Trump vs. Biden 30.06.2020 23:34:00

US-Präsidentschaftswahl: Welche Folgen hätte Trumps Niederlage?

US-Präsidentschaftswahl: Welche Folgen hätte Trumps Niederlage?

• Trump hat seinen Vorsprung verspielt
• Demokraten nutzen die Gunst der Stunde
• Wahlsieg von Biden wäre keine Katastrophe

Zu Beginn des Jahres 2020 sah es im US-Wahlkampf so aus, als hätte der amtierende US-Präsident Donald Trump seine zweite Amtszeit so gut wie in der Tasche. Neben den relativ guten Umfragewerten glaubten auch viele Experten, dass Trump gute Chancen auf weitere vier Jahre im Oval Office hat.

Trump hat seinen Vorsprung verspielt

Nun, fast ein halbes Jahr später, hat sich die Stimmung im Land der unbegrenzten Möglichkeiten jedoch stark gewandelt. Die weltweite Corona-Pandemie und die landesweiten Proteste nach dem Tod von George Floyd haben viele Amerikaner nun anscheinend dazu gebracht, ihre Einstellung zur Trump Administration zu ändern. Während die Trump-Fans ihrem Präsidenten nach wie vor jeglichen Fauxpas verzeihen, haben sich die eher gemäßigten Wähler in den zurückliegenden Wochen vermehrt den Demokraten zugewandt.

So ergibt sich nun die Situation, dass der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, Joe Biden, entgegen den ursprünglichen Erwartungen der Politikexperten, in Umfragen deutlich vor dem Amtsinhaber Donald Trump liegt. Nach den neusten Erhebungen von "Reuters" ist es dem demokratischen Bewerber sogar gelungen, den amtierenden Präsidenten um bis zu 13 Prozentpunkte zu überbieten. Es sind somit nun rund 48 Prozent der registrierten US-Wähler bereit, am 3. November für Biden zu stimmen. Trump kann hingegen aktuell nur noch rund 35 Prozent der Wähler hinter sich vereinen. Dementsprechend ist es kaum verwunderlich, dass nur noch 38 Prozent der Befragten US-Bürger sein öffentliches Auftreten als positiv ansehen und seine Amtsführung bei 57 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner für Ablehnung sorgt.

Trump - der Liebling der Wall Street

Dass Donald Trump der Lieblingskandidat der Wall Street ist, steht gegenwärtig jedoch trotz schlechter Umfragewerte außer Frage. "Rein für die Finanzmärkte das Beste wäre Trump. […] Bei ihm wissen die Märkte am besten, wie es weiterläuft", lautet laut "Börse online" die Einschätzung vom Robert Greil, dem Chefstrategen der Privatbank Merck Finck. Denn Trump misst seinen politischen Erfolg unmittelbar an den Kursnotierungen der großen US-Börsenindizes. So liegt ihm auch sehr viel daran, dass die US-Notenbank unter der Leitung von Jerome Powell monatlich unzählige frische Milliarden in die US-Wirtschaft pumpt und die Nullzins-Phase beibehält.

Kommt der große Crash, wenn Trump die Wahl verliert?

Mit Sprüchen auf Wahlkampfveranstaltungen wie: "Wenn ich nicht gewinne, werdet ihr einen Crash sehen, wie es ihn noch nie gab", schürt Trump gegenwärtig Angst und versucht viele US-Wähler auf seine Seite zu bekommen. Spätestens nach dem Ausscheiden der beiden eher links angehauchten Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders und Elizabeth Warren hat sich die vermeintlich kritische Lage für die Wall Street jedoch schon längst enorm entspannt. Denn im Gegensatz zu Sanders und Warren ist Biden, der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, weder ein großer Gegner der Wall Street noch ein Sozialist. Der 77-jährige Ex-Vizepräsident gilt vielmehr als sehr moderater Kandidat, der auch unter eher konservativen Wählern Anfänger findet. Dementsprechend dürfte sich der große Schock für die Märkte selbst bei der Abwahl von Donald Trump in Grenzen halten.

"Biden dürfte keine allzu großen Turbulenzen an den Finanzmärkten auslösen", so auch die Einschätzung von Robert Greil. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass Biden beispielsweise die Rücknahme der Steuersenkung von US-Präsident Trump fordert, was viele US-Unternehmen gerade in der aktuellen Situation unnötig belasten dürfte.

Die Magie des US-Präsidentschaftszyklus

Abgekoppelt von der Persönlichkeit der einzelnen Präsidentschaftskandidaten gibt es in den USA so etwas wie einen Präsidentschaftszyklus, welcher seit rund 120 Jahren mit beeindruckender Präzision und hoher Trefferquote anhand des Dow-Jones-Index festgestellt werden kann. "Der US-Präsidentschaftszyklus ist einer der wenigen funktionierenden regelmäßigen Zyklen in der Finanzwelt", so der Marktstratege Robert Rethfeld gegenüber "Tagesschau".

So besteht beispielweise eine Wahrscheinlichkeit von 83 Prozent, dass die Börsenkurse steigen, falls ein amtierender Präsident zur Wiederwahl antritt. Des Weiteren sind Wahljahre, mit einem durchschnittlichen Plus von rund acht Prozent, die zweitbesten Jahren an der Börse - nach den Vorwahljahren. Denn in einem Jahr vor der Wahl steigen die Kurse an den Börsen um durchschnittlich rund 12 Prozent.

Der Grund für diese vermeintlichen Phänomene ist jedoch relativ einfach nachzuvollziehen. Denn in den Monaten vor der Wahl setzt der Amtsinhaber natürlich noch einmal alle Hebel in Bewegung, um die Konjunktur seines Landes anzukurbeln, was die Börse in der Praxis dann auch frühzeitig antizipiert.

Angesichts der neuen Höchststände an den US-Aktienmärkten stellt sich nun jedoch die Frage, welche Faktoren in den verbleibenden fünf Monaten, bis zur Präsidnetschaftswahl im November, noch für neue Impulse sorgen können. Denn die Schnelligkeit der V-förmige Erholungsrally in Folge des Corona-Crashs im S&P 500, Dow Jones und vor allem im NASDAQ hat nun selbst die größten Optimisten verblüfft.

Die Notenbank gibt den Ton an, nicht der Präsident

Unabhängig davon, wer am 3. November 2020 den Einzug in das Oval Office feiern kann: Um die US-Wirtschaft wieder in die Spur zu bringen, wird das Federal Reserve System nicht von dem eingeschlagenen Weg der ultralockeren Geldpolitik bzw. der maximalen Stimulation der Märkte abweichen. "Wir denken noch nicht einmal daran, über eine Zinserhöhung nachzudenken", so der Notenbankpräsident Jerome Powell kürzlich in einer Mitteilung.

Und solange eine immer weiter anschwellende Geldmenge für steigenden Aktienkurse und niedrige Zinsen sorgt, macht es keinen großen Unterschied ob der mächtigste Mann der Welt aus dem Lager der Demokraten oder der Republikaner stammt.

Pierre Bonnet / finanzen.at

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Bildquelle: John Moore/Getty Images,Win McNamee/Getty Images

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