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08.11.2019 15:13:10

Festtage an der Börse

Mit dem nahenden Ende des aktuellen Börsenjahrs steigt bei Marktteilnehmern die Hoffnung auf eine Jahresendrally. Trotz wirtschaftspolitischer Krisenherde stehen die Chancen dafür gut.

Ist es bald soweit? Als der deutsche Leitindex DAX an diesem Donnerstag auf 13.289 Punkte kletterte und damit ein neues Jahreshoch erreichte, dürfte das vielen Marktteilnehmern Hoffnung auf eine nahende Jahresendrally gemacht haben. Tatsächlich haben sich die Kurse schon im September und Oktober positiv entwickelt. Und das, obwohl das aktuelle Börsenjahr von wirtschaftspolitischen Unsicherheiten in aller Welt geprägt war: allen voran der Handelsstreit zwischen den USA und China, der das globale Wachstum mit rund 1 bis 1,5 Prozent belastet, wie Zahlen von HSBC belegen. Auch der ungeklärte Brexit sorgt für Unruhe. Seit dem Spätsommer mehren sich die Stimmen, dass die Weltwirtschaft auf eine Rezession zusteuere.

Mit Blick auf Deutschland mögen die Rezessionsängste berechtigt sein. Mehrere Entwicklungen sprechen jedoch dafür, dass weltweit eine Jahresendrally am Aktienmarkt wahrscheinlicher ist als ein Kurseinbruch. Denn im Streit zwischen den Großmächten USA und China könnte es zu einer ersten Versöhnung kommen: Derzeit arbeiten die Länder ein Handelsabkommen aus. Und auch der Brexit wirkt weniger bedrohlich, nachdem sich der britische Premier Boris Johnson auf einen Kompromiss mit der Europäischen Union (EU) eingelassen hat. Das könnte Anleger optimistisch auf das Jahresende blicken lassen, meint Mark Dowding, Partner des Londoner Asset Managers Bluebay. Anleger hätten sich in letzter Zeit vorsichtig positioniert. „Sollten sie jetzt wieder Geld anlegen, könnte eine Rally die Hürde der Angst überwinden.“

Maßgeblichen Einfluss auf die aktuelle und künftige Börsenentwicklung haben die Notenbanken. So beschreibt Andreas Schyra, Vorstandsmitglied der Privaten Vermögensverwaltung AG, die Zentralbanken als „Zünglein an der Waage“: Zinssenkungen, zunehmende Wertpapierankäufe und Liquiditätsspritzen seitens der US-amerikanischen Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) wirkten sich positiv auf die Börsen aus. Der ehemalige EZB-Chef Mario Draghi hatte vor dem Ende seiner Amtszeit noch einmal bekanntgegeben, dass der Leitzins auf dem historischen Tief von null Prozent bleibe, und auch die Fed hat in diesem Jahr schon zwei Mal die Zinsen gesenkt – und wird es womöglich wieder tun.

Dennoch ist diese Entwicklung nicht nur Grund zur Freude. Denn sie zeigt auch, dass „anscheinend nicht einmal der Geldmarkt in den USA ohne Intervention der Fed funktionsfähig ist“, warnt Ivan Mlinaric, Geschäftsführer des Düsseldorfer Vermögensverwalters Quant Capital Management. Das sei ein kritisches Zeichen für den aktuellen Zustand der Kapitalmärkte. Auch deshalb, weil sich verschiedene Anlageklassen derzeit immer stärker in die gleiche Richtung bewegen. „Wo alle Assets gleichzeitig steigen, da können auch alle Assets gleichzeitig fallen“, sagt Mlinaric.

Verbraucher sind weiterhin in Konsumlaune

Gegen einen Kurseinbruch spricht jedoch die Stimmung in der Bevölkerung. Die privaten Haushalte und Verbraucher weltweit zeigten sich „völlig unberührt“ von derzeitigen Krisenherden, beobachtet Axel Crohn, leitender Investmentmanager bei HSBC Global Asset Management Deutschland. „Die Sparquote in den USA liegt mittlerweile bei ungewöhnlich hohen acht Prozent“, sagt er und verweist darauf, dass die Löhne dort stärker gestiegen sind als erwartet. Auch der weltweite Konsum werde bisher nicht von den rückläufigen Unternehmensgewinnen beeinträchtigt. Und dass der Konsum gegen Ende des Jahres einbricht, ist wegen der nahenden Festtage wenig wahrscheinlich.

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