Erwerb einer Wandelanleihe 24.04.2019 17:55:00

Softbank steigt bei Wirecard ein - FT mit neuen Vorwürfen - Wirecard-Aktie kommt von Tageshoch zurück

Softbank steigt bei Wirecard ein - FT mit neuen Vorwürfen - Wirecard-Aktie kommt von Tageshoch zurück

Softbank und Wirecard wollen daneben künftig zusammenarbeiten. So will Softbank den DAX-Konzern beim Markteintritt in Japan und Südkorea unterstützen, wie Wirecard am Mittwoch in Aschheim mitteilte.

Der Einstieg von Softbank, über den die Nachrichtenagentur Bloomberg bereits am Dienstagabend berichtet hatte, könnte für Anleger in diesem Zusammenhang eine beruhigende Nachricht sein. Die Japaner werden in einem ersten Schritt 900 Millionen Euro in eine Wandelschuldverschreibung des Konzerns investieren. Wirecard werde zu diesem Zweck eine Anleihe begeben, die nach Ablauf von fünf Jahren in gut 6,9 Millionen Aktien zu einem Preis von 130 Euro je Stück gewandelt werden. Die Zahl der Aktien entspricht rund 5,6 Prozent des Grundkapitals von Wirecard.

Die Ausgabe der Wandelschuldverschreibung unter Ausschluss des Bezugsrechts der aktuellen Anteilseigner soll von den Aktionären bei der Hauptversammlung am 18. Juni genehmigt werden. Softbank ist weltweit an zahlreichen Technologieunternehmen beteiligt. So hatte das von Masayoshi Son geleitete Unternehmen Anfang 2018 knapp eine halbe Milliarde Euro in die Gebrauchtwagenplattform Auto1 gesteckt. Softbank ist zudem am Fahrdienst Uber beteiligt und ist auch der Eigentümer des US-Mobilfunkers Sprint, den Son aber am liebsten mit der Telekom-Tochter T-Mobile US fusionieren würde.

Mittlerweile hat die von Wirecard beauftragte Untersuchung einer Singapurer Anwaltskanzlei ergeben, dass Mitarbeiter in dem südostasiatischen Inselstaat tatsächlich gegen Bilanzregeln verstoßen haben - allerdings weniger gravierend als von der Zeitung berichtet. In der Zwischenzeit ist nicht nur die Börsenaufsicht eingeschritten: Auch die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es bei den Kursturbulenzen nicht mit rechten Dingen zuging. Beide Behörden ermitteln. Die Bafin hatte Anfang der Woche rund ein Dutzend mutmaßlich Beteiligter bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Um wen es sich handelt, teilte die Bafin nicht mit.

Short-Attacken sind ein Kursmanöver, bei dem Spekulanten eine Aktie gezielt zum Absturz bringen. Die Leerverkäufer leihen sich gegen Gebühr Aktien und verkaufen diese. Sinkt anschließend der Kurs, können sie die Papiere günstiger einkaufen und den Eigentümern zurückgeben, die Differenz zwischen Ver- und Einkaufspreis bleibt als Gewinn. Wirecard war bereits 2008 und 2016 Ziel von solchen Attacken geworden. Möglich ist dies unter anderem deshalb, weil das Geschäftsmodell schwer zu erklären ist und Konzernchef Markus Braun bisweilen auch wenig dafür tat, für mehr Transparenz zu sorgen.

Braun, der selbst sieben Prozent des zuletzt mit etwas mehr als 15 Milliarden Euro bewerteten Unternehmens hält, tritt am Donnerstag bei der wegen der Bilanzierungsprobleme verschobenen Pressekonferenz zu den 2018er-Zahlen an die Öffentlichkeit. Dabei will Wirecard auf die Vorwürfe reagieren und mit mehr Kennzahlen eine größere Transparenz herstellen. Zudem sollen diejenigen Abteilungen überdurchschnittlich ausgebaut werden, die das operative Geschäft beaufsichtigen. Das Unternehmen war in der Vergangenheit auch durch Übernahmen stark gewachsen, was die Aufsicht über die Einhaltung von gesetzlichen Regeln erschwert haben könnte.

Nach Informationen des "Handelsblatts" könnte zudem der Aufsichtsrat und Vorstand erweitert werden. Dies wurde zuletzt immer wieder von Investoren gefordert, um die Strukturen des Unternehmens an die inzwischen gewonnene Größe anzupassen.

Wirecard-Aktien profitieren zunächst stark von Softbank-Einstieg

Wirecard-Aktien legen am Mittwochnachmittag in Spitze rund 12 Prozent auf 142,65 Euro zu.
Auch charttechnisch erhielten die Wirecard-Papiere wieder Unterstützung. Die viel beachtete exponentielle 200-Tage-Linie, die als Indikator für den längerfristigen Trend gilt und derzeit bei 130,60 Euro verläuft, haben sie mit dem Kurszuwachs übersprungen.

Am Vortag hatten die Wirecard-Anteile nach anfänglich kräftigen Kursverlusten doch noch deutlich höher geschlossen. Das Ende des Leerverkaufsverbots, das die Finanzaufsicht Bafin ausgesprochen hatte, war am Markt zunächst skeptisch gesehen worden, denn Spekulanten können nun wieder auf fallende Kurse wetten.

Einige hätten Angst gehabt, dass nach dem Auslaufen des Verbots die Aktie wieder fallen könnte, aber nun bilde die Aktie technisch betrachtet einen Boden aus, kommentierte Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets. Die Nachricht über den Einstieg von Softbank dürfte eine mögliche Fortsetzung der Aufwärtsbewegung auch aus fundamentaler Sicht untermauern, erwartet er.

Auch Analyst Knut Woller von der Baader Bank wertet den Softbank-Einstieg bei Wirecard und die vereinbarte strategische Partnerschaft klar positiv. Japan und Südkorea seien im Grunde noch weiße Flecken auf der Landkarte von Wirecard gewesen. In diesen beiden Ländern könne der Dax-Konzern nun mit seinen Produkten vorankommen. Seine starke Umsatzdynamik dürfte Wirecard beibehalten, wenn nicht sogar beschleunigen.

FT erhebt neue Vorwürfe gegen Wirecard - Wirecard dementiert

Am späten Mittwochnachmittag kamen die Wirecard-Aktie von ihrem Tageshoch im Xetra-Handel zurück und legten zeitweise lediglich noch rund 5 Prozent zu. Laut "Financial Times" stammt ein Großteil der Wirecard-Gewinne aus den Jahren 2016 und 2017 von drei undurchsichtigen Partnerunternehmen. Ein erheblicher Anteil sei vom Tochterunternehmen CardSystems Middle East verbucht worden und nicht durch entsprechende Cashflows unterlegt, berichtet die "FT" unter Berufung auf vorliegende Dokumente. 2016 seien 95 Prozent des EBITDA auf die Partner PayEasy, Senjo und Al Alam zurückzuführen, so die "FT" weiter. Wirecard teilte dazu mit, "der FT-Artikel enthält wie alle anderen auch viele falsche und irreführende Aussagen".

Zuletzt zogen die Wirecard-Papiere wieder an und legten im Xetra-Geschäft um 8,5 Prozent auf 134 Euro zu.

ASCHHEIM (dpa-AFX) / FRANKFURT (dpa-AFX Broker) / Redaktion finanzen.at

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Bildquelle: Wirecard AG