Boom erwartet 07.05.2020 22:58:00

Rohstoff-Analyst: "Epische Pleite" wird sich positiv auf Ölpreis auswirken

Rohstoff-Analyst: "Epische Pleite" wird sich positiv auf Ölpreis auswirken

• Panik am Terminmarkt sorgte für Rekord-Tiefpreis
• Pleitewelle unter Ölfirmen könnte die Preise stützen
• Erdölnachfrage wird zwangsläufig steigen

Die Corona-Pandemie hat die weltweite Nachfrage nach Öl innerhalb kürzester Zeit um fast ein Drittel einbrechen lassen. Dieser Umstand führte nun zu einer Marktanomalie, die sich vor wenigen Monaten kaum ein Investor hätte vorstellen können. So rutsche der Ölpreis für die US-Sorte WTI erstmals in der Geschichte in den negativen Bereich und markierte bei minus 40,32 US-Dollar je Barrel (159 Liter) seinen absoluten Tiefpunkt in der Historie. "Seit Einführung der Future-Märkte 1985 hat es sowas noch nie gegeben", so der Kommentar von Salah-Eddine Bouhmidi von IG, laut einem Bericht der boerse.ARD, in Bezug auf den geschichtsträchtigen Vorgang am Ölmarkt.

US-Öllager quellen über

Grund für den extrem Preisrücksetzer am Erdölmarkt waren dabei vor allem die ausgereizten Lagerkapazitäten in den USA. So fürchteten sich viele Future-Händler vor einer physischen Lieferung des spekulativ gekauften Öls, welches dann unter extrem hohen Kosten gelagert werden müsste, und bezahlten dementsprechend sogar noch dafür, damit ihnen jemand das auf Termin gekaufte Öl wieder abnimmt. "Inhaber von Mai-Kontrakten waren effektiv bereit, jemanden zu bezahlen, der sie aus ihren Long-Positionen herausholt… um zu vermeiden, dass im nächsten Monat Rohöl physisch geliefert wird", so der Goldman Sachs-Analyst Damien Courvalin in einer Mitteilung an seine Kunden.

In diesem Zusammenhang stellten sich die Marktteilnehmer die berechtigte Frage: "Wohin mit dem ganzen Öl?", wirft der Experte von IG auf. "Die physikalische Realität von Öl ist, dass es ohne Raffinerie schwierig zu handhaben, flüchtig, potenziell umweltschädlich und tatsächlich nutzlos ist. […] Wenn sie ein stinkendes Barrel Öl in ihrem Garten hätten, würden sie jemandem 100 Dollar pro Barrel bezahlen, um es zu entfernen? Ja, und sie wären wahrscheinlich erleichtert, dass ihnen keine 300 Dollar berechnet wurden", so Paul Sankey, Analyst bei Mizuho, in einem Bericht an seine Kunden.

US-Schieferölproduzenten stehen vor dem Kollaps

Dieses Lagerungsproblem ist nun sogar so gravierend, dass es nun bald die ersten Firmen in der US-Schieferölindustrie in die Knie zwingen dürfte. Zwar haben schon jetzt einige Schieferölproduzenten eine Vielzahl ihrer geplanten Bohrprojekte abgesagt und ihre Lagerkapazitäten massiv erhöht, dennoch konnte der Preisverfall so noch nicht abgefedert werden. Laut Experten wird die Gesamtzahl der US-Fracking-Projekte im April im Vergleich zum Höchststand Anfang 2020 sogar um bis zu 60 Prozent sinken.

Sofern die Schieferölquellen inmitten der Produktion abgeschaltet werden müssen, dürften jedoch, nach Einschätzung einiger Experten, einige Förderanlagen große Probleme bekommen. "Es wird Zeit und Geld kosten, um es wieder einzuschalten. Es ist nicht wie ein Lichtschalter", so David Trainer in einer Mitteilung an seine Kunden. Trainier fungiert als CEO von New Constructs, einem Research-Unternehmen aus Nashville.

Nach Schätzungen der norwegischen Research-Unternehmens Rystand Energy dürften bis Ende 2021, sofern der WTI-Preis im Bereich von rund 20 US-Dollar pendelt, rund 533 US-amerikanische Ölproduzenten in die Insolvenz rutschen. Selbst in einem Preisumfeld von 30 US-Dollar werden noch mehr als 200 US-Produzenten zahlungsunfähig.

Eine Pleitewelle ist gut für den Ölpreis

Falls in den kommenden Wochen und Monaten tatsächlich eine Vielzahl der US-Ölfirmen Insolvenz anmelden müssen, wird das Angebot an Schieferöl auf dem US-Markt mittelfristig stark einbrechen. "Wenn die Nachfrage wieder online geht, werden nicht so viele Leute da sein, um das Öl herzustellen", so David Trainer. "Endlich werden die Voraussetzungen für höhere Preise geschaffen, sobald sich die Nachfrage allmählich erholt", so auch die Einschätzung des Goldman-Analyst Courvalin in Bezug auf den anstehenden Kollaps einiger Ölfirmen.

"So schwer es zu glauben ist, der nächste Schritt ist ein Boom"

Aktuell könnten somit optimale Bedingungen für einen gewaltigen Preisanstieg geschaffen werden. Denn wenn sich die Nachfrage eines Tages schlagartig erholt, wird möglicherweise nicht genügend Öl vorhanden sein, um diese zu bedienen. Diese Meinung vertritt zumindest der Energie-Analyst Pavel Molchanov von Raymond James. "Wir befinden uns in einer epischen Pleite. So schwer es zu glauben ist, der nächst Schritt ist ein Boom", so der Analyst laut CNN-Business.

Molchanov schätzt, dass gegenwärtig weltweit rund 3,6 Milliarden Menschen unter einer Ausgangssperre leben müssen, was laut der Internationalen Energieagentur die globale Ölnachfrage in diesem Jahr um rund 9,3 Millionen Barrel pro Tag reduzieren wird. Dieser Zustand wird nach der Meinung des Analysten jedoch nicht ewig anhalten und irgendwann wird die Welt wieder nach Öl dürsten. "Wenn die Nachfrage wieder auf ein normales Niveau zurückkehrt, ist es durchaus möglich, dass es 2021 zu einer Knappheit kommt", so das Urteil des Rohstoff-Experten.

Die Erdöl-Nachfrage wird zwangsläufig steigen

Zwar weiß zum aktuellen Zeitpunkt noch niemand, wie und wann sich die Nachfrage am Ölmarkt wieder erholen wird, jedoch ist es höchst wahrscheinlich, dass der Großteil der Bevölkerung nach der Krise wieder unzählige Liter Benzin und Diesel im privaten PKW, auf Fernflügen oder auf Kreuzfahrtschiffen verbrauchen wird. "Wir sind soziale Wesen. Wir werden wieder normal werden wollen", so der CEO von New Constructs, David Trainer, in seinem ermunternden Bericht.

Pierre Bonnet / Redaktion finanzen.at

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Ölpreis (Brent) 34,58 0,31 0,90
Ölpreis (WTI) 32,54 0,32 0,99
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