Einfuhr-Zölle 14.05.2024 21:33:00

Tesla-, Rivian- und Lucid-Aktien legen zu: USA kündigen hohe Zölle für Elektroautos, Halbleiter und Solarzellen aus China an

Tesla-, Rivian- und Lucid-Aktien legen zu: USA kündigen hohe Zölle für Elektroautos, Halbleiter und Solarzellen aus China an

Aus Peking hieß es, die Zollerhöhung sei vor allem eine symbolische Geste, mit der die Regierung Biden versuche, im immer härter werdenden Wahlkampf gegenüber China hart aufzutreten. Die aktuellen Zölle hätten chinesische Fahrzeuge bereits effektiv vom US-Automarkt ferngehalten, schrieb die amtliche chinesische Staatsagentur Xinhua.

Das chinesische Handelsministerium schob mit einer Drohung nach: "Die USA sollten ihre falschen Praktiken sofort korrigieren und die gegen China verhängten Zusatzzölle aufheben", hieß es in einer Mitteilung. China werde "entschlossene Maßnahmen ergreifen, um seine eigenen Rechte und Interessen zu verteidigen". Die USA hätten sich aufgrund "innenpolitischer Erwägungen" zu dem Schritt entschlossen. Wirtschafts- und Handelsfragen würden politisiert und instrumentalisiert.

Die Zollerhöhung widerspreche auch "dem Geist des von den beiden Staatschefs erzielten Konsenses, was die Atmosphäre der bilateralen Zusammenarbeit ernsthaft beeinträchtigen wird", so das chinesische Ministerium weiter.

Für chinesische Elektroautos galten in den USA bereits Zölle von 25 Prozent, die sie - anders als in Europa - von dem Markt fernhielten. Chinesische Hersteller bekämen unfaire Subventionen und könnten dadurch mit billigen Fahrzeugen den Wettbewerb verzerren, sagte Bidens Wirtschaftsberaterin Brainard. Die chinesischen Elektroauto-Exporte seien 2023 um 70 Prozent gestiegen - und das gefährde die Investitionen in anderen Ländern, argumentiert die US-Regierung. Unter anderem Tesla-Chef Elon Musk warnte bereits Anfang des Jahres vor der Übermacht chinesischer Hersteller: "Wenn es keine Handelsschranken gibt, werden sie die meisten anderen Autofirmen in der Welt so ziemlich zerstören."

Biden habe in seiner Heimatstadt Scranton im Bundesstaat Pennsylvania gesehen, was passiere, wenn die Produktion in andere Länder abwandere, sagte die Handelsbeauftragte. Deshalb wolle er für fairen Wettbewerb sorgen. Biden, der sich im November zur Wiederwahl stellen will, machte in seiner Amtszeit Dutzende Milliarden für Investitionen unter anderem in die Chipbranche, Infrastruktur und Fertigung locker. Schon Bidens Vorgänger Donald Trump hatte Importe aus China mit Zöllen belegt.

Die weiteren Sonderzölle für chinesische Produkte im Detail:

- Solarzellen: Die Zölle steigen in diesem Jahr von 25 auf 50 Prozent. Die chinesischen Produktionskapazitäten in dem Bereich seien auf dem Weg, doppelt so hoch wie die kurzfristig erwartete globale Nachfrage zu sein, warnte Brainard. Auch dies gehe auf unfaire Praktiken zurück. In jedem Produktionsschritt kontrolliere China mehr als 70 Prozent der globalen Kapazität - und das gefährde die Versorgungssicherheit. In Deutschland schloss in Sachsen die Solar-Firma Meyer Burger aus der Schweiz ihren Produktionsstandort unter mit Verweis auf den Preisdruck aus Fernost.

- Hafenkräne: Für die großen Maschinen, die Schiffe be- und entladen, werden neue Zölle von 25 Prozent verhängt. Die US-Regierung will wieder mehr Hafenkräne im eigenen Land bauen. Im vergangenen Jahr gab es auch Warnungen, die in China gebaute Technik könne die Gefahr von Spionage oder Sabotage bergen.

- Medizinprodukte: Für Spritzen und Nadeln wird neu ein Zoll von 50 Prozent eingeführt. Für einige Schutzmasken steigen die Zölle von bislang maximal 7,5 Prozent auf 25 Prozent. Bei medizinischen Handschuhen wird die Erhöhung von 7,5 auf 25 Prozent bis zum Jahr 2026 aufgeschoben.

- Halbleiter: Die Zölle sollen bis zum Jahr 2025 von 25 auf 50 Prozent steigen. Aus China kommen in die USA zwar nicht die modernsten Chips - aber Halbleiter-Technik aus älteren Produktionsprozessen, die etwa in Autos oder Hausgeräten zum Einsatz kommt. Biden nimmt zugleich 39 Milliarden Dollar in die Hand, um neue Chip-Fabriken in den USA zu subventionieren. Das wird auch als Frage der nationalen Sicherheit gesehen.

- Stahl und Aluminium: Für einige Metallprodukte steigen die Zölle von 7,6 auf 25 Prozent. Brainard verwies unter anderem darauf, dass die chinesische Stahlindustrie auf Produktionsprozesse mit höherem CO2-Ausstoß setze, während amerikanische Hersteller in klimafreundlichere Technologien investierten.

- Batterien: Bei Lithium-Ionen-Akkus für Elektroautos sollen die Zölle in diesem Jahr von 7,5 auf 25 Prozent steigen. Bei solchen Batterien für andere Technik wird die Erhöhung bis 2026 aufgeschoben. Zudem gibt es Zölle von 25 Prozent für einige Elektronik-Bauteile wie Magnete.

Debatte um Elektroauto-Strafzölle: Scholz verweist auf Austausch mit China

Bundeskanzler Olaf Scholz hat sich zurückhaltend zu möglichen EU- Strafzöllen auf chinesische Elektrofahrzeuge geäußert. Bei seinem Besuch in Stockholm wies der SPD-Politiker am Dienstag auf den "wechselseitigen Austausch" zwischen der Europäischen Union und China hin. "Europäische Hersteller sind erfolgreich auf dem chinesischen Markt und verkaufen auch sehr viele Fahrzeuge, die in Europa produziert werden, nach China", sagte Scholz nach einem Treffen mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson. Zudem kämen 50 Prozent der aus China importierten Elektroautos von westlichen Marken, die dort produzieren.

Zuvor hatte US-Präsident Joe Biden die bestehenden Sonderzölle auf E-Autos aus China auf 100 Prozent angehoben. Die Vereinigten Staaten werfen Peking vor, den Wettbewerb durch erhebliche staatliche Subventionen zu verzerren. Aus dem gleichen Grund hatte im vergangenen Jahr auch die EU-Kommission angekündigt, eventuelle Strafzölle zu prüfen. Scholz betonte in Stockholm, die Ergebnisse dieser Prüfung lägen noch nicht vor.

China sieht in US-Zöllen Wahlkampfmanöver Bidens

Nach der Ankündigung höherer Sonderzölle auf Elektroautos und andere chinesische Waren hat China den USA ein Wahlkampfmanöver vorgeworfen. "Die neu angekündigte Zollerhöhung ist vor allem eine symbolische Geste, mit der die Regierung Biden versucht, inmitten des immer härter werdenden Wahlkampfs um die Präsidentschaftskandidatur gegenüber China hart aufzutreten", schrieb die amtliche chinesische Staatsagentur Xinhua am Dienstag nach Bekanntgabe der Zölle durch die US-Regierung.

Die aktuellen Zölle, die erstmals vom ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump 2018 eingeführt und nun von der Biden-Administration angepasst wurden, hätten chinesische Fahrzeuge bereits effektiv vom US-Automarkt ferngehalten.

Der chinesische Staatssender CCTV sprach von einem "Missbrauch handelsprotektionistischer Maßnahmen durch die USA". Er werde die Modernisierung der US-Autoindustrie ernsthaft behindern. Auch für die Verbraucher seien negative Auswirkungen zu erwarten. Zudem würden die weltweiten Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel untergraben.

Schon vor Bekanntgabe der US-Maßnahmen hatte das Pekinger Außenministerium am Dienstag eine Warnung ausgesprochen. "China hat sich stets gegen die einseitige Einführung von Zöllen ausgesprochen, die gegen die WTO-Regeln verstoßen", sagte Ministeriumssprecher Wang Wenbin. China werde "alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um seine legitimen Rechte und Interessen zu wahren".

EU-Kommission reagiert zurückhaltend auf höhere US-Zölle gegen China

Die EU-Kommission hat zurückhaltend auf neue US-Sonderzölle gegen Elektroautos aus China reagiert. Die Behörde nehme die Entscheidung der Amerikaner zur Kenntnis und prüfe, welche Auswirkungen diese auf die EU haben könnte, sagte ein Sprecher der Kommission am Dienstag in Brüssel. Details dazu, wie die Kommission den Schritt der Amerikaner bewertet, nannte der Sprecher zunächst nicht.

US-Präsident Joe Biden versperrt Elektroautos aus China den Weg in die USA mit Sonderzöllen von 100 Prozent, wie die US-Regierung am Dienstag ankündigte. Zudem verhängen die US-Amerikaner neue oder stark erhöhte Zölle unter anderem für Solarzellen, Halbleiter, Hafenkräne und Medizinartikel wie Kanülen und Schutzmasken. China flute die globalen Märkte mit künstlich verbilligten Exporten, hieß es vonseiten der US-Regierung. Die Maßnahmen seien zugleich auf einige strategisch wichtige Bereiche beschränkt.

Die EU untersucht derzeit selbst, inwiefern China den Markt für E-Autos verzerrt. Auch dazu nannte ein Sprecher am Dienstag keine neuen Details. Eine Entscheidung, ob die EU etwa Strafzölle erhebt, steht noch aus. Anfang vergangener Woche zeigte sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach einem Dreiertreffen mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Paris entschlossen. "Wir werden unsere Firmen verteidigen, wir werden unsere Wirtschaft verteidigen, wir werden nie zögern das zu tun, wenn das nötig ist", sagte die deutsche Spitzenpolitikerin.

China kündigt 'entschlossene Maßnahmen' gegen neue US-Strafzölle an

Nach der Ankündigung neuer Strafzölle hat China den USA mit Konsequenzen gedroht. "Die USA sollten ihre falschen Praktiken sofort korrigieren und die gegen China verhängten Zusatzzölle aufheben", hieß es am Dienstag in einer Mitteilung des Pekinger Handelsministeriums. China werde "entschlossene Maßnahmen ergreifen, um seine eigenen Rechte und Interessen zu verteidigen". Die USA hätten sich aufgrund "innenpolitischer Erwägungen" zu dem Schritt entschlossen. Wirtschafts- und Handelsfragen würden politisiert und instrumentalisiert. Die Zollerhöhung widerspreche auch "dem Geist des von den beiden Staatschefs erzielten Konsenses, was die Atmosphäre der bilateralen Zusammenarbeit ernsthaft beeinträchtigen wird", so das chinesische Ministerium weiter.

Tesla-, Rivian- und Lucid-Aktien profitieren

Die Aktien der US-Elektroautohersteller profitieren von der Nachricht über die höheren Zölle. Die Papiere von Rivian und Lucid steigen an der NASDAQ zeitweise um 3,3 Prozent auf 11,26 US-Dollar beziehungsweise 11,92 Prozent auf 3,145 US-Dollar. Tesla-Anteilscheine gewinnen derweil 3,35 Prozent auf 177,65 US-Dollar.

WASHINGTON / STOCKHOLM / PEKING / BRÜSSEL / NEW YORK (dpa-AFX)

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Bildquelle: Cynthia Shirk / Shutterstock.com,Digital Storm / Shutterstock.com,CURAphotography / Shutterstock.com
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