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Krisenerscheinungen 20.06.2022 22:38:00

Schwache Performance der Tesla-Aktie: Wird Tesla im zweiten Quartal Cash verbrennen?

Schwache Performance der Tesla-Aktie: Wird Tesla im zweiten Quartal Cash verbrennen?

• Tesla-Aktie seit Jahresbeginn mehr als 30 Prozent im Minus
• Schwache Konjunkturaussichten gehen auch an Tesla nicht spurlos vorbei
• Im zweiten Quartal muss Tesla eventuell einen Teil der Cash-Reserven anzapfen

Während Tesla vor allem zwischen 2019 und 2021 Erfolg um Erfolg feiern konnte, lief es 2022 bislang enttäuschend für Anleger des Konzerns rund um den CEO Elon Musk. Zwar konnten die Unternehmenszahlen im ersten Quartal die Erwartungen der Analysten noch übertreffen, doch im zweiten Quartal dürfte sich eine deutlich schwächere Entwicklung ergeben.

Der dramatische Kurssturz der Tesla-Aktie

Tesla war der Börsenstar der vergangenen Jahre. Im Januar 2019 notierten die Papiere des dominierenden Elektroautoherstellers noch bei unter 100 Dollar, bis zum 4. November 2021 stiegen sie dann auf 1.243,49 US-Dollar an. Doch nach dieser fulminanten Rally kehrte 2022 Ernüchterung ein. Derzeit notiert die Tesla-Aktie rund 49 Prozent unter dem Rekordhoch bei nur noch 639,30 US-Dollar (Stand: Schlusskurs vom 16. Juni 2022). Ist die Aktie nun fällig für einen baldigen Turnaround? Oder ist dies vielmehr erst der Anfang eines Crashs beziehungsweise die längst überfällige Korrektur einer langjährigen Überbewertung des US-Autokonzerns? Ein detaillierter Blick auf die vielfältigen Krisen sowie besonders auf die erwartete Bilanz des zweiten Quartals behandelt diese Frage genauer.

Rezessions- und Inflationssorgen machen auch Musk Kopfschmerzen

Seit Januar 2022 haben sich die globalen Konjunkturaussichten enorm eingetrübt. Während Anfang des Jahres viele Experten noch von einem insgesamt positiven Börsenjahr ausgingen, halten inzwischen viele namhafte Investoren wie David Rosenberg die Stagflation für ein Basisszenario. Jamie Dimon rechnet gar mit einem "Hurrikan", welcher der US-Wirtschaft noch bevorstünde. Die Hauptursache für das abflauende Wirtschaftswachstum - oder sogar eine Rezession - ist die rasche Anhebung der Leitzinsen internationaler Notenbanken in Reaktion auf die rasant steigende Inflation, die im Mai in den USA auf Jahressicht 8,6 Prozent betrug.

Auch Tesla wird sich den negativen Auswirkungen einer schwachen Konjunkturlage nicht entziehen können, da der Autobauer abhängig von der Nachfrage nach Elektroautos ist. Bislang überstieg bei Tesla die Nachfrage üblicherweise das Angebot, doch die verhältnismäßig teuren Elektroautos dürften besonders unter einer schlechteren Vermögenssituation der Privathaushalte leiden. So gab Elon Musk denn auch am 3. Juni bekannt, er habe ein "super schlechtes Gefühl" bezüglich der globalen Wirtschaftsentwicklung. Dies verknüpfte der Tech-Milliardär mit der Ankündigung, zehn Prozent der Stellen streichen zu wollen, woraufhin die Tesla-Aktie gen Süden rauschte.

Chinas COVID-Lockdowns trafen Shanghaier Tesla-Fabrik hart

Neben die makroökonomische Problematik tritt die restriktive Null-COVID-Politik der chinesischen Regierung als weiterer Belastungsfaktor. Der Betrieb in Teslas Gigafactory in Shanghai stand im April und Mai zeitweise komplett still. Laut "MarketWatch" konnte Tesla im April lediglich 1.512 in Shanghai hergestellte Autos ausliefern. Zum Vergleich: Im März lag diese wichtige Kennziffer noch bei 66.000 Fahrzeugen. Zwar hat die chinesische Regierung die Maßnahmen inzwischen wieder gelockert, doch weiterhin gibt es große Unterbrechungen innerhalb der globalen Lieferketten und die Gefahr weiterer Lockdowns schwebt wie ein Damoklesschwert über der wieder anlaufenden Tesla-Produktion in Shanghai.

Musks Twitter-Pläne schmecken Tesla-Aktionären nicht

Als wären diese beiden exogenen Faktoren nicht schon genug, gab es auch hausgemachte Gründe für den Abverkauf der Tesla-Aktien. Die Aktionäre des hippen Elektroautobauers reagierten nämlich äußerst verstimmt auf Musks Pläne, den Mikroblogging-Dienst Twitter übernehmen zu wollen. Einerseits verkaufte Musk infolgedessen Tesla-Aktien im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar, was einen starken Verkaufsdruck verursachte. Andererseits hegen Tesla-Aktionäre Befürchtungen, dass Tesla unter den vielfältigen Aktivitäten seines CEO von SpaceX über Boring Company und womöglich auch noch Twitter mittel- bis langfristig leiden wird. So dürfte auch die weitere Entwicklung hinsichtlich Musks potenzieller Twitter-Übernahme den Aktienkurs von Tesla beeinflussen.

Muss Tesla im zweiten Quartal Cash-Reserven anzapfen?

Im Juli wird sich zeigen, ob diese komplexen Krisenerscheinungen sich bereits in den Unternehmenszahlen für das zweite Quartal widerspiegeln werden. Die wohl größte Frage wird darin bestehen, ob "Tesla im zweiten Quartal Cash verbrennen muss", wie Analyst Pierre Ferragu von New Street Research es laut "MarketWatch" formuliert. Geringere Umsatzvolumina werden die Barmittelzuflüsse verringern, aber auch das Betriebskapital stelle einen Gegenwindfaktor dar. Eine "indirekte Auswirkung", die Ferragu erwartet, "ist die Auszahlung von Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit [Kosten] aus dem vorangegangenen Quartal". Falls Tesla tatsächlich den Free Cash Flow anzapfen muss, wäre dies ein bearishes Signal. In den vergangenen acht aufeinanderfolgenden Quartalen gelang es Tesla nämlich, einen positiven Cash Flow zu generieren. Nur in einem Quartal der letzten drei Jahre musste Tesla ebenfalls einen negativen Cash Flow vermelden.

Eine weitere wichtige Kennziffer wird erneut die Anzahl an ausgelieferten Autos bilden. "Bloomberg" zufolge beträgt die durchschnittliche Analystenschätzung 303.000 Autos, doch diese Summe dürfte aller Voraussicht nach nicht erreicht werden. Vielmehr erscheine eine Zahl zwischen 240.000 und 270.000 Fahrzeugen realistisch, so "MarketWatch". Ferragu senkte seine Erwartung von vormals 310.000 auf nun nur noch 251.000 Wagen. Es ist folglich davon auszugehen, dass Teslas Erfolgsserie von acht aufeinanderfolgenden Quartalen mit einem neuen Ausfuhrrekord reißen wird. Die Zeit wird zeigen, ob Tesla nach diesem schwierigen Quartal in den kommenden Monaten wieder in die Erfolgsspur zurückfinden kann.

Redaktion finanzen.at

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