06.05.2020 10:15:00

Neun Antworten zu Robos und Fintech: Das steckt hinter den Anglizismen

Längst hat der digitale Wandel die Finanzindustrie erfasst. Immer öfter werden Investoren mit Anglizismen wie Robo-Advisory oder Insurtech konfrontiert. Was Berater wissen müssen.

Zwar wird erst jeder tausendste Euro hierzulande digital verwaltet, doch drängen ständig neue Anbieter auf den Markt, die sich Fintechs oder Insurtechs nennen. Die Technologie dahinter wird immer ausgefeilter, und die neue Finanzwelt wirft viele Fragen auf. Diese neun Antworten sollten Finanzprofis kennen.

Was hat es mit Fintech auf sich?

Der Begriff "Fintech" setzt sich aus den Anfangssilben von "Finanzdienstleistungen" und "Technologie" zusammen. Damit wird in der Regel eine Branche bezeichnet, in der herkömmliches Banking durch Technologie verändert wird. Auch die Unternehmen, die das tun, bezeichnet man als Fintechs. In Teilbereichen fangen Fintechs an, bestimmte Dienstleistungen von Banken in die digitale Welt zu übertragen. Sie jagen der etablierten Finanzwelt damit Kunden ab. Umgekehrt gründen viele Banken aber auch eigene Fintech-Sparten oder übernehmen Start-ups, die ihnen lästig geworden sind.

In letzter Zeit stößt man immer öfter auf den Begriff "Insurtech". Was steckt dahinter?

Analog zu Fintech ist der Begriff zusammengesetzt aus "insure" (englisch für versichern) und "technology". Als Insurtechs werden also Technologieunternehmen bezeichnet, die sich auf Dienstleistungen im Bereich der Versicherungswirtschaft spezialisiert haben.

Was ist ein Robo-Advisor?

Hinter dem Begriff, der ein bisschen nach Science-Fiction klingt, versteckt sich, vereinfacht ausgedrückt, nichts anderes als die Idee, Geld ohne das Zutun von Menschen anzulegen und zu verwalten. Die ersten Anbieter kamen in den Jahren 2012/13 auf den Markt, als Indexfonds, kurz ETFs, hinreichend bekannt waren. Ohne den Erfolg dieser Fonds, die stur und computergestützt einen Index nachbilden und daher entsprechend günstig sind, wäre der Robo-Advisor undenkbar. Ziel ist es, Geld kostengünstig und mithilfe von moderner Technik wie künstlicher Intelligenz anzulegen.

Ein etwas wohlklingenderes Synonym für Robo-Advisor ist digitale Vermögensverwaltung. Wie immer man es auch nennt - Fakt ist, dass Robos sich ständig weiterentwickeln. Hartmut Giesen, der sich für die Hamburger Sutor Bank seit gut sieben Jahren mit dem Thema beschäftigt, beschreibt es sehr treffend, wenn er sagt, dass wir uns heute noch gar nicht vorstellen können, wozu Robos eines Tages in der Lage sein werden. "Vor zehn bis 15 Jahren haben wir es uns auch noch nicht vorstellen können, dass wir Musik nicht mehr kaufen, sondern über ein Abo streamen."

Wie sicher ist das alles?

Die derzeit in Deutschland aktiven Anbieter haben meist kein eigenes Einlagengeschäft, sondern sind wie im Fall von Raisin lediglich Vermittler von Tagesgeld- und Festgeldangeboten. Bei diesen Offerten gilt die Einlagensicherung der Bank, deren Spar- offerte vermittelt wurde. Generell sind Konten bei Banken aus der Eurozone bis zu einer Summe von 100 000 Euro pro Kunde gesichert.

Führt ein Robo-Advisor im Auftrag des Kunden ein Depot oder hat er einen Wertpapiersparplan vermittelt, gilt das angelegte Geld als Sondervermögen, das bei der Pleite des digitalen Vermögensverwalters oder dessen Depotbank nicht angetastet wird. Die Wertpapiere werden also nicht Teil der Insolvenzmasse und sind somit vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt.

Können Fintechs, Insurtechs und Robos die Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter ersetzen?

Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein Teil der Anbieter zum Komplettdienstleister wird. Einige, zum Beispiel Moneyfarm, bauen ihr Beratungsangebot stetig aus. Zudem entdecken große amerikanische Internetunternehmen wie Amazon, Apple, Facebook oder Alphabet das Geschäft für sich. Einige dieser Unternehmen bieten bereits gemeinsam mit Banken spezielle Konten an - oder die Möglichkeit, mit dem Smartphone zu zahlen.

Aber: "Dass der Robo-Advisor gute Kundenberatung ersetzt, erscheint auf absehbare Zeit unrealistisch", sagt Axel Wieandt, ehemaliger Bankmanager und Honorarprofessor an der privaten Hochschule WHU. Sutor-Experte Giesen kann sich indes vorstellen, dass Algorithmen und Menschen zusammenarbeiten: "Es gibt nur wenige, die sich mit Fragen der Geldanlage ausschließlich an eine Maschine wenden. Menschen werden gern von Menschen beraten."

Wie funktioniert ein Robo-Advisor?

Wer sich entscheidet, sein Geld bei einem Robo-Advisor anzulegen, muss in der Regel zunächst einige Fragen beantworten. Diese können mehr oder weniger detailliert und zahlreich sein. Anhand der Antworten soll der Robo feststellen, welches Risiko der Kunde zu tragen bereit ist. Ganz allgemein gilt: Je mehr Risiko oder Wertschwankungen der Kunde beim Investieren aushalten kann, desto höher ist die Aktienquote. Aufgrund seiner Antworten wird der Interessent in eine Risikoklasse eingestuft, die er in der Regel nur nach unten wechseln kann. Das heißt: Weniger Risiko ist kein Problem, soll das Depot aber spekulativer werden, sperrt sich das System.

Wie viele Angebote gibt es?

Aktuell tummeln sich am Markt rund 30 Anbieter, von denen viele als eine Art von Vertriebsplattform für ETFs fungieren, wie Kritiker bemängeln. Das Anlagesystem sowie die Art und Weise, wie die Risiken minimiert werden sollen, sind von Anbieter zu Anbieter verschieden. Scalable Capital etwa verfolgt einen von Wissenschaftlern entwickelten Ansatz mit dem Namen Value at Risk, mit dessen Hilfe je nach Börsenphase stets der optimale Aktienanteil gefunden werden soll.

Wie hoch sind die Kosten?

Die meisten Anbieter erheben eine prozentuale Gebühr, die sich an der Summe des angelegten Geldes und an der Risikoklasse orientiert. Je mehr Geld angelegt wird und je geringer der Aktienanteil ist, desto niedriger ist die Gebühr. Einige erheben zwei Gebühren. Eine für die Verwaltung - hier werden zwischen 0,3 und einem Prozent des angelegten Geldes fällig -, die andere orientiert sich am gewählten Anlagerisiko. Unterm Strich werden von einem halben bis zwei Prozent des angelegten Geldes fällig. Dafür entfallen Ausgabeaufschläge beim Kauf von Fondsanteilen.

Für wen ist die digitale Vermögensverwaltung geeignet?

Grundsätzlich geben alle Anbieter an, für jeden Kunden geeignet zu sein. Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass es inzwischen Anbieter gibt, die beispielsweise ganz bewusst auf vermögendere Kunden setzen wie Liqid. Hier geht es erst ab 100 000 Euro los. Auf der anderen Seite etablieren sich Anbieter wie Raisin, einigen Anlegern unter dem Namen Weltsparen bekannt. Sie zielen auf Kunden mit weniger Kapital, die Festgeld- und Tagesgeldkonten über den Robo abschließen oder Fondsanteile kaufen wollen.

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