Genau beobachten 01.03.2024 16:31:00

IWF warnt vor Österreichs Gewerbeimmobilien-Sektor

IWF warnt vor Österreichs Gewerbeimmobilien-Sektor

Der heimische Markt dürfte sich zwar derzeit besser schlagen als andere europäische Märkte oder die USA, wo zunehmendes Homeoffice und höhere Finanzierungskosten auf dem Sektor lasten. Nach den jüngsten Insolvenzen in der Signa-Gruppe und eines gestiegenen Anteils an Bankkrediten in dem Sektor sollte die Branche jedoch weiterhin genau beobachtet werden, so der IWF.

"Für sich genommen scheinen die Probleme und Ausfälle bei Signa im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf die Finanzstabilität überschaubar zu sein", sagte Kevin Fletcher, der die IWF-Mission zur Prüfung der österreichischen Wirtschaft leitete, am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Osterreichischen Nationalbank (OeNB). Die zuständigen Behörden in Österreich und anderen betroffenen Ländern hätten die Lage bisher gut im Griff gehabt. Die große Frage sei jedoch, ob die Signa ein Indikator für größere Probleme in der gesamten Branche ist.

In Österreich stehe der Sektor nicht so stark unter Druck wie in anderen Ländern, wo die Preise für Gewerbeimmobilien unter hohen Leerstandsquoten und hohen Finanzierungskosten leiden würden, daher wolle man das Thema nicht überbewerten. "Aber ich denke, der Fall Signa zeigt, dass dies ein Bereich ist, in dem es wichtig ist, dass die Finanzaufsichts- und Regulierungsbehörden in Europa und den USA ein wachsames Auge darauf haben," so Fletcher.

Zudem sei der Gewerbeimmobilienmarkt ein Bereich, wo es Lücken in den verfügbaren Daten gebe. Das mache eine komplette Bewertung der breiteren Risiken schwieriger. Der IWF weist außerdem darauf hin, dass der Anteil, den Österreichische Banken an Gewerbeimmobilien-Krediten haben - im dritten Quartal 2023 seien 20 Prozent aller heimischen Bankkredite auf Kredite für Gewerbeimmobilien entfallen - im europäischen Vergleich hervorsteche. Auch das Exposure von Pensionskassen und Versicherern in der Branche sei "umfangreich". Diese Risiken sollten genau beobachtet werden und Datenlücken durch die Veröffentlichung von Zahlen zu Preisen für Gewerbeimmobilien, Mietrenditen und Schuldendienst-Deckungsquoten geschlossen werden, riet der Währungsfonds.

Zum Wohnimmobilienmarkt hielt der IWF fest, dass Österreich an den aktuellen Standards für die Vergabe von Wohnkrediten festhalten sollte, da diese als permanente und strukturelle Maßnahme notwendig sei. Im internationalen Vergleich seien die Regeln zudem nicht über die Maßen streng, sondern aufgrund der großzügigen Ausnahmekontingente sehr flexibel. Lockerere Regeln würden dagegen die Leistbarkeit negativ beeinflussen, da die Wohnungspreise dann deutlich ansteigen würden. Eher sollte die Leistbarkeit durch mehr Angebot und Erleichterungen für neuen Wohnungsbau weiter gefördert werden.

Die heimischen Banken sollten zudem ihre Profite nützen, um Kapitalpuffer aufzubauen mit denen sie sich gegen allfällige Schocks absichern können. Die derzeit hohen Profite seien eher nur temporär, da höhere Sparzinsen und Kreditausfälle im Gewerbeimmobilienbereich die Ergebnisse belasten könnten.

Alles in allem sei das heimische Finanzsystem aber "stabil, liquide und profitabel", schreibt der IWF. Auch der Gesamtwirtschaft stellt der IWF ein gutes Zeugnis aus. Die diversen Krisen der vergangenen Jahre - Corona, hohe Energiepreise und allgemein hohe Inflation sowie rasch steigende Leitzinsen - seien im Wesentlichen gut überstanden worden. Geschickte politische Maßnahmen hätten geholfen, die Auswirkungen der jeweiligen Schocks abzumildern.

Dennoch habe das Wirtschaftswachstum gelitten. Dieses sollte in den kommenden Jahren aber wieder Fahrt aufnehmen. Für heuer sieht der IWF ein Wachstum von rund 0,5 Prozent, für 2025/26 sollte es dann auf 1,5 Prozent ansteigen. Danach prognostiziert der IWF, dass sich das Wachstum bei rund einem Prozent einpendeln werde. Um das Wachstum besser ankurbeln zu können, empfiehlt der IWF Österreich, in Anbetracht der zunehmend alternden Bevölkerung die Erwerbstätigkeit weiter zu erhöhen. Das betreffe vor allem Frauen, unter denen es eine hohe Teilzeitquote gebe, aber auch Ältere.

Bei der Inflation sieht der IWF in den kommenden Jahren wieder fallende Raten in Österreich. Bis Mitte 2025 sollte sich die Teuerung nahe des EZB-Ziels von 2 Prozent einpendeln - trotz einer derzeit noch erhöhten Kerninflation aufgrund der Teuerung im Dienstleistungssektor. Sollte sich die Inflation allerdings dauerhaft über dem gesamteuropäischen Niveau verfestigen, könne das ein Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit des Landes sein.

bel/fel

(APA)

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Bildquelle: Aleksey Klints / Shutterstock.com,Vaclav Volrab / Shutterstock.com,Borislav Bajkic / Shutterstock.com
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