Rezession voraus? 19.08.2019 22:06:00

Unsicherheiten mehren sich: Warum Analysten denken, dass weitere Zinsschritte in den USA folgen

Unsicherheiten mehren sich: Warum Analysten denken, dass weitere Zinsschritte in den USA folgen

• Immer mehr Unsicherheitsfaktoren belasten die Märkte
• Inverse Zinskurve sendet zusätzliches Warnsignal
• Börsenexperten gehen von weiteren Zinsschritten aus


Handelsstreit, Hongkong-Proteste, Wirtschaftsaussichten sorgen für Unsicherheit

Die Liste der derzeitigen Belastungsfaktoren der internationalen Aktienmärkte ist lang. Zu altbekannten Unsicherheiten, wie dem sich in die Länge ziehenden Handelsstreit zwischen den USA und China, gesellten sich vor Kurzem immer weitere Ereignisse, die die Sorgenfalten von Anlegern weltweit tiefer werden lassen. So schlagen die anhaltenden Proteste in Hongkong gegen die dortige Regierung Wellen auf internationaler Ebene und ziehen nicht nur die Börsen in Asien in die Tiefe. Auch noch immerwährende Sorgen, die Weltkonjunktur könnte sich weiter eintrüben, und den längsten Bullenmarkt in der Geschichte zu einem jähen Ende führen, belasten die Märkte zunehmend.

Anleihemarkt sendet Rezessionssignal

Doch damit nicht genug. Als am Mittwoch am US-amerikanischen und britischen Rentenmarkt dann auch noch eine inverse Zinskurve auftrat, war dies ausreichend, die internationalen Märkte vollends panisch werden zu lassen. Der deutsche Leitindex DAX rauschte unter die 11.500er-Marke, der US-Index Dow Jones Industrial gab 800 Zähler ab und schloss unter der 25.500-Punkte-Marke. Eine inverse Zinskurve, bei der die Renditen von kurzlaufenden Anleihen die von längerfristigen übersteigen, gilt unter Börsenexperten als ein Anzeichen für eine nahende Rezession, was die massiven Ausverkäufe an den Märkten erklärt.

Letzte US-Zinssenkung erst im Juli

Angesichts dieser Entwicklung dürfte es nicht weiter verwundern, dass immer mehr Analysten davon ausgehen, dass die US-Notenbank schon bald den Leitzins erneut senken dürfte. Erst im Juli hatte die Federal Reserve Bank, kurz Fed, bekannt gegeben, eine Zinssenkung von 25 Basispunkten vornehmen zu wollen auf 2,0 bis 2,25 Prozent. Notenbank-Chef Jerome Powell führte in der Begründung dafür die "globale Entwicklung", sowie die Inflation in den USA an. Trotzdem hatte Powell ebenfalls angemerkt, dass nicht davon ausgegangen werden sollte, dass in den kommenden Monaten viele weitere Zinsschritte folgen werden. Es war die erste Zinssenkung seit der Finanzkrise 2008 gewesen. Trotzdem hatte der Zentralbankchef auch durchblicken lassen, sich weiteren Zinssenkungen nicht völlig zu verschließen.

UBS, Morgan Stanley, U.S. Bank Wealth Management glauben an weitere Senkungen

In diesem Zusammenhang geht die Schweizer Großbank UBS im September von neuen Zinsschritten aus. Zwar hatte es bei der Julisitzung der Fed noch geheißen, es sollten keine weiteren Senkungen erwartet werden, die "Handelsentwicklungen sollten jedoch eine weitere Zinssenkung im September rechtfertigen" so Volkswirt Seth Carpenter in einem Kundenbericht. Dabei geht Carpenter darüber hinaus von weiteren Schritten der Fed nach unten im Dezember und März 2020 aus. Er schätzt, dass die Maßnahmen bei einem Prozentsatz zwischen 1 und 1,25 Prozent ein Ende finden.

Die US-Investmentbank Morgan Stanley ist in ihrem Ausblick sogar noch drastischer, wie CNBC berichtet. Neben Zinsschritten im September und Oktober, gehen die Börsenexperten davon aus, dass die Fed im nächsten Jahr zu einem Zinsniveau von fast 0 Prozent zurückfinden könnte. Dabei geht Morgan Stanley-Analystin Ellen Zentner von Schritten in Höhe von jeweils 25 Basispunkten aus, möchte größere Zinssenkungen allerdings auch nicht ausschließen, sollte sich der Ausblick für die US-amerikanische Wirtschaft verschlechtern.

Auch Bill Merz von der U.S. Bank Wealth Management nimmt an, dass größere Zinsschritte wahrscheinlicher werden "in dieser Zeit von extremer Volatilität, Unsicherheit, negativer Stimmung und inverser Kurven", wie ihn CNBC zitiert.

Nun bleibt abzuwarten, welche Entscheidung die Fed bei ihrer Septembersitzung trifft.

Redaktion finanzen.at

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