22.05.2020 13:03:01

Goldpreis: Neuer Glanz in Sicht - Die Aussichten, die Risiken, die Top-Tipps - Teil 1

Der Preis des Edelmetalls notiert so hoch wie lange nicht. Besonders gefragt ist es bei Investoren, doch der Schmuckhandel lahmt. Wohin die Reise geht, warum es unruhig werden kann, welche Investitionen sich lohnen.

Es sind nicht die zaghaften Prognosen, die auffallen, sondern die kraftvollen. Ob sie sich später als wahr erweisen werden oder als Übertreibung, ist zum Zeitpunkt ihres Entstehens ungewiss. Sicher ist dagegen, dass sie viel Aufmerksamkeit erhalten. Dies ist der Bank of America mit ihrer Vorhersage, der Goldpreis werde in den kommenden 18 Monaten auf 3.000 US-Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm) emporschnellen, zweifellos gelungen. Das Finanzinstitut veröffentlichte seine Prognose vor zwei Wochen in einer Studie mit dem Titel "The Fed can’t print gold" - die US-Notenbank kann zwar Geld drucken, als gäbe es kein Morgen, doch Gold drucken kann sie nicht.

Das Verhalten der Notenbanken rund um den Globus ist ein Grund, warum Goldoptimisten zurzeit Oberwasser haben. Die Währungshüter weltweit haben sich in den vergangenen Wochen mit Notprogrammen überboten, um den wirtschaftlichen Einbruch durch die Corona-Krise zu mildern und die Finanzmärkte zu stabilisieren. Die Federal Reserve hat den Leitzins kurzerhand auf null bis 0,25 Prozent gesenkt und ihre Bilanzen mächtig erweitert.

Ebenso wie die Europäische Zentralbank und andere Notenbanken kauft sie Wertpapiere wie Anleihen, um Staaten und Unternehmen eine höhere Verschuldung zu ermöglichen. Selbst Papiere wenig verlässlicher Schuldner sind nicht mehr tabu. "Daneben schnüren viele Regierungen weitere Hilfspakete von Milliarden und Abermilliarden für ihre Wirtschaft, wodurch die ohnehin schon hohen Schuldenberge der Länder noch weiter steigen", sagt Daniel Briesemann, Rohstoffanalyst der Commerzbank. "Dies macht Gold als wertstabile Anlage attraktiv."

Anhaltende Hausse

Dass das Edelmetall derzeit gefragt ist, zeigt sich deutlich im Preis. Der steht bei rund 1.700 US-Dollar pro Unze, zwölf Prozent höher als zu Jahresanfang, ein Drittel höher als vor zwölf Monaten. Zum Allzeithoch fehlt nicht mehr viel: Im September 2011 markierte Gold mit 1.921 Dollar einen Rekordstand. In Euro gerechnet ist die Höchstmarke aus dem Jahr 2011 wegen Wechselkurseffekten sogar schon übertroffen worden. Vor zwei Wochen stand das Edelmetall bei 1.613 Euro - so hoch wie nie zuvor. Und schon früher im vergangenen und im laufenden Jahr hatte Gold in Euro neue Allzeithochs erklommen.


Aktuell sind es vor allem die mittel- bis langfristig orientierten Investoren, die den Goldpreis treiben. Sie kaufen Anteile von ETFs und ETCs - Anlageprodukte, die die Entwicklung der Edelmetallnotierung exakt wiedergeben. Deren Bestände steigen seit Monaten nahezu ohne Unterlass. Insgesamt verwalten die wichtigsten Produkte weltweit mittlerweile mehr als 3.300 Tonnen Gold im Gegenwert von 183 Milliarden Dollar - auch dies ein Allzeithoch. Um etwa 450 Tonnen stockten die vom Nachrichtendienst Bloomberg verfolgten ETFs ihre Bestände im laufenden Jahr auf, allein im April kamen knapp 160 Tonnen hinzu.

Kurzfristig orientierte Großanleger sind dagegen momentan nicht die treibende Kraft hinter dem Goldpreisanstieg. An den Terminmärkten, wo mit Futures auf Preisveränderungen gewettet wird, sind die Spekulanten, die steigende Notierungen erwarten, nur moderat in der Überzahl. Investoren mit längerem Anlagehorizont werden das gern hören. Denn die Gefahr, dass die sprunghaften Anleger die Rally befeuert haben und ihr anschließend durch schnelle Verkäufe den Garaus machen, ist überschaubar.

Etwas nachgelassen im Vergleich zum Vorjahr hat die Nachfrage vonseiten der Notenbanken. Sie kauften nach den vor wenigen Tagen veröffentlichten Zahlen des World Gold Council im ersten Quartal 145 Tonnen des Edelmetalls. Keinerlei Unterstützung erhält der Goldpreis aktuell durch Schmuckkäufer. Sie sind normalerweise eine bedeutende Größe im globalen Goldmarkt. Doch während die Corona-Krise im Westen die Anleger in Gold-ETFs treibt, bremst sie in Asien die Nachfrage gewaltig. So sind im April die indischen Goldimporte fast vollständig zum Erliegen gekommen. "Einer Person aus dem Umfeld der Regierung zufolge beliefen sich die Importe nur noch auf 50 Kilogramm, was einem Rückgang um 99,9 Prozent entspricht", sagt Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Im Vorjahresmonat hatten die Einfuhren bei 110 Tonnen gelegen.

Seit Ende März sind die Goldgeschäfte geschlossen, Lieferketten aufgrund der Einschränkung des Flugverkehrs unterbrochen. Ähnliches gilt für China, den zweiten großen Abnehmer von Goldschmuck in Asien. Zu den bestehenden Hemmnissen kommt hinzu, dass Gold in den lokalen Währungen extrem teuer ist. Denn diese haben zuletzt gegenüber dem US-Dollar abgewertet. Das dämpft die Lust der Asiaten auf Gold zusätzlich.

Teil 2 am Dienstag zeigt den Wert von Gold aus Baustein für ein ausgewogenes Depot.

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