Gegen den Strom 29.03.2024 21:16:00

Anlagetipps von Investmentlegende Howard Marks: Das ist das Erfolgsgeheimnis zum erfolgreichen Investieren

Anlagetipps von Investmentlegende Howard Marks: Das ist das Erfolgsgeheimnis zum erfolgreichen Investieren

• Howard Marks erlangte durch seine erfolgreichen Marktprognosen Berühmtheit
• Investitionen gegen die allgemeine Stimmungslage am Markt
• Tipps für Anleger, wie man "die Temperatur des Marktes" misst


Howard Marks war bei der Citigroup-Tochter Citicorp und der Vermögensverwaltungsgesellschaft TCW Group tätig, bevor er 1995 zusammen mit fünf Kollegen seinen eigenen Vermögensverwalter Oaktree Capital Management gründete. In den darauffolgenden Jahren machte er sich als Investor einen Namen, indem er mit Oaktree bei mehreren Gelegenheiten erfolgreich gegen den Markt wettete und so Milliarden verdiente. Außerdem lässt er interessierte Anleger regelmäßig an seinen Gedankenprozessen teilhaben, die letztlich zu seinen Investitionsentscheidungen führen, indem er ausführliche Memos auf der Webseite von Oaktree Capital veröffentlicht.

In einem Memo mit dem Titel "Taking the Temperature" - zu Deutsch etwa "Die Temperatur messen" - erklärte Marks im Juli 2023, dass er in 50 Jahren nur fünfmal versucht habe, die Bewegungen des breiten Aktienmarktes vorherzusagen - und selbst das nicht ohne große Bedenken. Denn eigentlich laute einer der Grundsätze von Oaktree: "Wir versuchen kein Market Timing". Letztlich lag Marks mit seinen Wetten in diesen Fällen aber richtig - und zwar weil "die Märkte entweder wahnsinnig hoch oder massiv gesunken waren, und ich daher empfehlen konnte, defensiver oder aggressiver vorzugehen, mit einer guten Chance, Recht zu haben", so der Investor. Seine fünf eingetroffenen Prognosen dienen Howard Marks in dem Memo jedoch vor allem dazu zu zeigen, nach welchen Grundsätzen er sich beim Investieren richtet und welche Schlüssellektionen man durch sie lernen kann. Denn die kann sich jeder Anleger zu eigen machen.

Das waren Howard Marks fünf berühmtesten Vorhersagen

Die fünf eingetroffenen Prognosen, denen Howard Marks seinen Ruf verdankt, decken die Zeitspanne vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2020 ab. So warnte der Investor in einem Memo Anfang Januar 2000 vor dem Platzen der Dotcom-Blase, nachdem er zuvor ein Buch über historische Investmentblasen gelesen und große Parallelen zu der damals aktuellen Situation erkannt hatte. "Die Verlockung leichter Gewinne, die Bereitschaft, seinen Job aufzugeben, um zu kassieren, die Fähigkeit, unbekümmert in verlustbringende Unternehmen zu investieren, deren Geschäftsmodelle man nicht erklären kann - all das fühlte sich an wie Themen, die sich im Laufe der Finanzgeschichte gereimt hatten, und die zu Blasen und deren schmerzhaftem Platzen geführt hatten. Und sie alle waren am Ende des Jahres 1999 im Verhalten der Anleger sichtbar", so Marks. Tatsächlich platzte die Tech-Blase dann auch rund zwei Monate später und radierte ein Vermögen am Aktienmarkt aus.

Ähnlich warnte der Oaktree-Mitgründer auch schon früh vor der globalen Finanzkrise - womöglich sogar etwas zu früh, wie er selbst zugibt. Denn bereits im Oktober 2004 sah er Anzeichen eines "sich langsam entwickelnden Zugunglücks" aufgrund der expansiven Geldpolitik der US-Notenbank Fed, mit der die Auswirkungen des Platzens der Dotcom-Blase abgefangen werden sollten. In dieser Zeit habe es eine Menge "verrückte Deals" gegeben - "gekennzeichnet durch niedrige Renditen, hohes Risiko für Anleger und viele Optionen für Emittenten" -, die ihm und Oaktree-Mitgründer Bruce Karsh gezeigt hätten, dass etwas am Markt nicht stimme. Anleger hätten aber die Lektionen der Vergangenheit vergessen und seien stattdessen Plattitüden und Trugschlüssen aufgesessen. Im Juli 2007 warnte Marks in einem Memo, dass der Markt aufgrund des geringen Maßes an Skepsis, Angst und Risikoaversion kurz vor dem Kipppunkt stehe - einige Monate später nahm dann die Finanzkrise ihren Lauf.

Hatte sich Howard Marks mit Oaktree zuvor defensiv positioniert, nutzte er die globale Finanzkrise nun, um ab ihrem Tiefpunkt im September 2008 aggressive Käufe zu tätigen. Dafür hatte sein Vermögensverwalter bereits im Jahr 2007 begonnen, einen milliardenschweren Reservefonds einzurichten. "Ich denke, die Aussichten müssen als binär betrachtet werden: Wird die Welt untergehen oder nicht?", schrieb Marks damals. "Wir werden in der Annahme investieren, dass es weitergeht, dass die Unternehmen Geld verdienen, dass sie einen Wert haben und dass der Kauf von Ansprüchen gegen sie zu niedrigen Preisen auf lange Sicht funktioniert. Welche Alternative gibt es?". Auch damit sollte er recht behalten.

Die vierte große Marktwette nahm Marks im Jahr 2012 vor, als der Aktienmarkt immer noch unter den Auswirkungen der letzten Krisen litt und das Interesse der Anleger an Aktien sich laut dem Investor an einem Tiefpunkt befand. Er ging dabei nach eigener Aussage davon aus, dass das Tief beim Optimismus und der Begeisterung für Aktien eigentlich nur bedeuten könne, dass es nicht noch schlimmer, sondern nur noch besser werden könnte. "Und wäre es in diesem Fall nicht vernünftig anzunehmen, dass niedrige Aktienkurse ein Vorbote zukünftiger Gewinne und nicht einer anhaltenden Stagnation sind?", so Marks. Inspiration für diese Ansicht lieferte ihm dabei ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1979, der nach mehreren mageren Jahren am Markt den dauerhaften Tod der Aktie proklamierte. Auch hier sah Marks wieder Parallelen zu seiner Situation - und erwartete korrekt, dass der Aktienmarkt wieder kräftig steigen würde, so wie er es auch nach 1979 getan hatte.

Seine bislang letzte große Wette gegen den Markt unternahm Howard Marks dann schließlich während der Anfangszeit der Corona-Pandemie im Jahr 2020. Während auch er angesichts der neuen Situation zunächst verunsichert war, hatte er dennoch schnell das Gefühl, dass die Panik zu groß sei, nachdem der S&P 500 an mehreren Tagen kurz hintereinander rekordhohe prozentuale Verluste eingefahren hatte. "Angesichts der Preisrückgänge und Verkäufe, die wir bisher gesehen haben, glaube ich, dass dies ein guter Zeitpunkt zum Investieren ist, auch wenn es sich natürlich herausstellen könnte, dass es nicht der beste Zeitpunkt war", schrieb Marks damals. Entsprechend nutzte er die Kursrückgänge im März 2020 auch hier zum Kauf und konnte von der anschließenden starken Erholung profitieren.

So misst man laut Marks die Temperatur des Marktes

Aus den geschilderten fünf Marktprognosen von Howard Marks lässt sich bereits ablesen, dass er zu konträren Investitionen neigt. Seine Investmentphilosophie könnte man daher sehr kurz wie folgt zusammenfassen: Wenn die Stimmung am Markt zu euphorisch wird, sollte man sich defensiv positionieren. Wenn sie zu pessimistisch wird, kann man wieder zugreifen und Schnäppchen machen. Doch um nützlich Beobachtungen zum Marktstatus zu machen, muss man laut Marks aus seinen Erfahrungen lernen sowie "einen Schritt zurücktreten, eine ganze Reihe von Ereignissen betrachten und Folgendes herausfinden: (a) was ist passiert, (b) gibt es ein Muster, das sich wiederholt, und (c) welche Lehren können aus dem Muster gezogen werden?". Außerdem sei es für das Erzielen überlegener Anlageergebnisse wichtig, die Unterschiede auszunutzen "zwischen dem, wie die Dinge funktionieren sollten und dem, wie sie in der realen Welt tatsächlich funktionieren. Die wesentlichen Inputs dafür sind weder Wirtschaftsdaten noch Finanzberichtsanalysen. Der Schlüssel liegt im Verständnis der vorherrschenden Anlegerpsychologie", so der Oaktreee-Mitgründer. Das gesamte Vorgehen fasst er unter dem Motto "die Temperatur des Marktes messen" zusammen - und das habe "mehr mit klaren Beobachtungen und Einschätzungen der Auswirkungen dessen zu tun, was man sieht, als mit Computern, Finanzdaten oder Berechnungen".

Das sind die wichtigsten Lektionen von Howard Marks

Für Anleger, die seinem Beispiel folgen wollen, listet Marks mehrere Lektionen auf, die man verinnerlichen müsse, um die Temperatur des Marktes messen zu können.

Zunächst empfiehlt er, sich mit der Mustererkennung zu befassen. "Studieren Sie die Marktgeschichte, um die Auswirkungen der heutigen Ereignisse besser zu verstehen", so der Investor. Denn die Marktzyklen würden langfristig ironischerweise auf ziemlich zuverlässige Art und Weise schwanken. Außerdem solle man sich klar machen, dass solche Zyklen immer aus "Exzessen und Korrekturen" entstehen würden. Dabei sei es wahrscheinlicher, dass auf eine starke Bewegung in eine Richtung früher oder später eine Korrektur in die entgegengesetzte Richtung folge, als ein Trend, der "in den Himmel" wachse. Dabei sei es "ironisch" wie Marks in seinem Memo schreibt, dass viele Marktteilnehmer tatsächlich glauben würden, die Geschichte zu respektieren. Dabei würden sie jedoch davon ausgehen, dass sich ein Trend fortsetzt, der bereits im Gange ist. "Aber die Geschichte, die [...] Aufmerksamkeit verdient, ist nicht der jüngste Anstieg oder Rückgang des Preises eines Vermögenswerts, sondern vielmehr die Tatsache, dass sich die meisten Dinge schließlich als zyklisch erweisen und dazu neigen, vom Extrem zum Durchschnitt zurückzukehren".

Ebenso wichtig wie Geschichtskenntnisse sei laut Marks auch ein Blick auf die Psychologie, denn das Marktgeschehen werde seiner Ansicht nach vor allem durch die Emotionen der Anleger gesteuert. So sollten Anleger nach Momenten Ausschau halten, wenn die Menschen so optimistisch sind, dass sie denken, es könnte nur besser werden - und umgekehrt. "Wenn die Denkweise der Herde entweder unverbesserlich optimistisch oder apokalyptisch ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das aktuelle Preisniveau und die aktuelle Preisrichtung nicht nachhaltig sind", so der Investor. Genau dann liege das Geheimnis darin, sich nicht blind dem Gruppenzwang zu unterwerfen. Ähnliches gelte für unlogische Aussagen, die weithin akzeptiert würden, aber eigentlich zu gut - oder schlecht - seien, um wahr zu sein. "Denken Sie daran, dass in extremen Zeiten [...] das Geheimnis des Geldverdienens im Kontrarismus und nicht in der Konformität liegt", warnt er. Dafür müsse man jedoch verstehen, was die Gruppe tue, warum sie es tue, was daran falsch sei und was man stattdessen tun sollte. Gleichzeitig müsse man aber auch seine eigene Emotionalität im Griff haben und sich ihr widersetzen, so Marks.

Als letztes gibt der milliardenschwere Investor noch zwei Ratschläge, die angesichts seiner Erfolgsgeschichte auf den ersten Blick womöglich etwas verwundern könnten. So schreibt er, dass es nahezu unmöglich sei, die Zukunft der globalen Wirtschaft vorherzusagen und entsprechende Versuche daher so wenig wie möglich unternommen werden sollten. Entsprechend habe auch er in den 50 Jahren seiner Karriere nur fünfmal eine entsprechende Prognose abgegeben. Auch bei Oaktree Capital Management würde man Anlageentscheidungen nicht auf makroökonomische Prognosen stützen. Man gehe dort nur davon aus, dass das "makroökonomische Umfeld der Zukunft den Normen der Vergangenheit ähneln wird" und berücksichtige dann die Möglichkeit, dass die Dinge schlechter laufen würden als normal.
Auch sollte man nicht versuchen, Wertpapiere am Tiefpunkt zu kaufen. "'Der Tiefpunkt' ist der Tag, bevor die Erholung beginnt. Daher ist es absolut unmöglich zu wissen, wann der Tiefpunkt erreicht ist", so der Investor. Stattdessen solle man kaufen, wenn etwas günstig ist. Sollte es noch günstiger werden und die Investmentthese weiterhin intakt sein, könne man weiter zukaufen. "Wir fürchten uns viel mehr davor, eine günstige Gelegenheit zu verpassen, als davor, ein gutes Investment zu früh einzugehen", so der Oaktree-Mitgründer.

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