvenz eindämmen. Des Weiteren gab der Binance-Chef in seinen Tweets Krypto-Unternehmen zwei Lektionen mit auf den Weg, die Binance stets beherzigt habe: Erstens dürfe man nie seine eigenen Token als Sicherheit für das eigene Unternehmen einsetzen. Zweitens benötige jedes Krypto-Unternehmen Liquidität - er rät von Krediten sowie Investitionen des freien Kapitals ab.

Auch der Gründer und MicroStrategy-CEO Michael Saylor drängt nun auf eine Regulierung der Krypto-Branche. Saylor sagte in der CNBC-Sendung "Squawk on the Street": "Die Branche muss erwachsen werden, und die Regulierungsbehörden kommen in diesen Bereich. Die Zukunft der Branche liegt in registrierten digitalen Vermögenswerten, die an regulierten Börsen gehandelt werden, wo jeder den Anlegerschutz hat, den er braucht." Er spreche damit für alle Bitcoiner, die in einer "dysfunktionalen Beziehung zu Kryptowährungen" gefangen seien und einen Ausweg suchten.

Blick in die Zukunft: Regulierung kann Vertrauen schaffen

Der oft als Blutbad bezeichnete Kursverfall der Kryptowährungen 2022 zeigte eine Vielzahl von Schwachstellen innerhalb der Krypto-Branche auf, die es zu beheben gilt. Die Häufung der Insolvenzen und die Verluste der Anleger haben offenbart, was fehlende Regulierung für den Anlegerschutz bedeutet.

Der regelrechte Hype, der die Krypto-Branche im letzten Jahr beflügelte, ist abgeflaut: "Im Nachhinein betrachtet waren die Aufregung und die Preise der Vermögenswerte eindeutig zu hoch und wurden weit über dem fundamentalen Wert gehandelt", konstatiert Katie Talati, Leiterin der Forschungsabteilung bei Arca, gegenüber CNBC. Der rapide Abschwung lasse zahlreiche Anleger an ein Ende der Kryptowährungen glauben.

Das Bild der Transparenz von Kryptowährungen hat Risse bekommen. Die Prämisse, es würden keine zentralen Institutionen benötigt, wenn man digitale Hauptbücher habe, scheint in der Krypto-Branche nicht mehr der Wahrheit letzter Schluss zu sein. Digitale Vermögenswerte konnten ihr scheinbares Versprechen, eine Absicherung gegen Inflation darzustellen, nicht halten und haben sich als weithin spekulative Anlage erwiesen. Es gilt nun das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. "Es ist eine Frage, ob es in dieser Branche in diesem Stadium des Spiels überhaupt Vertrauen geben kann", gab der Gründer des Fintechs Launchpad Capital, Ryan Gilbert, gegenüber CNBC zu bedenken. "Das Konzept des Vertrauens ist in weiten Teilen genauso bankrott wie einige dieser Unternehmen".

Redaktion finanzen.at

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