Nach einem bis dato starken Jahr für High Yield-Anleihen stellt sich die Frage: kann es 2024 so weitergehen oder ist mit einem Rückschlag zu rechnen? Die starken Fundamentaldaten und ein positives markttechnisches Umfeld stimmen uns zuversichtlich, dass der High Yield-Markt auch 2024 chancenreich bleibt. Die potenziell erzielbaren Erträge an den globalen High Yield-Märkten sind mit einer Ablaufrendite (Yield-to-Worst) von derzeit rund 8,5 Prozent und Spreads von 424 Basispunkten (gemessen am optionsbereinigten Spread gegenüber Staatsanleihen) attraktiv. Außerhalb einer Rezession lagen die Renditen selten höher. Entsprechend gehört ein diversifiziertes Portfolio aus globalen Hochzinsanleihen zu den interessantesten Alternativen im Anleihensegment.

Zu den Fundamentaldaten der globalen High Yield-Emittenten: sie sind weiterhin solide, da zahlreiche Unternehmen in den vergangenen Jahren die Qualität ihrer Bilanzen verbesserten. Die niedrigen Zinssätze hatten relativ geringe Zinszahlungen zur Folge, wodurch die Cash-Bestände geschont wurden. Der Verschuldungsgrad ist nach wie vor moderat, wobei das Verhältnis von Nettoverschuldung zu Gewinn (in Form des EBITDA) etwa 3,6x in den USA und 3,7x in Europa beträgt. Diese Bilanzverbesserung könnte sich zwar verlangsamen, da die Emittenten ihre bisherigen Anleihen mit niedrigen Kupons künftig mittels höher verzinster Schuldtitel refinanzieren müssen. Die Cashflows der Unternehmen reichen jedoch mehrheitlich aus, um die neuen Schulden bedienen zu können.

Die relative Stärke der Fundamentaldaten zeigt sich auch in den Ausfallraten, die noch immer unter dem langfristigen Durchschnitt liegen und als Maß für das ‚Risiko‘ am Hochzinsmarkt genau beobachtet werden. Da wir mit einer gewissen Verschlechterung der Fundamentaldaten rechnen, könnten die Ausfallraten in den kommenden Monaten steigen. Doch selbst wenn sie sich dem langfristigen Durchschnitt annähern oder ihn überschreiten würden (rund 4,5 Prozent), sind wir der Ansicht, dass dies hauptsächlich auf die qualitativ schlechteren Marktteilnehmer mit höherem Verschuldungsgrad zurückzuführen wäre. Dieses Szenario ist jedoch bereits zum Teil in den qualitativ schwächeren Kapitalstrukturen eingepreist und die Anleihen werden bereits deutlich unter dem Nennwert gehandelt. Dementsprechend spiegeln sich künftige Verluste bereits in den aktuellen Renditen wider.

Die Qualität des High Yield-Universums unterstreicht, dass Hochzinsanleihen insgesamt weniger riskant sind als allgemein angenommen. Sie hat sich, gemessen am Durchschnittsrating, in den vergangenen 20 Jahren deutlich verbessert. Obwohl der Anteil der Unternehmen mit BB-Rating am globalen Markt aufgrund der vielen ‚Rising Stars‘ in den vergangenen zwei Jahren leicht zurückgegangen ist, macht er immer noch fast 60 Prozent des Marktwerts aus. Demgegenüber liegt der Anteil der Unternehmen mit einem CCC Rating weiterhin bei unter zehn Prozent weltweit. Dies ist im Vergleich zu früheren Zeiträumen immer noch ein kleiner Anteil.

Darüber hinaus sind die technischen Rahmenbedingungen für die Bewertungen am Sekundärmarkt weiterhin positiv. Für die nächsten zwölf Monate erwarten wir ein geringes oder möglicherweise kein neues Netto-Neuemissionsvolumen. Denn zum einen können die Unternehmen es sich leisten, auf günstigere Finanzierungsbedingungen zu warten. Zum anderen gehen wir auch davon aus, dass neue Privatisierungen oder fremdfinanzierte Übernahmen angesichts der viel höheren Finanzierungskosten solcher Transaktionen weiterhin eine untergeordnete Rolle spielen werden. Allerdings waren diese in den vergangenen Jahren, als die Kapitalaufnahme günstig war, ein wichtiger Wachstumsfaktor des Gesamtmarkts.

Insgesamt dürften die erläuterten Faktoren für attraktive Gesamtrenditen am globalen High Yield-Markt sorgen, sofern eine schwere Rezession ausbleibt. Selbst in einem rezessiven Umfeld sollten hochwertige Hochzinsanleihen den Abschwung angesichts der starken Fundamentaldaten relativ gut überstehen. Aktuell bleiben wir insgesamt leicht defensiv positioniert und favorisieren Emittenten höherer Qualität auf Kosten geringerwertiger Titel. Zudem setzen wir statt auf zyklische bevorzugt auf konjunkturunabhängigere Unternehmen.

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Foto: Gerrit Bahlo © Fisch Asset Management


 

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