| Migration braucht Jahre |
29.10.2026 03:09:19
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Quantencomputer als Bitcoin-Gefahr? Wie Coinbase sich vorbereitet
- Coinbase will Bitcoin fit für Quantencomputer machen
- Umgang mit alten und verlorenen Coins bleibt offen
- Anleger treffen auf Technik, Governance und Vertrauensfragen
Coinbase hat Mitte Oktober in einem Blogbeitrag dargelegt, wie sich Bitcoin auf Quantencomputer vorbereiten sollte. Das Unternehmen versteht den Text als Diskussionsgrundlage und nicht als endgültige Position. Er zeigt vor allem, dass die technische Antwort auf das Quantenrisiko noch offen ist und der Weg dorthin Jahre dauern dürfte.
Was Coinbase für Bitcoin fordert
Coinbase verlangt einen flexiblen Ausgabetyp wie P2MR (BIP-360) oder P2TRv2, mit dem sich Signaturverfahren einführen, ersetzen oder kombinieren lassen. Aktive Wallets sollen schrittweise auf post-quanten oder hybride Lösungen umsteigen können, etwa über ein 1-von-2-Design mit klassischem und post-quantum Schlüssel. Neben jeder stateful Variante, also einem Verfahren mit mitlaufendem Zustand, fordert das Unternehmen eine stateless Option, weil Fehler in der Statusverwaltung Fälschungen erlauben würden.
Als Kandidaten für die Bewertung nennt Coinbase ML-DSA, SLH-DSA, FN-DSA und SHRINCS. Geprüft werden sollen unter anderem Signaturgrößen, Verifikationszeit und Gebühren. Nach Einordnung von crypto.news legt der Beitrag damit Anforderungen fest, aber keine Lösung. Coinbase habe weder Frist noch Algorithmus noch Aktivierungsdatum bestimmt, und BIP-360 bleibt ein Entwurf ohne eigene Post-Quanten-Signatur. Der Plan beschreibt eine Richtung, aber noch keinen Zeitpunkt, an dem Bitcoin geschützt wäre.
Wie akut ist die Gefahr für Bitcoin?
Das Quanten-Beratungsgremium von Coinbase schätzte im April, dass etwa 6,9 Millionen Bitcoin in Adressen mit ungeschützten öffentlichen Schlüsseln liegen. Ein Quantencomputer, der die Kryptografie von Bitcoin brechen kann, existiert laut dem Gremium noch nicht. Google Quantum AI veröffentlichte Ende März Schätzungen, wonach ein solcher Angriff auf einem supraleitenden Rechner mit weniger als 500.000 physischen Qubits, also realen Rechenbausteinen, möglich wäre.
Das Bitcoin Policy Institute schreibt, Bitcoin sei nicht akut gefährdet, die leistungsfähigsten Quantencomputer hätten nur wenige tausend Qubits. Wie BeInCrypto berichtet erwartete das Schweizer Verwahrungsunternehmen Taurus im Juni, der Kurs würde einbrechen, sobald ein codeknackender Quantencomputer bekannt werde. Coinbase zählt dagegen auch heimlichen Diebstahl vor jeder öffentlichen Kenntnis zu den Risiken für ältere Coins. Das Risiko liegt damit weniger in der Gegenwart als in der Frage, wie schnell Vertrauen und Technik mithalten.
Was Marktreaktionen und Coinbases eigene Interessen zeigen
Kevin O'Leary sagte im September im Podcast "The Rollup", Bitcoin könne 1 Million US-Dollar erreichen, jedoch nur, wenn die Bedenken zu Quantencomputern gelöst werden. Schon im Februar hatte er erklärt, Institutionen würden ihre Bitcoin-Bestände auf maximal drei Prozent begrenzen. Jefferies-Stratege Christopher Wood strich laut Bloomberg bereits im Januar eine zehnprozentige Bitcoin-Position aus seinem Modell-Portfolio und verwies laut eigener Aussage auf Quanten-Bedenken.
Dabei lohnt sich der Blick auf Coinbases eigene Rolle. Das Unternehmen beschreibt sich als einen der größten Krypto-Verwahrer weltweit und verlangt deshalb Kompatibilität mit Multi-Party Computation, einer Technik, die großen Unternehmen hilft, Schlüssel vor Diebstahl zu sichern. Zudem erklärt Coinbase, Änderungen am Bitcoin-Konsens und Migrationen könnten Jahre dauern, die Arbeit müsse daher jetzt beginnen.
Was der Plan für Bitcoin-Anleger bedeutet
Ob Bitcoin rechtzeitig gegen Quantenangriffe abgesichert werden kann, hängt davon ab, ob die Entwickler-Community einen tragfähigen Vorschlag voranbringt und sich auf ein Signaturverfahren sowie einen Zeitplan verständigt. Eine besondere Herausforderung bleibt der Umgang mit ruhenden und verlorenen Coins, für den Coinbase bislang keine abschließende Lösung vorlegt.
Für Krypto-Anleger rückt damit neben Kursentwicklung und Regulierung auch die langfristige technische Sicherheit von Bitcoin in den Fokus. Ein unmittelbarer Handlungsbedarf lässt sich aus der Debatte derzeit nicht ableiten, da kein Quantencomputer bekannt ist, der die Bitcoin-Kryptografie brechen kann. Langfristig dürfte jedoch auch das Vertrauen der Anleger davon abhängen, ob das Netzwerk den Übergang zu quantensicheren Verfahren überzeugend organisiert.
Bettina Schneider, Redaktion finanzen.at
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
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