Fed-Chef Powell schießt gegen Bitcoin: "Nicht wirklich nützlich als Wertaufbewahrung" | 06.04.21 | finanzen.at
Keine Dollar-Alternative 06.04.2021 22:27:00

Fed-Chef Powell schießt gegen Bitcoin: "Nicht wirklich nützlich als Wertaufbewahrung"

Fed-Chef Powell schießt gegen Bitcoin: "Nicht wirklich nützlich als Wertaufbewahrung"

• Fed-Chef warnt vor Risiken von Bitcoin
• Powell: Bitcoin kein Ersatz für den Dollar, sondern eher für Gold
• Digitales Zentralbankgeld wird erforscht, aber keine Eile


Während die Liebe der Anleger zum Bitcoin aktuell offenbar keine Grenzen kennt und die Kryptowährung in immer neue Höhen steigt, werden in der US-Politik einmal mehr Stimmen laut, die vor den Gefahren des digitalen Geldes warnen. Nachdem jüngst US-Finanzministerin Janet Yellen den Bitcoin als "hochspekulativen Vermögenswert" und "extrem volatil" bezeichnete, äußerte sich nun auch Jerome Powell, ihr Nachfolger an der Spitze der US-Zentralbank, skeptisch gegenüber dem Cybergeld. Für ihn sind Bitcoin und Co. rein spekulative Anlagen, die mit einer richtigen Währung wenig gemeinsam haben.

Powell: Darum taugen Bitcoin und Co. nicht als Geldersatz

Bei einer virtuellen Konferenz, die von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) im März organisiert wurde, machte Powell laut dem Nachrichtensender "Al Jazeera" deutlich, dass er Kryptowährungen lieber als "Krypto-Assets" bezeichnen würde, da ihre große Volatilität ihre Fähigkeit zur Wertaufbewahrung untergrabe, die aber eine der Grundfunktionen einer Währung sei. "Krypto-Anlagen sind hoch volatil - siehe Bitcoin - und daher nicht wirklich nützlich als Wertaufbewahrung", wird der Fed-Chef von "MarketWatch" zitiert. Es handele sich bei Kryptos daher "eher um ein spekulatives Asset, das im Grunde eher ein Ersatz für Gold ist als für den Dollar", so Powell weiter.

Tatsächlich lassen sich wilde Preisschwankungen und eine gewissen Instabilität beim Bitcoin nicht leugnen. Ende März bewegte sich die größte Kryptowährung im Bereich von 59.000 US-Dollar und hat damit seit Jahresbeginn, als ein Bitcoin noch nur rund 29.000 US-Dollar kostete, rund 100 Prozent an Wert gewonnen. Zwischenzeitlich stieg die Digitalwährung Mitte März sogar auf ein Allzeithoch von mehr als 61.000 US-Dollar - nur um wenige Tage später zeitweise wieder bis auf gut 53.000 US-Dollar abzusacken.

Durch diese heftigen Preisschwankungen disqualifizieren sich digitale Devisen wie Bitcoin in Powells Augen als Alternative zu herkömmlichem Geld. Das zeige sich laut dem Fed-Chef auch daran, dass Bitcoin & Co. aufgrund ihrer Volatilität im Bereich der Zahlungen nicht besonders genutzt werden. "Die Öffentlichkeit muss die Risiken [von Krypto-Assets] verstehen", warnte Powell in diesem Zusammenhang eindringlich. "Die grundsätzliche Sache ist, dass es die Volatilität gibt. Außerdem sind da noch die übergroßen Energieanforderungen beim Mining und die Tatsache, dass sie durch nichts gedeckt sind", so der Chef der Federal Reserve.

Stablecoins für Powell nur wenig besser

Auch Stablecoins, deren Wert an ein anderes Asset wie etwa eine nationale Währung oder einen Währungskorb gekoppelt ist, stellt Powell kein sehr gutes Zeugnis aus. Laut "Business Insider" bezeichnete er diese auf der BIZ-Konferenz zwar als "Verbesserung" gegenüber den anderen Kryptowährungen und sagte, dass sie bei der Digitalisierung des Dollars "eine Rolle spielen könnten", gleichzeitig gab er sich aber skeptisch, dass sie die Basis für ein globales Geldsystem bilden werden. "Stablecoins könnten mit angemessenen Regulierungen eine Rolle spielen, aber diese Rolle wird nicht sein, die Grundlage für ein neues globales Geldsystem zu bilden. Sie werden kein Ersatz für ein solides Geldsystem sein, das seine Basis im Zentralbankgeld hat", zitiert "Newsweek" den Fed-Vorsitzenden.

US-Notenbank hat bei eigener Digitalwährung keine Eile

Mit der Schaffung einer eigenen digitalen Währung will sich die Federal Reserve jedoch Zeit lassen. "Weil wir die führende Weltreservewährung haben, müssen wir bei diesem Projekt nichts überstürzen", so Powell. Erste Untersuchungen zum Potenzial von digitalem Zentralbankgeld laufen laut "CNBC" jedoch bereits. So startete etwa im August 2020 eine gemeinsame Studie der Boston Fed mit dem MIT, die zu einem besseren Verständnis von digitalen Währungen führen soll. Dabei konzentriert sich die Studie, die voraussichtlich zwei bis drei Jahre dauern wird, allerdings auf hypothetische Fakten anstatt auf eine tatsächliche Implementierung von Kryptogeld durch die Zentralbank.

"Sie können von uns erwarten, dass wir mit großer Vorsicht und Transparenz vorgehen im Hinblick auf die Entwicklung einer zentralbankgestützten digitalen Währung", sagte Powell daher auch laut "CNBC". Er wies außerdem darauf hin, dass eine digitale Zentralbankwährung auf ihrem weiteren Weg letztendlich eine Absegnung durch den Kongress und die Regierung sowie durch weite Teile der Öffentlichkeit benötige - und hier stehe man momentan noch ganz am Anfang.

Redaktion finanzen.at

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