ODDO BHF: Thematische Schwerpunkte einer langfristigen Anlagestrategie | 09.03.21 | finanzen.at
09.03.2021 08:45:13

ODDO BHF: Thematische Schwerpunkte einer langfristigen Anlagestrategie

Erfolgreiche Geldanlage setzt ein Bild von der Zukunft voraus. Dabei gibt es Einflüsse wie die Covid-19- Pandemie und die wirtschaftspolitischen Reaktionen darauf, die die nähere Zukunft beeinflussen.

Impulsgeber Technologie und Demographie

Es gibt aber auch langfristige Faktoren, die die Entwicklung der Wirtschaft und der Finanzmärkte auf Jahre oder sogar Jahrzehnte prägen können. Wichtige Impulsgeber für diese „Megatrends“ sind nach unserer Überzeugung Demographie und die Technologie, die unter dem Druck des Wettbewerbs den wirtschaftlichen Wandel vorantreiben. Im heutigen ODDO BHF Marktausblick wollen wir die nach unserer Überzeugung wichtigsten Entwicklungen beleuchten. Diese finden sich thematisch auch in unserer Anlagepolitik wieder. Unter den Technologien sind es nach unserer Überzeugung vor allem die Nutzung der Cloud, der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz und „Machine Learning“ sowie die Entwicklung von APIs (Application Programming Interface), die das Wirtschaftsgeschehen drastisch verändern werden.

Für die IT-technologisch weniger versierten einige Erläuterungen: Bei der Cloud („Datenwolke“) handelt es sich um eine IT-Infrastruktur, die meist über das Internet zugänglich ist und über die nicht nur die Speicherung von Daten, sondern auch die Bereitstellung von Software und die Verarbeitung von Daten erfolgt bzw. erfolgen kann. APIs sind Schnittstellen zur Programmierung von Anwendungen, die einen Austausch von Daten zwischen Programmen ermöglichen; ein Beispiel aus dem Alltag ist das Zusammenspiel zwischen Applikationen auf dem Smartphone und Betriebssystemen wie iOS oder Android. Künstliche Intelligenz bezeichnet allgemein den Versuch, menschliches Denken nachzubilden; Machine Learning ist damit ein Teilgebiet der künstlichen Intelligenz, wobei die „Maschine“ in vorgegebenen Datenbeständen Muster zu erkennen versucht, auf deren Grundlage die Maschine eigenständig Probleme zu lösen in der Lage ist.

Die zweite wichtige Entwicklung ist demographisch: Der Anteil der technikaffinen Bevölkerung nimmt beständig zu. In den USA ist der Bevölkerungsanteil der Baby Boomer – also der zuletzt dominierenden Nachkriegsgeneration 1946-64 – mittlerweile kleiner als der der "Millenials“ (1981-96); die „Generation Z“ (1997-2012) dürfte die „Boomer“ in den nächsten Jahren und in rund 15 Jahren auch die Millenials überholen. Spätestens die Kohorte der Generation Z ist mit der digitalen Welt aufgewachsen und begreift sie als elementaren Teil ihres Lebensraums. Die Covid-19-Krise und die soziale Distanzierung haben zu einer beschleunigten Annäherung auch der weniger jungen Bevölkerung an digitale Angebote beigetragen. Der Online-Handel erlebte einen Quantensprung, ebenso Kommunikationsangebote wie Videokonferenzen, die Nutzung vorn Streaming-Angeboten für Filme und Spiele oder Online-Angebote für Schule/Ausbildung, Fitness oder Gesundheitsvorsorge. Warum sind diese Entwicklungen so relevant? Vor allem deshalb, weil in der Cloud praktisch alle Daten zusammengeführt werden (können) und damit im Prinzip global verfügbar sind. Mit entsprechenden Applikationen und Schnittstellen lassen sich praktisch „über Nacht“ Produkte und Prozesse gestalten, durch die wirtschaftliche Abläufe verändert und bestehende Geschäftsmodelle wirtschaftlich ins Abseits gestellt werden (können). Gleichzeitig wird die Vernetzung oder „Konnektivität“ der Menschen immer enger. So nimmt beispielsweise die Durchdringung mit Smartphones rasch zu: Innerhalb einer Dekade ist die Verbreitung von 6% auf mittlerweile 49% der Weltbevölkerung gestiegen.

Zudem erlaubt der Ausbau des Breitbandnetzes und, perspektivisch, der Übergang zum 5G-Netz wesentlich höhere Datenmengen und Übertragungsgeschwindigkeiten. Und drittens nimmt die Nutzung von sozialen Medien zu, so dass die Nutzer – beispielsweise für Werbezwecke – erreichbar sind. Die aktuellsten Zahlen besagen, dass mittlerweile mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung, 4,2 Milliarden Menschen, über soziale Medien verbunden sind.

Schwerpunkte des strukturellen Wandels

Vor dem Hintergrund der technologischen und demographischen Veränderungen bahnen sich in vielen Bereichen des Lebens und damit auch der wirtschaftlichen Aktivitäten große Veränderungen an. Unternehmerisch und damit auch für den Anleger besonders interessant erscheinen uns dabei folgende Themen:

(1) Finanztechnologie: Nachdem im Bereich des Zahlungsverkehrs und des Handelns mit standardisierten Produkten wie Aktien bereits erhebliche Bodengewinne gemacht werden konnten, dürfte sich die nächste Angriffswelle auf die Digitalisierung komplexer und illiquider Finanzprodukte wie beispielsweise Immobilienfinanzierung, Lebens-, Gebäude- und Krankenversicherungen, Altersvorsorge oder, im unternehmerischen Bereich, Treasury-Funktionen und Liquiditätssteuerung oder die Finanzierung von Ausrüstungen richten. Darüber hinaus ist eine deutliche Tendenz zu erkennen, Finanzdienstleistungen in das Produktangebot von Nicht-Finanzdienstleistern bzw. der Online-Plattformen und auf der Beschaffungsseite („B2B“) einzubetten.

Der asiatische und insbesondere der chinesische Markt ist im Hinblick auf die Digitalisierung von verbraucherbezogenen Finanzdienstleistungen sehr weit fortgeschritten. Vor allem Tech-Giganten wie Alibaba oder Tencent bieten innerhalb ihres „Ökosystems“ rund um das Kerngeschäft E-Commerce und soziale Medien praktisch alle wichtigen Finanzdienstlungen von Zahlungsverkehr über Finanzierungen bis zur Vermögensanlage an. Mehr als 80% der Menschen in China machen Zahlungen über das Smartphone, und 90% davon entfallen auf die genannten Namen. Abseits von diesen ergibt sich – auch unter Anlagegesichtspunkten – geschäftliches Entwicklungspotenzial vor allem im Bereich des elektronischen Handels (z.B. Börsen) oder in Regionen wie Indien.

(2) Unternehmenstechnologie: Einer der wichtigsten Trends der kommenden Jahre dürfte die schrittweise Ersetzung der IT-Infrastruktur der Unternehmen durch Cloud-Dienste sein. „Infrastruktur als Dienstleistung“ (IaaS) ist ein rasch expandierender Markt: Der weltweite Umsatz, so Schätzungen, dürfe sich zwischen 2019 und 2022 auf über 80 Mrd. US$ fast verdoppeln. Was bisher vor allem für Randbereiche der Unternehmensaktivitäten in Anspruch genommen wird, könnte zunehmend auch für Kernbereiche genutzt werden. Innerhalb der Cloud ist „Software as a Service“ (SaaS) vermutlich der nächste Schritt der Entwicklung: Damit könnten unternehmensinterne Anwendungsentwicklungen verzichtbar und die IT- Infrastruktur vereinfacht werden; anstelle klassischer Softwarelösungen für Kernanwendungen im Unternehmen wie Customer Relationship Management (CRM), Personalinformationssystem (HR) oder Finanzberichterstattung und -planung werden vermutlich SaaS-Dienste treten.

Aufgrund der Online- Konkurrenz ist vor allem im Einzelhandel der Wettbewerbsdruck hoch, die Digitalisierung voranzutreiben und damit die Vertriebskanäle im Sinne eines Omni-Channel-Modells zu erweitern und zu integrieren – z.B. Kauf online, möglicherweise über eine Messenger App, Lieferung an Kundenadresse, Umtausch im Geschäft – inklusive der kontinuierlichen Aktualisierung von Lagerbeständen und Lieferzeiten und der Planung von Bestellungen. Nach Schätzungen des McKinsey Global Institute sind die Mitarbeiter amerikanischer Unternehmen zu mehr als 50% mit der Sammlung und Verarbeitung von Daten und vorhersehbaren physischen Aktivitäten beschäftigt. Hier bestehen offensichtlich Ansatzpunkte für den Einsatz Künstlicher Intelligenz und Robotergesteuerter Prozessautomatisierung (RPA).

(3) Konsumentenverhalten: Das Konsumentenverhalten verändert sich grundlegend. Die Loyalität in den Kundenbeziehungen sinkt, die Preistransparenz steigt, Produkte und Marken gewinnen über soziale Medien viral Marktanteile und ersetzen Althergebrachtes. Ein erster wichtiger Trend ist die veränderte Nutzung der Freizeit. Der Anteil des „linearen“ Fernsehens sinkt und wird durch Streaming von Videos „on demand“ (YouTube, Apple TV, oder Amazon TV bis Netflix) sowie durch Soziale Medien wie SnapChat, TikTok oder Instagram ersetzt. Amerikanische „Kids“ verbrachten Erhebungen zufolge während der Corona-Krise bis zu 5 Stunden täglich auf sozialen Plattformen, britische mehr als 4 Stunden. Gerade bei der jüngeren „Generation Z“ nehmen Spiele eine wichtige Rolle ein, insbesondere auch in den USA und in China. Während der Durchschnittsamerikaner statistisch ein paar Minuten pro Tag für Computerspielen nutzt, verbringt die Generation X täglich 0,7 Stunden ihrer knappen Freizeit mit Computerspielen. Schließlich gewinnen auch digital unterstütztes Fitness-Training und andere gesundheitsorientierte Angebote an Gewicht im Zeitbudget.

Ein zweiter wichtiger Trend dürfte die Tendenz zu Produkten sein, die Nachhaltigkeit oder andere ethische Aspekte oder Werte als Markenbotschaft beinhalten. Indem das Produkt bestimmte Werte signalisiert, erhöht sich die Identifikation der Verbraucher mit dem Produkt. Ein Beispiel: Für die Hälfte der Millennials, also der Generation der 80er und 90er Jahre, spielt die nachhaltige Verpackung eine wesentliche Rolle. Ein dritter wichtiger Trend im Bereich des Konsumverhaltens ist der zur Digitalisierung von Dienstleistungen. Hohes Potenzial haben (weiterhin) digitale Plattformen, über die Leistungen bestellt oder gebucht werden können, während die Dienstleistung selbst physisch erfolgt – also beispielhaft die Buchung von Reisen oder die Bestellung von Essen; interessant sind aber auch Felder, wo die Leistungserbringung ebenfalls digital erfolgt, beispielsweise im Bereich der Ausbildung (Nachhilfe, Schule, Studium) oder Gesundheitswesen.

(4) Gesundheitsversorgung: Wie nur wenige andere Wirtschaftsbereiche ist das Gesundheitswesen oft von Ineffizienzen geprägt, die viel Raum für Produktivitätsgewinne lassen. Ein Ansatzpunkt ist die Verbesserung der Verbraucherorientierung, beispielsweise im Hinblick auf Zugang und Auswahl von Ärzten und Krankenhäusern und anderen medizinischen Diensten, aber auch im Hinblick auf Kostentransparenz und eine stärker ergebnisorientierte Entlohnung medizinischer Leistungen. Ein anderer Ansatzpunkt zur Effizienzsteigerung ist die Digitalisierung von Teilen der Gesundheitsversorgung. Konsultationen können teilweise online erfolgen, Hausbesuche verringert werden; die gesundheitliche Überwachung Pflegebedürftiger kann durch Sensoren und tragbare Geräte unterstützt (was zusätzlich wichtige Daten liefert) und Medikamente automatisiert bereitgestellt werden. Gesundheitsdaten können zentral erfasst und denen, die sie benötigen, zugänglich gemacht werden. Spannend ist schließlich auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz/Machine Learning einerseits im diagnostischen Bereich (beispielsweise Krebserkennung) oder für die Organisation von Prozessen in Krankenhäusern andererseits.

Fazit

Wir sehen eine Reihe langfristiger, durch den technologischen Fortschritt und demographischer Veränderungen geprägter Trends, die die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Jahre und Jahrzehnte entscheidend prägen werden. Hohes Wachstumspotenzial bieten nach unserer Überzeugung gerade auch Geschäftsmodelle, die an den voraussichtlich dynamischen Entwicklungen im Bereich der Finanztechnologie, der Unternehmenstechnologie, an Veränderungen im Konsumentenverhalten und im Bereich des Gesundheitswesens direkt oder indirekt partizipieren. Im Rahmen einer langfristigen, an Qualität orientierten Anlagestrategie sollten diese Themen nach unserer Überzeugung prominent berücksichtigt werden.

Den vollständigen ODDO BHF Marktausblick finden Sie hier im PDF-Format.

Vergangene Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für die Zukunft. Die Rendite kann infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen. Etwaige Meinungsäußerungen geben die aktuelle Einschätzung des Investment Office der ODDO BHF AG wieder, die sich insbesondere von der Hausmeinung innerhalb der ODDO BHF Gruppe unterscheiden und ohne vorherige Ankündigung ändern kann.

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