Ausblick 18.02.2021 06:12:00

So könnten sich die Ölpreise 2021 entwickeln

So könnten sich die Ölpreise 2021 entwickeln

• Neuer US-Präsident Biden dürfte entscheidenden Einfluss auf die Ölpreise haben
• Corona-Pandemie wird auch den Ölmarkt zunächst weiter begleiten
• IWF und OPEC: Keine baldige deutliche Erholung der Ölpreise in Sicht


Die OPEC+ begrenzt bereits seit einiger Zeit die Ölfördermengen seiner Mitgliedsstaaten, um die Ölpreise zu stabilisieren. Doch im vergangenen Jahr nahm ein unvorhergesehenes Ereignis Einfluss auf die Ölpreise und sorgte im Frühjahr für einen historischen Einbruch: die Corona-Krise. Inzwischen konnten sich die Preise wieder von ihren Tiefs erholen, ihr Vorkrisenniveau haben sie jedoch noch nicht wieder erreicht.

Diese Faktoren dürften entscheidend für die Entwicklung der Ölpreise 2021 sein.

Bidens Pläne hinsichtlich des Iran-Deals

Wie oilprice.com berichtet, dürfte der Sieg von Joe Biden bei der US-Präsidentschaftswahl Auswirkungen auf den Iran-Deal haben. Biden habe das Potenzial, die geopolitische und wirtschaftliche Politik zu verändern, die sich wiederum auf die Ölpreise auswirkt. Der Iran-Deal sei einer der offensichtlichsten Bereiche, die es zu beobachten gelte, denn Biden hat angekündigt, dem Deal "wieder beitreten" zu wollen, was entweder die Verschärfung oder die Lockerung der Sanktionen gegen den Iran zur Folge haben könnte. Dies könnte dazu führen, dass größere Ölmengen aus dem Iran auf dem Markt landen und damit auch die OPEC+ noch stärker unter Druck setzen. Jedoch könnte Biden aufgrund von Neuwahlen im Iran im kommenden Jahr womöglich Schwierigkeiten bekommen, sein Versprechen einzuhalten, dem Deal wieder beizutreten.

Handelsstreit zwischen den USA und China

Ein weiterer Faktor, den es zu beachten gebe, sei der Handelsstreit zwischen den USA und China. Joe Biden habe die Möglichkeit während seiner Präsidentschaft, Spannungen zwischen den beiden Streitparteien abzubauen, das globale Wirtschaftsumfeld zu verbessern und die Ölmärkte anzukurbeln, berichtet oilprice.com. Allerdings bestehe genauso die Möglichkeit, dass sich das Verhältnis weiter anspanne, sollte Biden sich an das vorherige Abkommen halten - da China sein Versprechen, weitere Produkte im Wert von 200 Milliarden US-Dollar von den USA zu kaufen, nicht erfüllen könne - und die darin enthaltene Sanktions-Snapback-Klausel durchzusetzen. Unter dieser Entwicklung dürften dann auch die Ölpreise erneut leiden.

Bidens Klimastrategie

Der President-elect, Joe Biden, kündigte bereits an, direkt am ersten Tag seiner Amtszeit einige politische Entscheidungen von Donald Trump wieder rückgängig machen zu wollen - eine davon ist der Austritt der USA aus dem Klimaabkommen von Paris. Biden wolle als eine seiner ersten Amtshandlungen die Rückkehr in das Pariser Klimaabkommen einleiten. Somit dürfte klar sein, dass Bidens Ziele in seiner Amtsperiode unter anderem die Reduzierung von CO2-Emissionen und höhere Investitionen in grüne Energie sein werden. Das bereitet so manchem auch Sorgen hinsichtlich des Ölmarktes: Während Donald Trump Produktionskürzungen durch die OPEC begrüßte oder gar forderte, könnte unter Joe Biden eine Stütze für die Ölpreise wegfallen.

Manager aus der Ölbranche zeigen sich jedoch gelassen. So verlautete Occidental Petroleum-Chefin Vicki Hollub gegenüber CNBC, dass einige von Bidens Energieplänen durch die voraussichtliche Mehrheit der Republikaner im Senat etwas abgemildert werden könnten, daher dürften Bidens möglicherweise kommende neue Vorschriften für die Branche umsetzbar sein. Bob Dudley, ehemaliger CEO von BP und Vorsitzender der Öl- und Gasklimainitiative (OGCI), erklärte gegenüber Steve Sedgwick von CNBC, dass es ein Spektrum in Bidens Partei gebe und es "gibt einige, die viel schneller gehen wollen, und als Politiker muss er das, was manche als 'ganz links' bezeichnen, mit den gemäßigteren Teilen seiner Partei in Einklang bringen".

Corona-Pandemie und Impfstoffhoffnung

Wohl einer der wichtigsten Faktoren für die Entwicklung der Ölpreise 2021 dürfte das Thema sein, das uns bereits fast das komplette Jahr 2020 beschäftigt hat: die Corona-Pandemie. Konnten die Ölpreise trotz steigender Infektionszahlen in den kalten Herbst- und Wintermonaten zeitweise von der Hoffnung auf die baldige Verfügbarkeit eines COVID-19-Impfstoffs profitieren, dürfte es noch dauern bis ein Ende der Pandemie-Sorgen in Sicht ist. Die Verfügbarkeit eines Impfstoffs dürfte von großer Bedeutung für die Entwicklung der Nachfrage und somit auch der Ölpreise sein. Unternehmen wie BioNTech / Pfizer, Moderna und AstraZeneca konnten in der jüngsten Vergangenheit bereits positive Daten zu ihren Impfstoffkandidaten veröffentlichen und reichten bereits Anträge für eine Notfallzulassung ein. In einige Ländern wurde der Impfstoff von BioNTech / Pfizer sogar bereits zugelassen. Andere Vakzine folgten. Doch selbst wenn vielerorts sogar schon mit den Impfungen begonnen wurde, könnte es noch eine Weile dauern bis genug Menschen geimpft sind, so dass eine Herdenimmunität erzielt werden kann und bis sich die Wirtschaft wieder vollständig vom Schaden, den sie im Jahr 2020 genommen hat, erholen kann.

IWF und OPEC: Ölpreise und -nachfrage 2021

Die OPEC geht derzeit davon aus, dass sich die schwierige Lage auf dem Ölmarkt zumindest im ersten Quartal 2021 fortsetzen wird. Das erklärte der algerische Energieminister Abdelmadjid Attar Ende November zum Auftakt des Halbjahrestreffens der OPEC, wie dpa berichtet. Aus ihrem Anfang Oktober vorgelegten Perspektiv-Bericht geht hervor, dass die OPEC mittel- bis langfristig jedoch mit einer deutlich stärkeren Ölnachfrage rechnet, so dass der Rohölbedarf von 2019 bis 2045 voraussichtlich um 9,4 Prozent auf täglich 109 Millionen Barrel steigen wird.

Passend zum Ausblick der OPEC sieht der IWF keine baldige deutliche Erholung bei den Ölpreisen. Im Herbst prognostizierte der Internationale Währungsfonds Preise im Bereich von 40 bis 50 US-Dollar für 2021: "Die Prognosen für die Ölpreise liegen im Korridor zwischen 40 und 45 US-Dollar für ... Anfang nächsten Jahres und werden im nächsten Jahr insgesamt zwischen 40 und 50 US-Dollar liegen", zitierte CNBC Jihad Azour, Direktor der Abteilung für den Nahen Osten und Zentralasien des IWF.

Förderpolitik der OPEC+ im kommenden Jahr

Da die Nachfrage 2021 also zunächst weiter schwächer bleiben dürfte, spielt auch die Entscheidung der OPEC+ über die Förderpolitik für das kommende Jahr eine wichtige Rolle für die weitere Entwicklung der Ölpreise. Die OPEC+ hatte Anfang Dezember dann entschieden, dass die Produktion ab Januar um 500.000 Barrel erhöht werden solle. Außerdem sollen ab 2021 monatliche Treffen der Minister stattfinden, um den Markt beobachten und gegebenenfalls zeitnah eingreifen zu können, wie die dpa berichtete.

Redaktion finanzen.at

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