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Wie ein Krieg? 10.10.2020 22:00:00

Düstere Prognosen: Mögliche Weltwirtschaftskrise könnte auf Corona-Krise folgen

Düstere Prognosen: Mögliche Weltwirtschaftskrise könnte auf Corona-Krise folgen

• Die Wirtschaft in der Corona-Krise hat Ähnlichkeit mit Kriegsökonomien
• Parallelen zu anderen großen Krisen in der Geschichte wie der Spanischen Grippe und der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 sind erkennbar
• Genauen Folgen für die Wirtschaft sind weiterhin ungewiss - Prognosen gibt es jedoch einige

Ein amtierender US-Präsident befiehlt Unternehmen der Privatwirtschaft, ihre Produktionen zum Wohle der Gesellschaft und des Staates auf andere Güter umzustellen. Was sich nach der Rüstungsindustrie im Zweiten Weltkrieg anhört, geschieht jetzt gerade in den Vereinigten Staaten von Amerika. Donald Trump hat den Automobilhersteller General Motors im Rahmen der Corona-Krise dazu gezwungen, tausende Beatmungsgeräte herzustellen. In einem Twitter-Beitrag forderte er dies auch vom Unternehmen Ford. Durchsetzen konnte Trump seine Vorstellungen mit dem "Defence Production Act" - einem Gesetz, das im Jahr 1950 für den Koreakrieg beschlossen wurde. Damit behandelt der US-Präsident den Kampf gegen das Virus ähnlich wie einen Krieg. Und tatsächlich lassen sich gewisse Parallelen erkennen.

Kriegsökonomie in der Corona-Krise

Die Wirtschaft steht nahezu komplett still. Einen ähnlichen Zustand gab es zuletzt vermutlich nur während der Weltkriege. In einem Interview mit dem Auslandsrundfunk "Deutsche Welle" sagte der Historiker Albrecht Ritschl, dass sich die derzeitige Situation am ehesten mit der Kriegswirtschaft vergleichen lasse. Auch dort waren Gaststätten, kleine Läden und Handwerksbetriebe geschlossen. Die Wirtschaftsleistung der betroffenen Bereiche ging zum Teil erheblich zurück. Laut Angaben des Experten waren Reduzierungen von bis zu 70 Prozent zu beobachten. Ähnliche Entwicklungen seien seiner Meinung nach auch heute möglich. Allerdings würde jeglicher Vergleich hinken. Der Grund für die Schließungen war damals nämlich nicht die Ausbreitung eines Virus, sondern die Freisetzung von Ressourcen. Dies sei ein großer Unterschied. Es stellt sich aber trotzdem die Frage: Könnte das Coronavirus Folgen wie ein Krieg haben?

Ein Blick in die Vergangenheit

Feststeht, dass es sich bei dem Coronavirus eindeutig nicht um einen Krieg handelt. Das Leben der Menschen hat sich zwar umfassend verändert, jedoch bombardieren keine Feinde die Infrastrukturen der Länder und die vorhandenen wirtschaftlichen Kräfte werden auch nicht für die Produktion menschenfeindlicher Güter aufgezehrt. Um Rückschlüsse aus der Geschichte zu ziehen, sollten wir deshalb lieber nicht an einen Krieg denken.

Um Äpfel nicht mit Birnen zu vergleichen, ist wahrscheinlich ein Blick auf eine bereits überstandene Pandemie sehr angebracht. Gemessen an den Toten war die Spanische Grippe hierbei wohl eine der schlimmsten, die es je gab. Und sie ist noch gar nicht so lange her. Im Zeitraum zwischen 1918 und 1920 tötete das Influenzavirus in drei Wellen mindestens 27 Millionen Menschen. Manche Schätzungen gehen sogar von 50 Millionen Toten aus. Die Zahl der Opfer ist so katastrophal hoch, weil damals das Gesundheitssystem nicht annähernd so gut war wie heute und die Staaten auch keine radikalen Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Krise getroffen hatten. Die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen der Gegenwart sind somit in ihrem Umfang einmalig.

Zur Zeit der Spanischen Grippe lag die Wirtschaft aufgrund des ersten Weltkrieges am Boden. Der Berkeley-Professor Barry Eichengreen erklärte in einem Interview mit der Zeitschrift "Capital", dass es deshalb für die damaligen Regierungen undenkbar war, die Betriebe und Unternehmen noch zusätzlich durch gesundheitliche Vorschriften lahmzulegen. Dieser Umstand macht es wiederum schwierig wirkliche Rückschlüsse aus der Vergangenheit zu ziehen. Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges und der Pandemie sind fließend. Eine Trennung der beiden Effekte nahezu unmöglich.

Eine Studie des Wirtschaftswissenschaftlers und Harvard-Professors Robert J. Barro will nun Licht ins Dunkel bringen. In Zusammenarbeit mit Jose F. Ursua und Joanna Weng hat der Forscher den Versuch unternommen, Lehren aus der Spanischen Grippe für die Bestimmung der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus zu ziehen. Das Team kam zu dem Ergebnis, dass die grippebedingten wirtschaftlichen Auswirkungen zu einem Rückgang des BIP um sechs Prozent in den betroffenen Ländern führten. Der Konsum fiel weltweit um acht Prozent. Außerdem fanden sie Hinweise darauf, dass höhere Todesraten auch die Renditen von Aktien reduzierten. Die wirtschaftlichen Folgen des Weltkrieges waren jedoch deutlich schlimmer. Deshalb fallen Prognosen, die auf einem kriegsähnlichen Charakter der Corona-Krise basieren, wahrscheinlich auch erheblich düsterer aus.

Dieses Mal ist alles anders

Die Einordnung des Coronavirus in den historischen Kontext ist somit nicht einfach. Um einen Krieg handelt es sich augenscheinlich nicht. Der Vergleich mit der Spanischen Grippe lässt allerdings auch noch einige Fragen offen. Die Studie von Robert J. Barro klärt zwar, wie sich die Grippetoten auf die Wirtschaft ausgewirkt haben, aber die Folgen des großen Shutdowns wurden nicht behandelt, da es ihn damals schlichtweg nicht gab. Seine Auswirkungen bleiben weitestgehend ungewiss. Man könnte somit sagen, dass heute alles anders ist - und diese Aussage trifft auch in vielen Punkten zu.

Zwischen dem 19. Februar und dem 23. März 2020 verlor der US-Leitindex Dow Jones insgesamt fast 37 Prozent. Damit handelt es sich um einen Börsencrash, der seinesgleichen sucht. In der Finanzkrise um die Jahre 2007 und 2008 fielen die Kurse anfänglich "nur" um 18 Prozent. Nach dem Schwarzen Montag im Jahr 1987 betrugen die Verluste der "ersten Panik" stolze 36 Prozent und zu Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929 ging es sogar um 48 Prozent nach unten. Der heutige Absturz unterscheidet sich aber von seinen Vorgängern. Das Besondere an ihm ist, dass er nicht durch das Platzen einer Spekulationsblase ausgelöst wurde und in einer sagenhaften Geschwindigkeit ablief. Außerdem wurden die meisten Rezessionen in der Vergangenheit von einem negativen Nachfrageschock verursacht. Barry Eichengreen erläuterte im Interview mit "Capital", dass die derzeitigen Unternehmensschließungen aber originär einen Angebotsschock verursachen. Durch ausbleibende oder geringere Lohnzahlungen sowie die Angst der Bürger könnte als Folge zusätzlich noch ein Rückgang des Konsums eintreten. Damit würde die Realwirtschaft von beiden Seiten unter Druck geraten.

Genauso einzigartig wie die negativen Ereignisse sind auch die Rettungsversuche. Nach einem Bericht der "ARD", sprengen die ergriffenen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen "jedes geschichtliche Vorbild". So beschloss beispielsweise der US-Kongress ein zwei Billionen US-Dollar schweres Konjunkturpaket. Während der Finanzkrise hatte die Obama-Administration im Jahr 2009 "lediglich" rund 800 Milliarden US-Dollar freigegeben. Auch die Fed springt mit ihrer "Bazooka" helfend zur Seite und hat unbegrenzte Anleihekäufe angekündigt.

Der Blick in die Glaskugel

Je mehr Zeit in der Corona-Krise vergeht, desto schlimmer werden die Prognosen. Im Februar gab der Internationale Währungsfonds (IWF) noch bekannt, dass sich das weltweite Wirtschaftswachstum aufgrund des Coronavirus wohl um etwa 0,1 Prozent verringern würde. Mitte März gab hingegen der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr, gegenüber dem "Handelsblatt" an, dass er die "Mutter aller Rezessionen" befürchte. Nach seinen Berechnungen kostet die Halbierung der Wirtschaftsleistung in Deutschland über einen Monat vier Prozent des jährlichen Wirtschaftswachstums. Bei zwei Monaten seien es schon acht Prozent. Der Präsident des ifo Instituts, Clemens Fuest, teilt offenbar diese Meinung. Er sagte in einer Pressemitteilung: "Wenn die Firmen für länger als einen Monat geschlossen bleiben, erreichen die Produktionsausfälle schnell Dimensionen, die deutlich jenseits der Wachstumseinbrüche liegen, die aus früheren Rezessionen oder Naturkatastrophen in der Geschichte der Europäischen Union bekannt sind." Eine Studie des Instituts kommt zu dem Ergebnis, dass ein zweimonatiger Shutdown die Jahreswachstumsrate des BIP zwischen 7,2 und 11,2 Prozentpunkte reduzieren würde. Ein dreimonatiger Shutdown würde zu einem Verlust von 10,0 bis 20,6 Prozentpunkte führen. Schlittern wir also geradewegs auf eine nächste Weltwirtschaftskrise zu?

Leider vermag es kein Mensch, in die Zukunft zu schauen. Jegliche Prognosen, so empirisch sie auch sein mögen, bleiben mehr oder weniger Blicke in eine Glaskugel. Die Parallelen zu ehemaligen Wirtschaftskrisen sind da, ebenso wie die Unterschiede. Heute gelten neue Rahmenbedingungen, sodass die Geschehnisse der Vergangenheit nicht in die Gegenwart projiziert werden können. Heute ist vieles anders, was sowohl gut als auch schlecht sein kann. Negative wirtschaftliche Konsequenzen wird die Corona-Krise auf jeden Fall haben. Das Potenzial für eine tiefergehende Störung ist ebenfalls gegeben. Welche Entwicklung der Weltgemeinschaft letztendlich bevorsteht, bleibt ungewiss. Historiker Albrecht Ritschl sagte im Interview mit der "Deutschen Welle", dass auch bei der Finanzkrise im Jahr 2008 viele Ökonomen übereinstimmend Dinge vorausgesagt haben, die am Ende nicht eingetreten sind. Ein Artikel der "Zeit" kommt zu dem Schluss, dass "vielleicht die Pandemie von vor hundert Jahren am Ende doch eher ein Worst-Case-Szenario ist als etwas, das wir in Sachen Wirtschafts-Desaster demnächst locker übertreffen."

Redaktion finanzen.at

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