Angst & Gier 07.09.2018 17:23:00

Bitcoin und die Tulpenkrise: Die Geschichte wiederholt sich

Bitcoin und die Tulpenkrise: Die Geschichte wiederholt sich

Der beispiellose Aufstieg und dramatische Fall des Bitcoin weckt bei vielen Erinnerungen an die großen Spekulationsblasen der Geschichte wie die Tulpenmanie oder die Südseeblase. Als Folge dessen kann man sich nun schon die Frage stellen, ob die Kryptowährung in nicht allzu ferner Zukunft auch als eine der großen oder sogar als die größte Blase in die Geschichtsbücher eingehen wird.

Die Mutter aller Spekulationsblasen

Nach einem Anstieg um das 60-fache auf knapp 20.000 US-Dollar innerhalb von nur drei Jahren brach der Bitcoin alle bisherigen Spekulationsblasen-Rekorde. Auch der darauffolgende Kurseinbruch von über 70 Prozent auf unter 6.000 US-Dollar pro Bitcoin sucht seinesgleichen in der Historie der wirtschaftlichen Überhitzungen. Denn die Bedenken über regulatorische Hürden und sicherheitsrelevante Faktoren verwandelten die Gier und Euphorie der Bitcoinkäufer im Handumdrehen in Angst und Panik. Ein Szenario, dass sich in der Geschichte der internationalen Finanzmärkte schon des Öfteren wiederholt hat. Um nun herauszufinden, ob der Bitcoin-Crash als die größte Spekulationsblase der Menschheit in die Annalen der Geschichte eingehen wird, muss man zuerst einen Blick in das 17. und 18. Jahrhundert werfen.

Ein ganzes Land im Tulpenfieber

Die wohl erste große Preisübertreibung der Börsengeschichte ereignete sich schon Anfangs des 17.Jahrhunderts in den Niederlanden. Die niederländische Oberschicht war zu dieser Zeit so fasziniert von der Schönheit der aus der Türkei stammenden Tulpe, dass eine regelrechte Sammelwut für die Tulpenzwiebel ausgebrochen ist. Plötzlich gehörte es zum guten Ton eigene Tulpen zu züchten. Die rege Kauflust der wohlhabenden Bevölkerung, nach den damals in Europa noch sehr seltenen Knollen, befeuerte allerdings auch die Stückpreise der Blumen. Da die Nachfrage nach den Tulpenzwiebeln immer mehr zunahm, das Angebot jedoch wegen der komplizierten Zucht nicht entsprechend erweitert werden konnte, schossen die Preise immer weiter in die Höhe. Bald darauf begann man, die Tulpenzwiebeln nicht nur zu tauschen und zu handeln sondern sie auch als Investitionsobjekt zu betrachten.

Gier frisst Hirn!

Der immer weiter steigende Wert der Tulpenzwiebeln ließ die Menschen schnell glauben, dass sich die Preise der Knollen nur noch in eine Richtung entwickeln können. Diese unglaubliche Preisrally rief damals wie heute mit dem Bitcoin viele Ahnungslose auf den Plan, die glaubten, durch eine unüberlegte Investition zu schnellem Reichtum zu gelangen.

Auf dem Höhepunkt der Spekulationsblase erzielte eine spezielle Sorte von drei Tulpenzwiebeln sogar einen Preis von 30.000 Gulden. Das durchschnittliche Jahreseinkommen der niederländischen Bevölkerung betrug zu diesen Zeitpunkt jedoch gerade einmal 150 Gulden.

Der Schock von Alkmaar

Als im Februar 1637 im niederländischen Alkmaar bei einer regelmäßigen Wirtshausversteigerung für Tulpenzwiebeln jedoch nicht mehr die erwarteten Preise für die Knollen erzielt werden konnten, brachen die Menschen in Panik aus. Die Nachricht über die gefloppte Auktion in Alkmaar verbreitete sich in nur wenigen Tagen über das ganze Land. Spekulanten, welche zuvor Unsummen für Tulpenzwiebeln ausgegeben hatten, versuchten nun ihre Knollen noch zu akzeptablen Preisen zu verkaufen. Allerdings verloren zu diesem Zeitpunkt auch die potenziellen Käufer ihr Interesse an den Tulpen.

99,9-prozentiger Wertverlust

Die Knollenpreise der Liebhaberpflanze stiegen im Zeitraum von drei Jahren um das 35-fache ihres ursprünglichen Wertes. Somit fiel die Preisexplosion der Tulpenzwiebel etwas moderater aus, als die des Bitcoin. Jedoch reduzierte sich der Preis pro Tulpenzwiebel im Laufe des Crashs nicht nur um 70 Prozent sondern um gut 99,9 Prozent. Denn nach dem Platzen der Tulpenblase waren die Zwiebeln der Blume so gut wie wertlos.

Die Geschichte wiederholt sich

Neben dem Blick auf die Tulpenmanie aus dem 16. Jahrhundert, lohnt sich auch die Betrachtung der Mississippi-Spekulation und der Südseeblase aus dem 18. Jahrhundert. Beide Spekulationsblasen gehören zu den wohl bedeutendsten Blasen der frühen Neuzeit.

Die britische Südseeblase

Der florierende Wertpapierhandel an der Börse in London zog Anfang des 18. Jahrhunderts viele Spekulanten auf das Parket. Wie in jeder wirtschaftlichen Überhitzung waren die Menschen von den sagenhaften Profitversprechungen, welche durch die 1711 gegründete Handelsgesellschaft der South Sea Company gemacht wurden, geblendet, und stürzten sich auf die Anteilsscheine dieser Gesellschaft. Der Kurs der Aktie mit dem Nennwert von 100 Pfund lag am Anfang des Jahres 1720 noch bei 120 Pfund und schoss innerhalb von sechs Monaten auf über 950 Pfund.

Leere Versprechungen und ruinierte Investoren

Da die Gesellschaft jedoch nie wirklich Geld mit dem Südseehandel verdient hat, reichten auch die liquiden Mittel nicht aus, um die zugesicherte Dividende auszuschütten. Aufgrund dessen fiel der Kurs der South Sea Company-Aktie innerhalb nur weniger Tage um fast 90 Prozent. Einer der wohl bekanntesten Investoren der South Sea Company, der Physiker Isaac Newton, welcher während des Crashs selbst rund 20.000 Pfund verlor, sagte in Bezug auf seine Fehlinvestition: "Ich kann die Bewegung eines Körpers messen, aber nicht die menschliche Dummheit."

Zwar vervielfachten sich die Preise der Aktien der South Sea Company im Vergleich zum Bitcoin nur um das 9-fache und nicht das 60-fache, dennoch war der anschließende Crash mit einem Preisrücksetzer von fast 90 Prozent um ein vielfaches unliebsamer wieder gegenwärtige Rücksetzer des Bitcoin.

Die französische Mississippi-Spekulation

Fast parallel zur Südseeblase an der Börse in London entwickelte sich in Frankreich die Spekulationsblase um die sogenannte Mississippi-Kompanie. Auch die Aktien der 1717 in Frankreich gegründeten Gesellschaft, welche sich auf die Ausbeutung der französischen Kolonien in Amerika fokussieren sollte, stießen auf eine rege Nachfrage unter den Investoren. Innerhalb nur weniger Monate wurden nichtadlige Spekulanten zu angesehenen Millionären des Pariser Establishments. "Man sieht 800 neue Kutschen in Paris, und die reich gewordenen Familien kaufen neues Tafelsilber, neue Möbel, exquisite Gewänder und neue Reitpferde", so ein britischer Botschafter im September 1719.

Die Grande Nation im Spekulationsfieber

Der Aktienkurs der Mississippi-Kompanie kletterte innerhalb nur eines Jahres um das über 38-fache seines ursprünglichen Wertes. Die vom Schotten John Law gegründete Gesellschaft gab Aktien im Nennwert von 50 Livres aus. Da der Wert der Papiere kontinuierlich stieg, grassierte bald in ganz Frankreich das Spekulationsfieber. Im absoluten Hoch erzielten die Anteilsscheine dann sogar Preise von über 2.000 Livres. Als die versprochenen Profite der Mississippi-Kompanie jedoch ausblieben und die Suche nach Gold und Silber in Louisiana keine Ergebnisse lieferte, begannen die ersten Investoren ihre Aktien abzustoßen und setzten somit die Abwärtsspirale in Gang.

Am 17. Juli 1729 war die Mississippi-Gesellschaft dann endgültig zahlungsunfähig. Der Gründer und Geschäftsleiter der Handelsgesellschaft John Low floh mit seiner Familie aufgrund der tragischen Insolvenz seiner Firma nach Venedig, um der Rache der ruinierten Anleger zu entfliehen.

Bitcoin toppt alle historischen Blasen

Vergleicht man den zurückliegenden Bitcoin-Boom mit den größten Spekulationsblasen der Geschichte, können deutliche Analogien festgestellt werden.
Der kometenhafte Aufstieg der Kryptowährungen weckte, wie zu Zeiten des Tulpen-Wahns, der Südseeblase oder der Missippi-Spekulation, die Sehnsucht der Menschen nach dem schnellen Reichtum. Die explosionsartige Preissteigerung des Bitcoin im vergangenen Jahr konnte dabei sogar die historischen Zuwachsraten der Tulpenzwiebelpreise aus dem 17. Jahrhundert und die der Aktienkurse der gefloppten Gesellschaften aus dem 18. Jahrhundert übertrumpfen. Allein aus diesem Grund wird der Bitcoin, als die wohl größte Spekulationsblase des frühen 21. Jahrhunderts, in die Geschichte eingehen.

Pierre Bonnet / finanzen.net

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